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„Klatschen reicht uns nicht!” Warnstreik: Corona-Helden demonstrieren am Neumarkt

Köln – Sie gehören zu den gefeierten Helden der Corona-Krise: Verkäuferinnen und Lagermitarbeiter hielten während des Lockdowns buchstäblich den Laden am Laufen. Sie versorgen die Kölner weiterhin mit den wichtigsten Waren. Nun fordern sie Anerkennung. Nicht nur in Form von Applaus, sondern auch auf dem Konto.

  • Verdi organisiert Kundgebung am Neumarkt
  • Handels-Beschäftigte fordern mehr Lohn
  • Warnstreik bei Ikea, Kaufland und Co.

Mit einer Kundgebung auf dem Neumarkt begleitet die Gewerkschaft Verdi ihren Warnstreik am Dienstag (11. Mai). Rund 60 Angestellte von Porta Lager/Logistik in Frechen, Ikea in Godorf und Kaufland in Bergisch Gladbach demonstrieren am Vormittag auf dem zentralen Kölner Platz.

Warnstreik: Corona-Helden fordern mehr Lohn

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Sie haben, genau wie zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, ihre Arbeit niederlegt, um im Tarifstreit Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen.

„Natürlich haben die Beschäftigten jetzt seit über einem Jahr am Anschlag gearbeitet. Alle können sich noch dran erinnern, als Waren wie Mehl, Zucker, Salz, Hefe ausverkauft waren“, erklärt Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. „Das heißt: Die Kollegen haben es mehr als verdient, dass sie jetzt auch eine anständige Gehaltserhöhung bekommen.“

Tarifstreit im Handel: Kundgebung auf Kölner Neumarkt

Die konkrete Forderung: 4,5 Prozent mehr Geld plus 45 Euro im Monat, einen Mindestlohn von 12,50 Euro für alle und eine Verbindlichkeit des Tarifvertrages für alle Handelsbeschäftigten. 

Auf Nachfrage des EXPRESS erklärt Dr. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverband NRW, der im Tarifstreit die Seite der Arbeitgeber vertritt: „Die Lage im Handel ist derzeit sehr gepalten. Die derzeitige Spreizung der Lage im Handel macht es nötig, dass sich die Tarifparteien auf eine differenzierte Betrachtung der Entwicklung verständigen.”

Handelsbeschäftigte: Noch kein Angebot im Tarifstreit

Ein Teil der Branche sei bislang gut durch die Pandemie gekommen. Ein anderer leide sehr stark unter dem Lockdown. Aus diesem Grund könne man sich nicht auf „pauschale Forderungen” einlassen. 

„Wir haben angeboten, dass wir das individuell mit den einzelnen Unternehmen verhandeln würden. Trotzdem gab es kein erstes Angebot”, sagt dagegen Silke Zimmer von Verdi.

„Wir sind es wert!“ oder „Wir packen euch das!“, steht auf den Plakaten der Kundgebungsteilnehmer in Warnwesten am Neumarkt.

Saturn-Mitarbeiterin: „Klatschen reicht nicht!”

Dort spricht auch Ingrid Hübers, Verkäuferin bei Saturn in Kerpen. Sie redet, wie sie zugibt, zum ersten Mal im Leben auf der Bühne und ist nervös. „Klatschen reicht uns nicht“, ruft Hübers ihren Mitstreitern entgegen und fordert dann mit den Worten von Gunter Gabriel: „Hey Boss, ich brauch mehr Geld!“

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Ingrid Hübers spracht auf der Kundgebung der Handelsbeschäftigten am 11. Mai 2021 mit EXPRESS.

Die Bergmannstochter aus Bedburg hat das Gefühl, dass die Arbeitnehmer im Handel aktuell viel einstecken müssen und will deshalb etwas tun.

Neumarkt: Handels-Beschäftigte demonstrieren in Köln

„Das Problem ist, dass sich heutzutage niemand mehr traut. Niemand möchte mehr sein Gesicht zeigen, seine Stimme erheben aus Angst vor den Arbeitgebern. Wir alle müssen einen Job haben“, sagt die Elektronik-Verkäuferin dem EXPRESS.

Hübers weiter: „Ich versuche damit, den Leuten zu sagen: Steht auf gebt eure Stimme her! Zeigt euer Gesicht! Wir können nicht untergehen!“ Ihrem Sohn hat sie von einer Arbeit im Handel abgeraten.

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