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Schatzsuche im KönigsforstFörster sammeln wichtige Daten für eine große Klima-Untersuchung

„Kohlenstoffinventur“ im Königsforst

Copyright: Oliver Berg/dpa

Keding prüft mit einem speziellen Gerät, welche Bäume innerhalb eines festgelegten Winkels stehen und somit für die Stichprobe erfasst werden.

Männer durchkämmen den Königsforst – für den Klimaschutz.

Sie sehen aus wie Schatzsucher, doch ihre Mission ist todernst. Im Königsforst bei Köln sind Männer mit seltsamem Gerät unterwegs. Was sie dort tun, ist entscheidend für unser Klima.

Holger Keding hält abrupt auf dem Waldpfad an, sein Blick löst sich vom Tablet. „Jetzt da rein“, sagt er und bahnt sich mit seinem Kollegen Michael Drews den Weg tief ins Dickicht. „Hier muss es irgendwo sein.“ Drews greift zum Metalldetektor an seinem Gürtel und lässt ihn über den Waldboden gleiten: Piep, piep, piiiiep! Mit der Schuhspitze schiebt er etwas Moos beiseite – und legt einen in den Boden gerammten Eisenpflock frei.

Die Szene erinnert an eine Schatzjagd, doch in Wahrheit beginnt hier eine penible Aufgabe direkt vor den Toren Kölns. Als Förster für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW sind Keding und Drews im Einsatz. Sie erheben Daten für die kürzlich begonnene, deutschlandweite Kohlenstoffinventur. An diesem Tag ist der Königsforst ihr Einsatzgebiet.

Bundesweite Zählung für den Klimaschutz

In ganz Deutschland werden bis Ende Oktober 2027 Spezialisten die Wälder durchstreifen, um Bäume sowie Totholz zu zählen und deren Maße zu nehmen. Die Absicht dahinter ist die Erfassung des im Forst gebundenen Kohlenstoffbestands und dessen Entwicklung. Diese Informationen bilden die Basis für die Überwachung der Treibhausgase gemäß dem Kyoto-Protokoll.

Bei der Kohlenstoffinventur handelt es sich um ein gemeinsames Vorhaben von Bund und Ländern, das nach 2008 und 2017 jetzt zum dritten Mal durchgeführt wird. Die Koordination liegt beim Bundeslandwirtschaftsministerium und die Erhebung erfolgt zwischen den großen Bundeswaldinventuren, die alle zehn Jahre anstehen. Für die Auswertung der Informationen ist das bundeseigene Thünen-Institut zuständig. Im Jahr 2029 ist die Veröffentlichung der Resultate der laufenden Erhebung geplant.

Die Inventurteams steuern jedes Mal die exakt gleichen Stichprobenpunkte an, um vergleichbare Ergebnisse zu sichern. Zu diesem Zweck wurde ein digitales Raster mit einer Maschenweite von vier mal vier Kilometern über die gesamte Bundesrepublik gelegt. An jedem dieser Rasterpunkte befindet sich ein sogenannter Inventurtrakt, der ein Quadrat mit einer Seitenlänge von 150 Metern darstellt. An den vier Ecken dieses Quadrats werden auf einer Fläche von etwa 2.000 Quadratmetern in konzentrischen Probekreisen Informationen zum Waldbestand gesammelt. In Nordrhein-Westfalen allein existieren ungefähr 2.300 dieser Kreise.

Jeder Handgriff genormt: „Was kleiner als 20 Zentimeter ist, zählt nicht“

Wieder beim Eisenpflock im Königsforst: Dieser kennzeichnet das Zentrum eines Probekreises. Exakt an dieser Stelle positionieren Drews und Keding ihre Messtation, die mit einem GPS-Gerät ausgestattet ist und als Ausgangspunkt für sämtliche Berechnungen dient. Nahezu 150 verschiedene Merkmale, darunter Baumarten, Höhen und Durchmesser, werden insgesamt registriert.

Zunächst widmen sich die beiden Förster der Erfassung der sogenannten Verjüngung, womit nachgewachsene junge Bäume gemeint sind. „Alles ist genau genormt“, erklärt Landesinventurleiter Lutz Jaschke. Die Messung findet in einem Probekreis fünf Meter in nördlicher Richtung statt. „Wenn das zum Beispiel wegen eines Zauns nicht möglich ist, gehen wir fünf Meter Richtung Süden, ansonsten nach Osten oder als letzte Möglichkeit nach Westen.“ Jeder kleine Baum im Probekreis wird ausgemessen und anhand seiner Größe sowie seines Stammdurchmessers in fest definierte Kategorien sortiert.

