Forscher rätseln Besitzen Haustiere übersinnliche Fähigkeiten?

Kater Felix hat sein Zuhause über Hunderte von Kilometern gefunden.

Kater Felix hat sein Zuhause über Hunderte von Kilometern gefunden.

Sie spüren Gefahr, retten Menschen, trauern um ihre Herrchen oder finden über Hunderte von Kilometern zurück nach Hause. Forscher rätseln: Besitzen Tiere einen sechsten Sinn?

Normal scheint es jedenfalls nicht, was zum Beispiel Kater Felix aus Berlin leisten kann. Der Stubentiger ist von seinem neuen Zuhause in Braunschweig zurück in seine alte Heimat Berlin spaziert.

„Es gibt immer wieder solche Einzelfälle, die uns als Mysterium erscheinen“, sagt Prof. Helmut Kratochvil, Evolutionsbiologe an der Uni Wien. Wie Hunde und Katzen es schaffen, solche Distanzen zu überwinden, darauf gebe es keine logische Antwort. „Man vermutet, dass jedes höhere Wesen die unbewusste Fähigkeit besitzt, Richtungen einzuhalten oder wahrzunehmen, wohin sie gebracht werden.“

Hunde orientieren sich Dank ihres Geruchssinns, der 600 Mal stärker ausgeprägt ist als beim Menschen, an Duftspuren. Was die Orientierung angeht, bleiben aber Zugvögel das Maß aller Dinge: Sie finden über Tausende Kilometer zielgenau ihren Nistbaum aus dem Vorjahr.

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„Man vermutet, dass die Vögel einen Magnetsinn haben. Aber lokalisiert hat man dieses Organ bisher nicht. Vielleicht spüren sie feinste Veränderungen des Erd-Magnetfeldes über die Muskelzellen“, erklärt Kratochvil. Eine große Sensibilität ist dabei Voraussetzung.

Doch auch unter Tieren gibt es besonders feinfühlige Exemplare, bestätigt Stephanie Eschen vom Tierheim Berlin, die immer wieder um ihr verstorbenes Herrchen trauernde Hunde betreut: „Sie ziehen sich zurück, verweigern das Fressen, verstehen die Welt nicht mehr. Es gibt Fälle, da merkt man, dass der Lebensgeist verloren geht.“

Wissenschaftlich sei das kaum zu belegen. Eine ganze Sammlung von tierischen Ausnahmekönnern hat Bill Schul im Buch „Psi bei Tieren“ (Aquamarin; 12,95 Euro) zusammengefasst. Kaum zu glauben sind die Geschichten über die „innere Uhr“ von Tieren.

Kater Willi zum Beispiel ließ sich montags um 19.30 Uhr weder von Futter oder anderen Katzen davon abhalten, einen besonderen Termin wahrzunehmen: Er lief über mehrere Häuserblocks zu einer Klinik, wo eine Gruppe Frauen um dieselbe Zeit Bingo spielte. „Diese Katze wusste genau, wann Montag und wann 19.45 Uhr war“, so Schul.

„Als Biologe sollte man nie sagen, dass es etwas nicht gibt“, sagt Professor Kratochvil. Er hat nach dem Tsunami in Ostasien über Elefanten geforscht, die ihre Besitzer vor den Todeswellen gewarnt, sie in höhere Regionen geführt hatten. „Sie konnten Schallwellen im Niedrig-Frequenzbereich, die beim Brechen der Welle entstanden waren, wahrnehmen. Diese haben sie als Bedrohung empfunden und reagiert.“ Und so ihre Menschen gerettet.

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