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Traumberuf Archäologe Kölner Kultrocker feiert 70. – Blitz-Interview mit Niedecken

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Wolfgang Niedecken sprach anlässlich seines 70. Geburtstags mit dem EXPRESS.

Köln – Wolfgang Niedecken wird am Dienstag, 30. März, 70. Und EXPRESS gratuliert mit „70 schnelle Fragen/70 schnelle Antworten”, dem großen Blitz-Interview.

  • Wolfgang Niedecken wird 70 Jahre alt
  • Großes EXPRESS-Blitzinterview
  • Niedecken blickt zurück auf sein Leben

Und den Wünschen, die Niedecken selbst für seine Freunde geschrieben hat (zur Melodie seines großen Idols Bob Dylans): „Op dat ding Häng immer ze dunn hann, dat du dich wehrs, wenn dir jet stink, dat du dir joot merks, wo du herküss un wo ding wohre Fründe sinn. Op dat dieh Häzz immer enn Dur schläät, singe Takt hällt, singe Schwung, dann blievs du für immer jung!” Danke, Wolfgang! Bleibe weiter jung!

Wolfgang Niedecken: 70 Fragen zum 17. Geburtstag

1. Die geplante Party in der Lanxess-Arena wurde abgesagt. Noch traurig?
Die verschieben wir. Ich bleibe einfach weiterhin 69 und feiere am 30. März 2022 den Geburtstag 70 A.

2. 70 ist eine große Zahl – wie feiern Sie privat?
Es wird ein Geburtstag wie immer. Die Kinder kommen aus Berlin, die Enkel sind da, wir sind komplett privat. Der Tag gehört der Familie.

3. Wie war’s, in den vielen Geburtstags-Interviews immer zur Vergangenheit gefragt zu werden?
Es wühlt auf. Ich habe manche Nacht nicht schlafen können. Wenn man gewissenhaft antworten will, kommt vieles hoch, auch das, was man gern vergessen hätte. Das hat mich unruhig gemacht.

4. Warum?
Plötzlich kamen Leute ins Spiel, an die ich ewig nicht gedacht hatte. An manche wollte ich gar nicht mehr denken. Am besten, man befolgt den Tipp von Dylan: „Don’t look back!” Denn wenn man zu lange in den Rückspiegel schaut, übersieht man leicht, das vorne auch noch was passiert.

5. Die Anteilnahme zeigt, dass Sie fast ein Kölner Denkmal sind. Stolz drauf?
Das lässt mich gelassen. Ich weiß, was ich kann und was nicht. Ich kann mich selber gut einordnen.

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Wolfgang Niedecken und EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher beim großen Geburtstags-Interview.

6. Sie werden immer als moralische Instanz zu aktuellen Themen gehört. Schon mal mit der Meinung daneben gelegen?
Ich habe früher teilweise Zeug gesagt, bei dem ich mich heute nur wundere. Ich hatte zu allem eine Antwort. Mittlerweile macht es mir nichts aus, mal keine Antwort geben zu können. Ich kann nicht irgendwas vor mich hinplappern, das muss schon überlegt sein.

Kölschrocker Wolfgang Niedecken hat keine Angst vor dem Alter

7. Angst vorm Alter?
Nein. Ich lebe weiter von einem Tag in den nächsten und bemühe mich, das Glas mindestens halbvoll zu sehen.

8. Und wenn das nicht gelingt?
Dann hilft mir meine Frau. Für die ist das Glas immer fast voll.

9. Was gibt Ihnen Lebensfreude?
Die vielen strahlenden Sonnen, die ich um mich habe. Die strahlendste ist unser Enkel Noah. Dagegen hat das Dunkel keine Chance.

10. Welche Rolle spielt der Schlaganfall von vor zehn Jahren?
Ich habe die Gelbe Karte wahrgenommen. Ich erlaube mir keinen negativen Stress mehr. Wenn ich Angst habe, rein zu geraten, nehme ich mich zurück und werde ganz ruhig.

11. Klingen Stimmen im Alter besser?
Alte Stimmen werden wie ein guter alter Wein. Das hat mir zum Beispiel Johnny Cash gezeigt. Als er jung war, langweilten mich seine Cowboy-Songs zu Tode. Als er alt war, liebte ich ihn. Ich mag die, die in Würde reifen.

