Gastronomen bekochen Obdachlose Dann gibt's böse Post vom Arbeitsamt in Oberhausen

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Dabei wollten sie doch nur etwas Gutes tun: Drei Gastronome aus Oberhausen bekochten ehrenamtlich Obdachlose – jetzt gibt es Streit mit dem Arbeitsamt. Unser Symbolfoto entstand im Dezember 2017 in München.

Oberhausen – Solidarität und Nächstenliebe ist gerade in der Weihnachtszeit von großer Bedeutung. In Oberhausen ließen sich drei Restaurants zu diesem Thema etwas ganz besonderes einfallen – die Gastronomen haben ehrenamtlich für Obdachlose der Stadt gekocht.

Doch jetzt schreitet das Arbeitsamt ein – mit einem Vorwurf, den die Obdachlosenhilfe entsetzt.

  • Oberhausen: Gastronomen bekochen ehrenamtlich Obdachlose
  • Agentur für Arbeit schreitet ein: Vorwurf auf Missbrauch von Kurzarbeitergelder
  • Obdachlosenhilfe reagiert mit Empörung

Oberhausen: Restaurants kochen ehrenamtlich für Obdachlose

Auf der Facebook-Seite der Obdachlosenhilfe „Solidarität in Oberhausen“ heißt es, dass das Heim von den Restaurants Balcanico, ValDani und Luikov mit kostenlosen Speisen unterstützt wurde.

Doch statt Lob für die süße Geste erhielten alle drei Gastronomen böse Post vom Arbeitsamt. Das Obdachlosenheim ist entsetzt.

„Wie man denn für Obdachlose kochen könnte, wo man doch Kurzarbeit beantragt hat“, heißt es auf der Facebook-Seite des Vereins.

Die Befürchtung der Arbeitsagentur: Möglicherweise werden für die Hilfsaktion unerlaubt Mitarbeiter aus der Kurzarbeit eingesetzt. Ist dies der Fall, so würde ein Missbrauch der Kurzarbeitgelder vorliegen.

Nun prüft die Agentur den Fall.

Obdachlosenheim Oberhausen entsetzt über Vorwürfe

Die Obdachlosenhilfe ist entsetzt. „Wir sind stinksauer! Wir sehen dies ohne Frage als Sabotage unserer wichtigen Arbeit durch das Oberhausener Arbeitsamt“, schreibt der Verein auf Facebook.

Die Obdachlosenhilfe habe zudem kein Verständnis dafür, wie soziales Engagement gefordert werden kann, wenn es dann gleichzeitig in Frage gestellt werde.

Und auch in Bezug auf die Gastronomen reagiert der Verein mit Aufruhr. „Die Gastronomen insgesamt wissen so schon nicht, was die Zukunft bringt und müssen sich nun noch für ihr soziales Engagement rechtfertigen? Wenn ein Inhaber meint, er müsse in seiner Küche fünf bis sieben Liter Eintopf kochen, dann ist das seine Sache und hat das Arbeitsamt erstmal gar nicht zu interessieren“, steht in dem Statement geschrieben.

Stattdessen fordert der Solidaritäts-Verein Lob und Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz der Gastronomen.

Oberhausen: Obdachlosenheim sucht Unterstützung beim Bürgermeister

Der Ärger ist offensichtlich – „So eine Geschmacklosigkeit ist uns in zwei Jahren nicht passiert“, heißt es weiter.

Mittlerweile wurde das Anliegen sogar an den Oberbürgermeister Daniel Schranz weitergeleitet.

Ein Sprecher äußerte sich gegenüber EXPRESS dazu, dass Oberbürgermeister Schranz in diesem Fall bedauerlicherweise jedoch „keine Handlungskompetenz“ habe.

Agentur für Arbeit betont die Pflicht zur Überprüfung

Und was sagt die Agentur für Arbeit dazu?

Sprecherin Katja E. Hübner der Arbeitsagentur Oberhausen erklärte gegenüber dem „Westen“: „Ehrenamtliches Engagement von Arbeitnehmern ist immer möglich. Zu beachten bleibt, dass diese Tätigkeiten einen Lohnanspruch gegen den Arbeitgeber generieren können, wenn diese in den Räumen des Beschäftigungsbetriebes und während der Kurzarbeit durchgeführt wird. Dies würde im Falle des Kurzarbeitergeld-Bezuges zu einer Minderung des Kurzarbeitergeldes führen.“

Die Sprecherin verdeutlichte zudem, dass Hinweisen auf Leistungsmissbrauch immer konsequent nachgegangen werde. Da Kurzarbeitergeld aus Beitragsgeldern der Versichertengemeinschaft gezahlt werde, sei man insbesondere hier in der Pflicht, den Verdachtsfällen nachzugehen.

Auf Anfrage von EXPRESS hieß es, man dürfe aus Datenschutzgründen keine genauen Details über den Fall geben.

Gedrückte Stimmung in Oberhausen: „Die Situation ist sehr unschön“

Im Obdachlosenheim ist die Stimmung derweil gedrückt. Auf EXPRESS-Nachfrage berichtete ein Sprecher des Vereins, dass man noch keine offizielle Rückmeldung der Agentur erhalten habe.

Allerdings habe das Arbeitsamt die Gastronomen laut Sprecher des Obdachlosenheimes kontaktiert und „etwas erbost gefragt, was denn der Shitstorm jetzt solle“.

Da die Restaurantbetreiber insbesondere durch die Pandemie auf die Unterstützung des Arbeitsamtes angewiesen sind, sei man nun besorgt – ein Streit wäre hier wohl eher unvorteilhaft.

Insgesamt sei die Situation für alle Beteiligten „sehr unschön“, so der Sprecher.

Bleibt zu hoffen, dass der Fall schnell geklärt werden kann und den Bedürftigen, durch ehrenamtliches Engagement wie diesem, weitergeholfen werden darf. (lg)

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