Ungewöhnliches Immobilienangebot: Ein Bunker aus dem 2. Weltkrieg steht in Neuss zum Verkauf.
Immobilie im RheinlandUngewöhnlicher Nazi-Bunker steht zum Verkauf

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Stahltüren sichern den Zugang zum Bunker an der Bergheimer Straße in Neuss am Rhein.
Eine alles andere als gewöhnliche Immobilie wird derzeit in Neuss zum Kauf angeboten. Ein Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sucht einen neuen Eigentümer oder eine neue Eigentümerin. Aber ist der Erwerb eines solchen Bauwerks überhaupt sinnvoll?
In einem Inserat auf Immobilienscout24 heißt es: „Das großzügige Grundstück liegt direkt an der Bergheimer Straße und beherbergt einen ausgemauerten Bunker mit etwa 600 Quadratmetern Fläche“. Der Stadtteil Reuschenberg im Nordosten von Neuss verfügt über eine gute Anbindung, beispielsweise zur A57, sowie eine vielfältige Infrastruktur.
„Spezialobjekt“ in Neuss hat düstere Vergangenheit
Doch für wen kommt ein solches Objekt überhaupt infrage? Selbst das beauftragte Immobilienunternehmen bezeichnet es als „Spezialobjekt“. Der Kaufpreis ist mit 495.000 Euro, also fast einer halben Million Euro, auch nicht gerade ein Schnäppchen.
Der Bunker an der Bergheimer Straße ist einer von drei Schutzbauten in Neuss, die im Rahmen der ersten Welle des sogenannten „Führer-Sofortprogrammes“ entstanden.
Der ehrenamtliche Verein „Luftschutzanlagen Rhein-Kreis Neuss“ erklärt auf seiner Webseite, dass solche Anlagen ab dem 10. Oktober 1940 im damaligen Deutschen Reich errichtet wurden. Sie sollten die Zivilbevölkerung vor britischen Luftangriffen schützen. Adolf Hitlers Vorhaben gilt als das größte zweckgebundene Bauprogramm der Geschichte.
Die ersten dieser Hochbunker hatten wegen des angeordneten Zeitdrucks nur eine Deckenstärke von 1,40 bis zwei Metern. Um möglichst viele Menschen unterzubringen, wurde über mehrere Etagen gebaut. Die Gesamtfläche des zum Verkauf stehenden Bunkers in Neuss von 600 Quadratmetern verteilt sich auf zwei Etagen und ein Untergeschoss mit je 200 Quadratmetern.
Laut dem beauftragten Immobilienmakler Peter Wille ist der Verkäufer der aktuelle Besitzer der Anlage. Dessen Identität sei geprüft, er möchte jedoch anonym bleiben. Die Stadt ist weder Eigentümerin der Immobilie, noch hat sie bisher Interesse bekundet.
Dieser Umstand ist nicht überraschend. Ein Großteil der Bunker in Nordrhein-Westfalen ist mittlerweile in Privatbesitz. Nur wenige befinden sich noch in städtischer Hand. Doch auch private Eigentümer und Eigentümerinnen entscheiden sich selten dafür, die speziellen Bauwerke in modernen Wohnraum zu verwandeln.
Der Grund dafür liegt auf der Hand: Die Kosten für den Abriss eines solchen Bunkers belaufen sich meist auf mehrere Hunderttausend Euro. Es handelt sich um ein massives Bauwerk, das Bombenangriffen standhalten sollte. Im aktuellen Fall könnten die Abrisskosten den Kaufpreis von einer halben Million Euro sogar übersteigen.
Bunker: Nutzung sollte genau geplant werden
Wer sich für den Bunker an der Bergheimer Straße in Neuss interessiert, sollte sich also genau überlegen, welchen Zweck er oder sie mit dem Kauf verfolgt. Auch ein Umbau zu Wohnraum ist mit hohen finanziellen Hürden verbunden. Die meterdicken Wände können nur mit erheblichem Materialaufwand für Fenster oder Durchgänge geöffnet werden.
Anstelle von Wohnraum eignen sich für eine solche Immobilie oft andere, meist gewerbliche Nutzungsformen. Eine Stadtteilgesellschaft erwarb 2025 beispielsweise einen Bunker an der Niederfeldstraße in Leverkusen-Wiesdorf. Auf dem seit Jahren ungenutzten Gelände soll ein Businessquartier entstehen, wobei der Bunker in das Konzept integriert wird.
Auf einem Hochbunker in Hamm wurde bereits 2008 ein luxuriöses Penthouse gebaut. Der Bunker selbst blieb dabei fast unberührt; das Penthouse wurde einfach oben aufgesetzt.
In vielen deutschen Städten haben sich ehemalige Bunker zu Proberäumen für Musikerinnen und Musiker entwickelt. In Aachen zum Beispiel gibt es in drei Hochbunkern etwa 120 Proberäume für Bands, in denen auch regelmäßig Konzerte stattfinden. Die Musikbunker bieten nicht nur Raum für kreative Entfaltung, sondern auch ideale Bedingungen: Die dicken Mauern schlucken laute Töne zuverlässig. (red)
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