Irrer Vorwurf an Homosexuelle Rabbiner hat skurrile Erklärung für Coronavirus

Gay-Parade-TelAviv

Ein strengreligiöser Rabbiner in Israel hat Paraden der LGBT-Gemeinschaft für die Ausbreitung des Coronavirus in Israel verantwortlich gemacht. 

Jerusalem – Jetzt wird es richtig skurril: Als wäre die Ausbreitung des Coronavirus nicht schon schlimm genug, werden nun unschuldige Minderheiten als Sündenbock für die Virus-Erkrankung missbraucht.

So hat etwa ein strengreligiöser Rabbiner in Israel Paraden der LGBT-Gemeinschaft für die Ausbreitung des Coronavirus in Israel verantwortlich gemacht.

LGBT ist die Abkürzung für die englischen Wörter Lesbian, Gay, Bisexual und Transexuell/Transgender (deutsch: lesbisch, schwul, bisexuell und transsexuell/transgender). Oft wird das Kürzel auch mit „I“ für intersexuell und „Q” für queer erweitert: LGBTIQ.

Israel: Rabbiner macht Homosexuelle für Coronavirus verantwortlich

„Die Pride Parade ist gegen die Natur, und an dem, der gegen die Natur handelt, wird Er, der die Natur geschaffen hat, sich rächen“, zitierte der Sender „Arutz Scheva“ am 8. März den Dekan der Kisse-Rachamim-Thoraschule in Bnei Brak (Anm. d. Red.: Stadt in Israel), Meir Mazuz.

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Alle Länder, die dieses Übel hätten, litten unter dem Coronavirus, so die Auffassung des tunesischstämmigen Rabbiners. Ausgenommen von der Krankheit seien die „arabischen Länder, die diese böse Neigung, dieses Ding, nicht haben“.

Mit Ausnahme einer Erkrankung in Tunesien sei das Virus von den arabischen Ländern nur im Iran aufgetreten, dessen Menschen „schlechte Charakterzüge haben und furchtbare Israel-Hasser sind“, sagte Rabbiner Mazuz. 

So einfach hat der Geistliche eine Erklärung für die Verbreitung des Virus gefunden. 

Israel bildet positive Ausnahme im Nahen Osten 

Die offen demonstrierte Homophobie des Rabbiners ist in Israel eher ungewöhnlich. Schließlich ist Israel das einzige Land im Nahen Osten, in dem LGBT-Menschen gesetzlich vor Diskriminierung geschützt sind. 

Die Küstenmetropole Tel Aviv ist als Party- und LGBT-Hochburg in der ganzen Welt bekannt. Israel hat laut „Jüdische Allgemeine” seit Juni 2019 auch einen offen schwulen Justizminister, wenngleich Amir Ohana der rechtskonservativen Likud-Partei angehört.

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Tel Aviv feiert jedes Jahr die Gay Pride Parade.

Das tolerante Tel Alviv kann leider nicht stellvertretend für die Situation von Homosexuellen in Israel herangezogen werden. Denn in anderen Gebieten des Landes sieht es zum Teil ganz anders aus. Gerade in streng religiösen Kreisen bestehen nach wie vor Vorbehalte gegen Schwule und Lesben. 

Im Gazastreifen – dem Küstengebiet zwischen Israel und Ägypten – wird gleichgeschlechtlicher Sex mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft. Auch in Nachbarländern Israels werden LGBT-Menschen verfolgt, wie die „taz” berichtet. 

US-Pastor bezeichnet LGBT-Community als „Sünde”

Mehrere Tausend Kilometer von Rabbiner Meir Mazuz entfernt, sieht auch ein US-Pastor LGBT-Menschen als Sünde. Wie das Portal „queer.de” berichtet, hat der evangelikale Pastor Steven Andrew von der „USA Christian Church” den März in einer Pressemitteilung zum „Monat der Buße für LGBT-Sünden” erklärt, um die Vereinigten Staaten „vor Krankheiten wie dem Coronavirus zu schützen”.

Und es wird noch absurder: Laut Aussage des Pastors lehre die Bibel, „dass Homosexuelle ihre Seelen verlieren und dass Gott LGBT-Gesellschaften zerstört”. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Gott schützt die USA vor Gefahren, wenn das Land Buße tut für LGBT, falsche Götter, Abtreibung und andere Sünden.”

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Die Sicherheit der US-Amerikaner sei gefährdet, weil Gottes Gesetze missachtet würden, schreibt der Hass-Prediger weiter.

Auf der Website der „USA Christian Church” findet man außerdem 25 „Wahrheiten”, die Gott über LGBT-Menschen ausspricht, die man kennen müsse, um Leben und die Nation zu retten. Nur ein Beispiel: „Lesben und Schwule  ändern Gottes Wahrheit in eine Lüge.”

Beim Thema Coronavirus setzt bei manchen Menschen mittlerweile offensichtlich sogar der Verstand aus. Nicht nur deswegen bleibt zu hoffen, dass das Virus in einigen Wochen oder Monaten der Vergangenheit angehört. (kna/jba) 

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