Unter 20 Zentimetern? Zählt nicht!

Ausgerüstet mit Zollstock, Messstab und Maßband legt Drews los. „Fichte - Kategorie 1. Douglasie - auch 1.“ Diese Resultate ruft er seinem Partner Keding zu, welcher sie ins Tablet eingibt. Eine junge Buche bleibt unberücksichtigt, da ihre Größe unter 20 Zentimetern liegt.

Nach den jungen Bäumen sind die ausgewachsenen Exemplare an der Reihe. Keding blickt hierfür durch ein Spiegelrelaskop. Das ist ein optisches Gerät für die sogenannte Winkelzählprobe, mit dessen Hilfe sich die Grundfläche des Waldes sowie Baumdaten ermitteln lassen. Auf diese Weise stellt Keding fest, welche Bäume einen bestimmten Winkel überschreiten und somit in die Stichprobe aufgenommen werden müssen.

Ultraschall im Wald: So wird die Baumhöhe bestimmt

Drews ermittelt den Stammdurchmesser mit einem Umfang-Maßband. Für die Baumhöhe kommt ein Gerät zum Einsatz, das Distanzen per Ultraschall kalkuliert. „Wir vermessen dieselben Bäume wie bei der letzten Inventur und ermitteln so den Zuwachs - also wie viel der Baum seit der letzten Messung gewachsen ist“, erklärt Jaschke.

Anhand der Messdaten kalkulieren Experten das Holzvolumen in Kubikmetern. Aus diesem Wert lässt sich dann unter Einbeziehung der holzartspezifischen Dichte sowie des Kohlenstoffanteils die gebundene Kohlenstoffmenge ableiten.

Die Resultate der Bundeswaldinventur (BWI) von 2022 zeigen, dass in den Wäldern Deutschlands 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff in lebenden Bäumen fixiert sind, was 108 Tonnen pro Hektar entspricht. Zusätzliche 46,1 Millionen Tonnen Kohlenstoff lagern im Totholz.

Selbst Stümpfe und Äste kommen auf die Liste

Zur Erfassung des Totholzes nehmen Keding und Drews in einem definierten Areal die Maße von Baumstümpfen, herumliegenden Stämmen und starken Ästen. „Worst Case für uns wäre zum Beispiel eine umgefallene Buche, deren dickes Ende ohne Wurzelballen in den Probekreis hineinragt: Dann müssten wir nämlich den gesamten Baum einschließlich aller Äste ab zehn Zentimeter Durchmesser als Totholz vermessen“, sagt Jaschke mit einem Schmunzeln.

Der Klimawandel und die dadurch verursachten Schäden durch Stürme, Trockenheit und Schädlinge führten laut BWI dazu, dass der Holzverlust zwischen 2017 und 2022 den Zuwachs überstieg. Infolgedessen verringerte sich der Kohlenstoffbestand in diesem Zeitraum deutschlandweit um drei Prozent.

Hoffnungsschimmer: Mehr Laubbäume im Wald

Die laufende Kohlenstoffinventur soll aufzeigen, wie die Entwicklung des Kohlenstoffbestands seither verlaufen ist. Dies ist besonders relevant angesichts der laut Jaschke mittlerweile überstandenen Borkenkäfer-Kalamität, welche vor allem bei den Fichtenbeständen in NRW fürchterliche Verwüstungen hinterlassen hatte.

Gleichzeitig belegte die BWI, dass sich der langfristige Wandel zu strukturreicheren Mischwäldern mit einem geringeren Nadel- und höheren Laubholzanteil fortsetzt. Die Daten für NRW belegen für den Zeitraum von 2002 bis 2022 eine Zunahme des Laubbaumanteils von 52 auf 66 Prozent. Laut Jaschkes Einschätzung wird dies auch die Klimaresilienz des Waldes stärken und somit seine Eignung, auf lange Sicht wieder als Kohlenstoffsenke zu fungieren.

„So einen tiefgreifenden Umbruch im Wald gab es noch nie“

Dennoch: „Die Bäume, die jetzt stehen, mussten sich nie mit ausgedehnten sommerlichen Dürreperioden auseinandersetzen“, sagt er. Es sei daher eine spannende Frage, ob und auf welche Weise die nachfolgende Baumgeneration sich an die gewandelten klimatischen Verhältnisse anpassen kann. Sein Fazit ist eindringlich: „Fest steht: So einen tiefgreifenden Umbruch im Wald gab es noch nie.“ (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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