Neues Album „Alles fließt”

12. Ist von Ihnen auch ein alters-gewichtiges Album zu erwarten?
Wenn „Alles fließt” das letzte meines Lebens wäre, wäre das ein würdiger Abschluss. Nach diesem Album kann man auch aufhören.

13. Hätten Sie sich mit 17 vorstellen können, dass Sie mit 70 so gefeiert werden?
Das war nicht absehbar. Als wir beschlossen, es eine zeitlang mit der Band zu machen, sagte mein Freund Schmal: „Ist doch egal, womit wir nix verdienen.”

14. Wie waren Sie mit 17?
Es war eine Zeit der absoluten Spontanität, Blauäugigkeit und Unschuld. Wir waren als Kunststudenten fleißig und haben unglaublich konsequent gearbeitet, aber ansonsten haben wir nur genossen. Wir haben alles sehr auf die leichte Schulter genommen.

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Wolfgang Niedecken mit seiner Band BAP im Kölner „Basement Club” bei einem seiner ersten Auftritte im Jahr 1979.

15. Was treibt Sie an, immer wieder Alben zu veröffentlichen?
Ich sage nach jedem Album: „O Gott, was soll ich denn danach noch schreiben? Es ist doch alles gesagt.” Dann passiert soviel Neues, dass wieder frisches Material da ist.

16. Jedes Album klingt anders. Warum setzen Sie nicht auf Bewährtes?
Ich habe keine Lust, mich zu wiederholen. Es soll nicht wie ein „Best of” klingen. Dann würde ich mir selbst nicht mehr zuhören wollen. Ich bin für einen Rockmusiker viel zu vernünftig.

17. Wie viele Songs haben Sie geschrieben?
Das weiß ich nicht aus dem Kopf, da müsste ich jetzt alle einzeln zählen.

18. Welcher Song sollte nie untergehen?
„Für 'ne Moment' – es ist zwar nicht der großartigste, aber er definiert das, was ich als Songwriter mache. Er beschreibt mein Leben und meinen Lebensort. Er ist meine Visitenkarte.

19. Gibt es auch schlimmste Songs?
Ja klar, aber nur wenige. Meist sind es Stücke, die ich aus einem Gefallen heraus betextet habe. Oder ich habe sie noch schnell geschrieben, weil ein Album voll werden musste.

20. Welche sind es?
Sage ich nicht. Könnte ja sein, dass das ausgerechnet die Lieblingssongs einiger Leute sind, denen ich damit vor den Kopf stoße.

Erster kölscher Song lag bis heute in einem alten Ordner

21. Was war Ihrer erster kölscher Song?
„Leev Frau Herrmanns”, habe ich 1976 geschrieben. Ich habe ihn einer Frau im Seniorenheim gewidmet, die ihr Leben lang in Kirmeswagen gewohnt und auf Jahrmärkten Spielzeuge verkauft hat und 93 Jahre alt wurde. Ich mochte sie sehr.

22. Auf welchem Album können wir das hören?
Jetzt, auf der Geburtstags-Edition vom „Alles fließt”-Album. Ich hatte ihn total vergessen und erst beim Corona-Aufräumen wiederentdeckt. Er steckte in einem alten Ordner.

23. Ärgert es Sie, dass man Sie nicht so sehr als Bildenden Künstler wahrnimmt?
Ich bin happy mit dem, was ich mache. Ich habe es gern, wenn ich das machen kann,was gern mache und was aus dem Publikum zurück kriege. Bei der Bildenden Kunst fehlt mir das Publikum.

„Mein Traumberuf war Archäologe”

24. Wollten Sie als Kind Musiker oder Maler werden?
Keins von beidem. Mein Traumberuf war Archäologe.

25. Warum das?
Das wollte ich, seit ich als Panz mit meiner Mutter erstmals im Rautenstrauch-Joest-Museum war, damals noch am Ubierring. Ich war total begeistert von den Sachen, die es da zu sehen gab.

26. Hatte das Folgen?
Ja. Seitdem grub ich in den Südstadt-Trümmern nach alten Sachen, die ich in Obstkisten legte. Dazu beschriftete ich Zettelchen, auf denen stand, wo ich sie gefunden hatte und was sie bedeuteten. Ich habe dann meine Sammlungen an der Ecke vor unserem Laden ausgestellt.

