„Offiziell nie geklärt“ Düsseldorfer TV-Kommissar lüftet Geheimnis um größten (echten) Fall

Michael Naseband 2020 in seiner Kneipe „Naseband’s“ in der Altstadt von Düsseldorf.

Michael Naseband 2020 in seiner Kneipe „Naseband’s“ in der Altstadt von Düsseldorf. Im Hintergrund hängt das Fahndungsfoto einer älteren Dame, die in Düsseldorf mehrere Banken überfallen haben soll.

Für den Düsseldorfer TV-Kommissar Michael Naseband war der Fall der Bankraub-Oma der kniffeligste, aber auch größte Fall seiner Karriere. Im EXPRESS erzählt Naseband erstmals wichtige Details.

Düsseldorf. Er ist Ex-Polizist, TV-Kommissar und Altstadtwirt: Michael Naseband. Und in seiner Kneipe „Naseband’s“ hängt ein lebensgroßes Fahndungsfoto, das an seinen größten Fall als Kriminalbeamter erinnert: die „Bankraub-Oma“. Für den EXPRESS lässt Naseband noch einmal den ungewöhnlichen Fall Revue passieren, an den er bis heute immer wieder denken muss.

Es ist ein Kriminalfall, der zwischen 1999 und 2001 die ganze Republik beschäftigte. Der „Spiegel“ widmete ihm eine Geschichte, bei „XY … ungelöst“ wurde nach der Täterin gefahndet.

Michael Naseband erinnert sich an ersten Fall der Bankraub-Oma

Der erste der drei Überfälle der betagten Täterin ereignete sich am 14. September 1999 in einer Bank an der Lenaustraße in Rath – die „Bankraub-Oma“ machte gleich richtig Beute: 30.000 Mark. „Ich bin sofort nach dem Überfall mit den Kollegen raus“, erinnert sich der damalige Chefermittler Michael Naseband. „Die überfallene Kassierin war völlig fertig. Sie war so geschockt, dass sie nicht einmal den Alarm und damit die Überwachungskameras ausgelöst hatte. Es gab keine Spuren. Wir hatten überhaupt keine Ansätze für die Ermittlungen.“

Anderthalb Jahre später, am 19. Februar 2001, schlug die Bankräuberin mit der Pistole wieder zu – diesmal in der Filiale der Stadtsparkasse an der Rather Straße. Wieder machte die „Oma“ fette Beute: 25.000 Mark. „Und wieder dasselbe Bild für uns als Ermittler“, erzählt Naseband. „Wieder eine geschockte Kassierin, die es nicht geschafft hatte, den Alarmknopf zu drücken. Sie sagte, die alte Frau sei so resolut aufgetreten, dass sie einfach das habe tun müssen, was sie verlangt habe.“ Der Ermittler zog sich den Spott seiner Kollegen zu: „Kannst du nicht einmal eine Oma fangen?“

Michael Naseband bekommt gute Spuren bei zweitem Überfall der Bankraub-Oma

Dann Fall Nummer drei am 17. Oktober 2001: Die „Bankraub-Oma“ hatte den Stadtteil gewechselt, stand mit ihrer Pistole jetzt in der Filiale der Stadtsparkasse an der Hansaallee in Oberkassel. Diesmal war alles anders: Sie erbeutete „nur“ 5000 Mark – und der Filialleiter hatte die Kameras aktiviert. „Wir hatten hervorragende Bilder“, erzählt Michael Naseband und verweist auf das Foto in seiner Kneipe. „Und wir fanden die Tatbekleidung in der Nähe in einem Container – mit DNA-Spuren daran.“

Die Ermittler nahmen ihre frühere Beschreibung zurück, es habe sich um eine „kleine Dicke“ gehandelt, denn sie wussten nun, dass die Frau doppelte Kleidung übereinander getragen und die „äußere Hülle“ nach der Tat weggeworfen hatte. Mit den Fotos und der DNA waren sie sich allerdings sicher: „Jetzt kriegen wir sie!“ berichtet Naseband.

Düsseldorfer Bankraub-Oma bei „XY … ungelöst“

Schon nach der Veröffentlichung der Fotos gab es verschiedene Hinweise. Dann ging Michael Naseband zu „XY … ungelöst“ – und es hagelte Zeugenaussagen: „Wir bekamen mehr als 100 Hinweise. Denen sind wir im Detail nachgegangen.“ Und das bedeutete: Die Ermittler baten ältere Damen zur DNA-Probe. „Ich bin der erste deutsche Kriminalbeamte, der 70 Omas zum DNA-Test gebeten hat“, grinst Naseband. „Mein Besuch war für manche der Seniorinnen ein Schreck: Ich hatte damals schon eine Glatze und trug einen langen Ledermantel – das war sicher nicht unbedingt vertrauenserweckend.“ Manche der alten Damen luden den Kommissar aber auch zu Kaffee und Kuchen ein, reagierten auch amüsiert, dass man ihnen in ihrem hohen Alter noch eine solche Tat zutraute – immerhin war die älteste von ihnen 90 Jahre alt.

In der Rückschau gibt Naseband zu: „Irgendwie haben wir auch so etwas wie Sympathie für die „Bankraub-Oma“ empfunden.“

Michael Naseband lüftet Geheimnis um das Ende des Falls der Bankraub-Oma

Und dann erzählt er das Ende der Geschichte, das bisher noch nie öffentlich beschrieben wurde: Er konnte tatsächlich eine Verdächtige festnehmen, die aus den Linksrheinischen, also der Nähe des dritten Tatortes, stammte. „Wir haben die Dame, die etwa 67 Jahre alt war, verhört – sie hat aber alles abgestritten. Dann kam ihr erboster Sohn dazu und schimpfte, dass wie seiner Mutter so etwas vorwarfen. Dem habe ich das Foto aus der Überwachungskamera gezeigt – und er hat gesagt: „Tatsächlich, das ist meine Mutter!““

Doch dann gab es einen herben Rückschlag für Naseband und seine Kollegen: Der DNA-Vergleich beim Landeskriminalamt war negativ. „Wir hatten alle Beweise: Nach den Überfällen waren hohe Summen auf ihrem Konto eingegangen, sie hat danach Schulden bezahlt. Sie hat bei einem Überfall einen Arm komisch bewegt – und hatte tatsächlich in der Zeit einen Schlüsselbeinbruch. Aber die DNA passte eben nicht!“

Der erfahrene Ermittler ist sich sicher: „Für mich habe ich den Fall aufgeklärt, aber ich konnte ihr die Tat letztlich nicht beweisen. Offiziell wurden die Überfälle nie geklärt.“

Das Fahndungsfoto hing lange über seinem Bett, bis es einen Platz im „Naseband’s“ fand. „Die „Bankraub-Oma“ werde ich nie vergessen“, sagt Michael Naseband.

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