Wie kamen die Einbrecher so einfach in die Gelsenkirchener Sparkasse? Die Polizei hat nun eine erste Spur gefunden – und zwar an einer Fluchttür.
Millionen-Coup in GelsenkirchenWichtige Spur an Fluchttür – Verdacht erhärtet sich

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Ein großes Loch ist in der Wand des Tresorraums einer Sparkasse zu sehen. Einbrecher haben sich im Dezember mit Hilfe eines großen Bohrers Zugang zum Tresorraum verschafft.
Aktualisiert
Beim Millionen-Coup in der Sparkasse Gelsenkirchen sind die Täter nach Angaben der Ermittler offensichtlich durch eine manipulierte Fluchttür in das Gebäude gelangt.
Die Tür könne von außen aus eigentlich nicht geöffnet werden, teilte die Polizei mit. Durch die Manipulation sei den Tätern aber „ein ungehinderter Zugang vom Parkhaus in das Sparkassengebäude möglich“ gewesen.
„Das Ding klären wir auf“
Die bislang unbekannten Kriminellen hatten schließlich ein großes Loch in die Wand zum Tresorraum gebohrt und dort rund 3.100 Kundenschließfächer aufgebrochen. Der Aufbruch der Bankschließfächer habe bereits am 27. Dezember um 10.45 Uhr begonnen, teilten die Ermittler weiter mit.
Nach dem spektakulären Sparkassen-Einbruch mit Millionenbeute in Gelsenkirchen hat die Polizei inzwischen 230 Beamte für die Ermittlungen abgestellt. Der Anspruch sei: „Das Ding klären wir auf“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) bei einer Sondersitzung des Innenausschusses. Es gebe eine „riesige Bereitschaft“ unter den Beamten, sich an der Ermittlungsgruppe zu dem Fall zu beteiligen.
Die Ermittlungen seien allerdings mühsam. Im Tresorraum und dem danebenliegenden Archivraum hätten Schätzungen zufolge unter anderem 500.000 Gegenstände auf dem Boden gelegen. „Das sieht aus wie eine Müllkippe“, sagte Reul. Alles müsse nun akribisch untersucht werden. „Auf jedem dieser Gegenstände könnten relevante Spuren sein.“
Hatten die Einbrecher einen Insider?
Eine zentrale Frage der Ermittler ist, wie die Täter Ende Dezember in den Tresorraum der Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen-Buer kommen konnten, ohne einen Einbruchalarm auszulösen. Sie hätten dabei mehrere Sicherheits-Systeme überwunden - unter anderem ein Rolltor und mehrere Türen, die eigentlich speziell gesichert oder nur von innen zu öffnen sind. Schließlich bohrten sie sich zielgerichtet mit einem 40 Zentimeter großen Loch direkt in den Tresorraum.
Zwar habe es während der Tat zweimal einen Brandalarm aus der Bank gegeben - aber der Einbruchalarm, der direkt bei der Polizei aufgelaufen wäre, blieb stumm. „Das kann ganz viele Gründe haben“, sagte Reul. Geprüft werde unter anderem, ob die Alarmanlage ausgeschaltet oder kaputt war - oder ob es den Tätern gelungen sein könnte, sie zu überlisten. „Da stellen sich eine Reihe von Fragen. Aber ich bin sicher, irgendwann werden wir die beantworten.“
Auch die Frage, ob die Täter Hilfe durch einen Insider hatten, müsse man klären. „Man denkt, man ist in einem Kinofilm, was Professionalität und Kaltschnäutzigkeit angeht“, sagte der Minister. „Dass das nicht klein Fritzchen war, der sich was ausgedacht hat, ist relativ wahrscheinlich.“ (dpa/mg)