27. Ist Ihr Interesse an Geschichte geblieben?
Geschichte interessiert mich immer noch sehr, das kommt aus der Kinderzeit. Ich habe geschichtliche und politische Bücher ohne Ende und bin gern im Römisch-Germanischen Museum.

28. Welches politische Buch lesen Sie gerade?
Das neue von Robert Habeck: „Von hier an anders”.

29. Ist es gut?
Ich finde es sehr interessant. Nur an die vielen Gendersternchen muss ich mich noch gewöhnen.

30. Gibt es noch was, was aus der Kindheit geblieben ist?
Meine Briefmarkensammlung. Ich habe sie in einer Kiste aufbewahrt. Damit haben wir damals die Welt kennengelernt. Es gab viele bunte, große Marken aus Ländern, von denen wir nicht wussten, dass sie überhaupt existieren.

31. Haben Sie noch Freunde aus der Kindheit?
Es werden weniger. Es gilt heute der Spruch, den ich nie mochte: „Die Einschläge kommen immer näher!”

32. Sind mit Ihrem Erfolg viele Freunde dazu gekommen?
Freunde ist ein Begriff, den man nicht inflationieren darf – das ist so wie bei der Liebe. One-Night-Stands zählen nicht zu Liebe auf immer und ewig. Meine wirklichen Freunde zähle ich an einer Hand ab.

33. Was sind für Sie wirkliche Freunde?
Menschen, zu denen ich zu jeder Tag- und Nachtzeit mit meinen Problemen kommen kann, und die mir dann nicht sagen: „Heute habe ich keine Zeit, ruf morgen nochmal an.”

34. Wir kennen Ihre Liebe zur kölschen Sproch. Träumen Sie op Kölsch?
Kölsch ist meine Gefühlssprache, ich glaube auch, dass ich Kölsch träume. Ich kann zum Beispiel nicht Hochdeutsch schimpfen.

Niedeckens Lieblingsort und seine Liebe zum FC

35. Persönlicher Lieblingsort in Köln?
Das Cover „Alles fließt” gibt Auskunft: Es ist auf dem Vierungsturm entstanden. Am liebsten würde ich mal eine Nacht oben bleiben und am nächsten Morgen die Sonne über Köln aufgehen sehen.

36. Weit im Westen ist dann das Stadion zu sehen – die Heimat des FC. Wer sollte ausgewechselt werden: Der Vorstand, der Trainer oder die Mannschaft?
Der Fußballgott. Der hat in den letzten zwei Jahren so viel Pech zugelassen, dass ich ihm wirklich böse bin. Er lässt beispielsweise zu, dass wir keinen richtigen Stürmer haben. Grauenhaft!

37. Erinnern Sie sich noch, wie Sie den ersten Abstieg verkraftet haben?
Er war für mich sehr, sehr schmerzhaft. Den nächsten konnte ich mir dann aber schon schön reden: Jetzt gewinnen wir wenigstens mal wieder.

38. Können Sie sich vorstellen, die Beziehung zum FC aufzulösen?
Nie und nimmer. Ich würde sogar ins Stadion gehen, wenn der FC nur noch eine Thekenmannschaft wäre.

39. Fußball ist noch publikumsfrei, ins Museum kann man irgendwie wieder – wenn man Glück hat. Welche Ausstellung empfehlen Sie?
Andy Warhol im Ludwig. Sollte man sich nicht entgehen lassen – so etwas kommt so schnell nicht wieder.

40. Wie finden Sie die neue Kölner Koalition: Grüne, CDU und Volt?
Beachtenswert, dass sie das hinbekommen haben. Diese Mischung greift um sich, das haben wir jetzt auch in Baden Württemberg gesehen: viele konservative Leute, die auch ökologisch denken.

41. Und das Rot fällt unter den Tisch?
Ich habe mein Leben lang Grün oder Rot gewählt und kenne viele tolle SPD-Leute. Aber der SPD sind die Arbeiter abhanden gekommen. Es gibt kaum noch welche, die sich so definieren.

42. Was erwarten Sie von der Bundestagswahl?
Ich hoffe, dass wir eine grüne Kanzlerin oder einen grünen Kanzler kriegen.

Wolfgang Niedecken hat Buch über Bob Dylan veröffentlicht

43. Sie haben ein schönes Buch über Bob Dylan veröffentlicht. Was war der Anlass? Ihr 70. oder Dylans 80.?
Nichts davon. Dass das Buch jetzt erschienen ist, liegt einzig an Corona.

