Düsseldorfer Gastro-Legende „Schnitzel-Poldi“ mit 90 Jahren gestorben

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„Poldi“ in seinem Restaurant auf der Fischerstraße. Der Wiener Metzgermeister starb mit 90 Jahren.

Düsseldorf – Schnitzel-Magier. Fleisch-Flüsterer. Und vor allem: Absolutes Unikum. Leopold Wagner war Düsseldorfs berühmtester Österreicher. Die Landeshauptstadt trauert um ihren „Schnitzel Poldi“.

Jetzt kam heraus: Er starb bereits am 25. Mai, kurz nach seinem 90. Geburtstag, sagte er für immer „servus“.

Wer das Restaurant des Wiener Metzgermeisters betrat, kam an Poldis Lebensmotto nicht vorbei: „Fleisch is my life“ stand dort überall zu lesen. Und das schmeckte man: Poldi zauberte den Düsseldorfern über Jahrtzehnte die besten Wiener Schnitzel nördlich der Donau auf den Tisch. „Braun wie weine Violine müssen sie sein“, erklärte er dabei immer wieder.

Düsseldorf: „Poldi“ kam 1964 nach Düsseldorf

Es war 1964, als Leopold Wagner nach Düsseldorf kam, weil die Firma Eickeler Metzger suchte. „Poldi“ hatte sich sofort in die Rheinmetropole verliebt. Nach einem weiteren Engagement bei der Metzgerei Schlösser blieb er deshalb einfach hier, eröffnete auf der Cheruskerstraße in Oberkassel einfach seine eigene Metzgerei. Dort fing er dann irgendwann an, für seine Kunden Wiener Schnitzel zu braten. Und die Legende nahm ihren Lauf.

„Poldis“ Schnitzel waren buchstäblich in aller Munde. Täglich platzte der kleine Fleischerladen aus allen Nähten. Die Leute kamen von nah und fern, um Schnitzel mitzunehmen, oder sie gleich vor Ort zu essen. Letzteres hatte den Nebeneffekt, dass die Gäste auch etwas trinken wollten. Weil Metzger Leopold keine Schankerlaubnis hatte, gab’s zur Tarnung den Weißwein in Limo-Gäsern, den Rotwein in Kaffeetassen.

Düsseldorf: „Poldi“ war der erste „Eventgastronom“

Auf ein Schnitzel zum „Poldi“ – das hatte eben schon immer etwas von „Event-Gastronomie“. Leopold Wagner war einfach viel lieber großzügiger Gastgeber, als Geschäftsmann. An manchen Abenden ließ er einfach die Flasche Marillenschnaps auf dem Tisch der Gäste stehen. „Schenkt’s euch selbst ein, so viel ihr wollt“, sagte er dann. Beim Abrechnen rundete er dann meistens noch zu Gunsten des Gastes ab.

In den 90er Jahren wechselte „Poldi“ nach Heerdt, später briet er seine Schnitzel in Flingern, bevor er auf der Fischerstraße landete. Stets mit umgezogen war der Fortuna-Wimpel, der in seinen Lokalen immer neben dem seines Heimatvereins Rapid Wien hing. „Poldi“ war längst ein Düsseldorfer Jong geworden.

Düsseldorf: Leopold musste im Auto schlafen

Wie viele seiner legendären, quadratmetergroßen Schnitzel er geklopft hat, wagte sich Leopold Wagner noch nicht einmal selbst zu schätzen. Fest steht: Am 30. Oktober 2018 haute er sein letztes in die Pfanne. „Poldi“ ging in den Ruhestand, kündigte sein Lokal. Und weil er so chaotisch war, aus Versehen seine darüber liegende Wohnung gleich mit. „Poldi“ musste im Auto schlafen. Als EXPRESS über sein Schicksal berichtet hatte, brach eine Welle der Hilfsbereitschaft über ihn hinein.

Der betagte Schnitzel-Magier fand eine Wohnung in der Altstadt. „Poldi“ verdrückte damals sichtlich gerührt ein paar Tränchen: „Es ist überwältigend, wie diese Stadt mir hilft. Ich liebe Düsseldorf. So etwas gibt es heute immer weniger“, sagte der Fleischermeister.

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Das letzte Foto: Poldi auf Krankenfahrstuhl.

So jemanden wie ihn, die gibt es auch immer weniger. Leopold Wagner, so herrlich bekloppt wie seine unvergleichlichen Schnitzel, sagte kurz nach seinem 90. Geburtstag leise „Baba“. Düsseldorf verneigt sich ein letztes Mal vor seinem „Poldi“ und sagt „Tschö“.

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