Ausnahmezustand in Brühl. Für den Besuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron muss die beliebte Kirmes schweigen.
Ausnahmezustand in BrühlWenn Macron kommt, muss die Kirmes schweigen

Copyright: IMAGO/Peter Seyfferth
Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron treffen sich im Rahmen des Deutsch-Französischen Ministerrats in Brühl. Im Schloss Augustusburg laufen die Vorbereitungen.
Schloss Augustusburg wird zur Bühne der Weltpolitik. Kanzler Friedrich Merz empfängt am Freitag (17. Juli) Frankreichs Präsidenten Macron mit militärischen Ehren.
Die Klänge der Bundeswehr-Kapelle sollen ungestört bleiben, wenn Bundeskanzler Friedrich Merz den französischen Präsidenten Emmanuel Macron begrüßt. Deshalb muss die nahegelegene Margaretenkirmes bis 18.30 Uhr stumm bleiben – eine Anordnung der Stadt.
Verkehrsbehinderungen vorprogrammiert
Bürgermeister Marc Prokop (CDU) warnt die Brühler vor Verkehrsbehinderungen, auch wenn eine Bahnhofssperrung abgewendet werden konnte. Ein Eintrag ins Goldene Buch der Stadt ist für die Staatschefs aber wohl nicht vorgesehen. Zum 26. Deutsch-Französischen Ministerrat haben weder Prokop noch andere lokale Amtsträger eine Einladung erhalten.
Die Staatsmänner sind zwar nur auf der Durchreise, doch Prokop ist begeistert. „Ich freue mich trotzdem, dass unsere Stadt in den Mittelpunkt der europäischen Aufmerksamkeit rückt“, sagt er mit Blick auf die 250 erwarteten Journalisten. Das sei wichtig für das Renommee. Die Vorbereitungen liefen unter strengster Geheimhaltung, wie er schmunzelnd verrät: „Ich habe nicht einmal meiner Frau davon erzählt.“
Bis vor drei Jahrzehnten war solcher Glanz in Brühl fast Alltag. In der Ära der Bonner Republik nutzte die Bundesregierung das prunkvolle Bauwerk aus dem 18. Jahrhundert für Staatsempfänge. Gekrönte Häupter wie König Bhumipol von Thailand und das schwedische Königspaar Carl XVI. Gustav und Königin Silvia gaben sich die Klinke in die Hand.
Auch die Großen der Weltpolitik kamen: der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew, die US-Präsidenten Ronald Reagan und Jimmy Carter sowie später Lech Walesa und Michail Gorbatschow, die maßgeblich zum Fall des Eisernen Vorhangs beitrugen.
Als die Queen in Brühl ein Spezial-Klo bekam
Die Geschichten von damals sind legendär. Für die Queen wurde extra ein „Thron“-WC mit Bidet installiert. Beim Besuch von Papst Johannes Paul II. achtete man auf dezente Kleidung. Und als Nelson Mandela mit einem Konzert seiner Landsfrau Miriam Makeba überrascht wurde, legte er spontan ein Tänzchen hin. Auch Tennisprofi Boris Becker war 1992 dabei, als die Queen zum dritten Mal zu Gast war.
Wenige Jahre später wurde es ruhiger, die große Politik zog nach Berlin. „Seit 1996 gab es lediglich Sommerfeste der Landesregierung“, berichtet Regina Junga, Dienststellenleiterin für die Verwaltung der Brühler Schlösser. Sie ist begeistert vom hohen Besuch. Da sie selbst oft in Frankreich campen geht, betont sie: „Die gute Beziehung zu Frankreich und die europäische Idee ist mir sehr wichtig.“

Copyright: imago images/sepp spiegl
Der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow trifft 1989 zum Staatsbesuch in Brühl ein. Im Hintergrund der Bahnhof.
Das Schloss hat ohnehin eine starke französische Verbindung, die Präsidenten Charles de Gaulle (1962), Valérie Giscard d’Estaing (1980) und Francois Mitterand (1987) waren bereits hier. Nun setzt Macron diese Reihe fort. Eine Führung sei nicht geplant, aber Junga sagt: „Ich werde Merz und Macron wohl begrüßen.“ Ihre Hoffnung: „Ich hoffe, dann nicht zu nervös zu sein, um Französisch zu sprechen.“ Spannend werde es auf jeden Fall.
Die Nachricht vom Besuch sorgte im Team für Gänsehaut und einen echten Motivationsschub, trotz der Mehrarbeit. Ein Hubschrauber landete testweise im Ehrenhof, Stromanschlüsse wurden geprüft und Möbel gerückt. Nur eines gibt es nicht: eine Klimaanlage. „Wir werden gut durchlüften, aber die Mitarbeiter der Ministerien werden sicherlich ins Schwitzen kommen, denn das Schloss ist nicht gut isoliert“, erklärt Junga. Die abschließende Pressekonferenz findet im Vestibül statt.
Kölsch für den Präsidenten
Die Medienvertreter werden im benachbarten Max-Ernst-Museum versorgt. Dort schmeißt Thomas Klose vom Café „Le Petit Max“ ab 6 Uhr den Laden. Er serviert Brötchen, Kaffee und später ein Mittagsmenü mit regionalen Zutaten. „Ich hätte auch gerne für Merz und Macron gekocht, aber deren Catering kommt von auswärts“, erzählt der 46-jährige Selfmade-Gastronom, der für den Herd seinen Job bei einem Stahlproduzenten aufgab. Er ist einer der wenigen Brühler, die hautnah dabei sein werden.
Keine 100 Meter vom Schloss entfernt rechnet Kultwirt Jani Petropoulos in seinem „Em Höttche“ derweil nicht mit internationaler Kundschaft. Er nimmt es mit Humor und scherzt in Richtung des hohen Gastes, während er sich auf die Kirmesbesucher einstellt: „Macron kann gerne kommen, kaltes Kölsch ist da.“ (red)