44. Wie kommen Dylan und Corona zusammen?
Mein Freund Helge Malchow, der damals Chef des KiWi-Verlags war, hat mich vor einigen Jahren gefragt, ob ich für seine „KiWi-Musikbibliothek” was über Dylan schreiben wolle. Erst hatte ich keine Zeit. Dann kam Corona...

45. Dylan ist kein pflegeleichter Typ. Warum sind Sie ihm trotzdem treu?
Ich kenne seine und meine Entwicklung. Da gibt es Ähnlichkeiten: Manchmal geht es auf die Alm rauf, dann bist du auf dem Gipfel, und dann geht es auch mal tief zurück ins Tal. Ich gehe ja auch immer noch zum FC, und der ist auch nicht immer pflegeleicht.

46. Was war Ihr erster eingekölschter Dylan-Song?
„Girl From The North Country” von seinem zweiten Album, bei uns heißt er „Wo dä Nordwind weht”. Den haben wir allerdings erst jetzt erstmals veröffentlicht – als Bonus-Track der Geburtstags-Edition. Wir hatten früher immer genügend eigene Balladen für die Alben.

47. Kennt Dylan Ihre Dylan-Cover-Versionen?
Ich habe mein Album „Leopardefell”, auf dem die Dylan-Cover sind, mal Bruce Springsteen gegeben, und der hat es Dylan weitergegeben. Das muss ihm gefallen haben, denn danach bat mich das Dylan-Management um eine „Leopardefell”-Kiste fürs Archiv.

48. Schicken Sie Dylan einen Gruß zum Geburtstag?
Ich bin mir noch nicht sicher. Vielleicht bitte ich Bruce Springsteen, dass er Grüße von mir weiterreicht.

49. Seit wann sind Sie Dylan-Fan?
Seit meinem 15. Lebensjahr. Ich war Bassist der Schülerband The Troop in Rheinbach. Beim Sommerfest hatte unser Sänger für seinen letzten Auftritt die Dylan-Single „Like a Rolling Stone” besorgt. Er hat sie uns vorgespielt.

50. Was ist passiert?
Dieser Song hat mein Leben geändert. Es war der Urknall! An dem Abend wurde mir klar, dass Bass für mich nicht das Gelbe vom Ei ist. Ich wollte nur noch Songs schreiben und singen wie der Typ mit der Sonnenbrille.

51. Vorher waren Sie nie der Sänger?
Nein, Bass spielen und dabei singen klappte nicht.

52. Wer war bis dahin Ihr Idol?
Paul McCartney, ihm zuliebe hab ich Bass gespielt. Allerdings hatte ich keinen kultigen Beatles-Bass, sondern einen mit rotem Kunstleder überzogenen „Triumphator Electric” aus dem Quelle-Katalog. Einen Beatles-Bass konnte ich mir nicht leisten.

53. Wann kam die erste Gitarre ins Spiel?
Das hat noch gedauert. Ich habe erst auf der Gitarre meines 20 Jahre älteren Halbbruders Heinz geübt. Heinz kannte zwar nur drei Akkorde, hat damit aber jedes Familienfest gerockt.

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Wolfgang Niedecken ist nicht nur Musiker, sondern auch erfolgreicher Maler und Autor.

54. Was war Ihr erster Rocksong?
„House Of The Rising Sun” von den Animals, die Akkorde hat mir Hans-Gerd, der Gitarrist unserer Band, gezeigt. Ich habe mir Blasen an die Fingerkuppen gespielt, bis ich ihn draufhatte.

Schwere Vergangenheit und Austritt aus der Kirche

55. Zu Ihrem Leben gehört, dass Sie als Schüler im katholischen Internat missbraucht wurden. Jetzt haben wir eine sehr aktuelle Diskussion zum Thema. Wühlt das Ihr persönliches Leid wieder auf?
Nein. Das war bei mir 1968. Das ist für mich kein Thema mehr. Ich war und bin nicht traumatisiert.

56. Verfolgen Sie die aktuelle Diskussion?
Ja klar. Und ich denke, die katholische Kirche hat den Knall noch nicht gehört. Wir haben einen ziemlich fortschrittlichen Papst aber ein sehr merkwürdiges Bodenpersonal.

57. Sind Sie noch in der Kirche?
Nein. Allerdings bin ich ziemlich spät ausgetreten – erst nach dem Tod meines Vaters. Der war sehr, sehr gläubig, ich wollte ihm meinen Austritt nicht zumuten. Ich weiß noch, wie sehr er gelitten hat, weil er als Geschiedener nicht an den den Sakramenten teilnehmen durfte, und wie groß seine Angst war, dass er – wenn er stirbt – keine letzte Ölung bekommt. Wie kann eine Religion, die Nächstenliebe predigt, dermaßen unbarmherzig sein?

58. Sind Sie ohne Kirche gläubig?
Ich bin restkatholisch, also zu 51 Prozent gläubig. Ich bin Agnostiker mit großem Gottvertrauen. Ich bin wie die meisten Kölner. Wenn vom Herrgott die Rede ist, stehen wir ein bisschen strammer.

59. Gerade ist „70 Jahre” erschienen, die Neuauflage Ihrer Erinnerungen. Auf dem Klappentext werden Sie als „Barde” bezeichnet. Fühlten Sie sich mal so?
Ganz und gar nicht. Bei „Barde” denke ich an Walther von der Vogelweide oder an Troubadix aus den Asterix-Heften.

60. Sie sind mit zwei Büchern in den Bestsellerlisten. Mal an eine Lesetour gedacht?
Hätte ich Spaß dran. Allein kann ich ohne großen Aufwand vor wenigen Leuten auftreten. Wenn ich die Band in Bewegung setze, gibt es erst mal unglaubliche Kosten.

Tour und Konzerte währnd Corona

61. Glauben Sie, dass Sie bald wieder auf große Tour gehen können?
Meine Vorfreude und Hoffnung sind ungebrochen. Songs ausdenken, sie mit der Band einspielen, im Studio ein gutes Album machen – das macht alles Spaß. Doch das ist nichts gegen das Erlebnis, auf der Bühne zu stehen. Dieses Hin und Her zwischen Bühne und Publikum. Das ist nicht zu toppen.

62. Einige Kollegen haben während der Pandemie Konzerte gestreamt. Warum Sie nicht?
Konzerte dieser Art ohne Publikum sind nur eine Halbheit. Warum soll ich eine Halbheit machen, wenn ich seit Jahren versuche, keine abzuliefern.

63. Mal an Autokino-Konzerte gedacht?
Sie sind auch nichts für mich und meine Musik. Das können Stimmungsbands besser.

64. Würden Sie in Corona-Zeiten selbst Konzerte besuchen?
Zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Ich hätte Angst, mir was einzufangen. Kann aber sein, dass ich mit Maske ginge, wenn in einem halben Jahr viele geimpft sind und man die Mutationen im Griff hat.

65. Für oder gegen Impfen?
Ich bin kein Impfgegner. Ich bin vor meinen Reisen nach Afrika immer gegen alles Mögliche geimpft worden, es hat immer funktioniert. Ich verstehe die Leute nicht, die Corona leugnen. Ich denke, dass es in Deutschland bald einen Impfpass geben wird. Nicht nur für Konzerte, sondern auch für die Gastronomie und weitere Bereiche. Ohne wird es nicht funktionieren.

66. Wie wollen Sie das zweite Corona-Jahr überstehen?
Ich versuche, flexibel zu bleiben und Ruhe zu bewahren. In der Ruhe liegt die Kraft.

67. Hatte Corona der Welt auch was Gutes gebracht?
Ja. Es ist gut für das Klima. Und ohne Corona wäre Donald Trump nicht abgewählt worden.

68. Was hat es bei Ihnen persönlich bewirkt?
Ich bin demütiger geworden und dankbarer für das Leben, das ich bis jetzt habe führen können. Mir ist klar geworden, was ich erreicht habe, wie schön alles war. Allein, dass ich immer spielen und die Welt dadurch kennenlernen durfte.

69. Was halten Sie von der Corona-Politik?
Es ärgert mich, dass Corona Wahlkampfthema wurde. Es wäre ein Zeichen der Hoffnung, wenn alle Parteien sagten: Lass uns erstmal versuchen, die Kuh vom Eis zu kriegen. Die Wahl ist nebensächlich!

70. Sind Sie zurzeit Optimist oder Pessimist?
Mal so, mal so. Bei den angekündigten Impfungen habe ich ein Licht am Ende des Tunnels kommen sehen – jetzt weiß ich, dass das der entgegenkommende Zug ist.

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