Das Aus des Wochenmarktes „meet & eat“ auf dem Rudolfplatz sorgte für heftige Kritik im Veedel. Nun trifft man sich zum „Bügeln am Hahnentor“ – als kreativen Protest.
Nach heftiger Kritik an der StadtÜber 250 Kölner versammeln sich – mit Bügelbrettern

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Für viele Kölnerinnen und Kölner war es an jedem Donnerstag zu einer schönen Tradition geworden: Nach der Arbeit ab 16 Uhr ging es zum Kölner Rudolfplatz, zum Wochenmarkt „meet & eat“. Es gab Wein, es konnte gegessen werden, man traf sich zum geselligen Zusammensein. Ein Stück Kölner Stadt-Kultur.
Doch dies ist seit Ende März vorbei. Nach über zehn Jahren endete „meet & eat“, für viele Menschen ein Schock. Am 26. März fand der Markt ein letztes Mal statt – offiziell. Der Grund: Die Stadt ließ die Genehmigung des Marktes auslaufen. Und begründete das Aus mit rechtlichen Anforderungen: Zu wenige Stände verkauften Rohwaren oder frische Lebensmittel. Das widerspreche den Vorgaben eines Wochenmarktes.
„Bügeln am Hahnentor“
Die Betroffenen fühlen sich im Stich gelassen und äußern heftige Kritik. Einige Händler bangen um ihre Existenz. Viele Kölnerinnen und Kölner wollen das Aus von „meet & eat“ nicht akzeptieren – und riefen zum „Bügeln am Hahnentor“ auf. Für den Erhalt des Marktes.
Die Idee hinter der kreativen Aktion: Die Menschen sollten mit Bügelbrettern im Gepäck kommen, dazu ein paar Snacks und Getränke.
Die Bügelbretter fungieren gewissermaßen als gut tragbare Stehtische. So lassen sie sich auch praktisch mit der Bahn transportieren. Und so standen Dutzende Bügelbretter auf dem Rudolfplatz.
Einige stellten noch ein Blümchen aufs Brett, dazu ein paar Gläser Wein. Fertig ist die Bügelbrett-Aktion. Nach dem Motto: Der Markt wurde zwar untersagt, das lebensfrohe Zusammensein kann uns aber keiner nehmen.
Erneut haben sich so über 250 Kölnerinnen und Kölner zum „meet & eat“ getroffen – ganz ohne Wochenmarkt. Das waren noch einige mehr als in der vergangenen Woche. Die Stimmung war sehr fröhlich und ausgelassen, viele haben sich hier in den letzten zehn Jahren spontan kennengelernt. Doch es schwang auch eine gewisse Traurigkeit über das Aus mit.

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Trotz Wochenmarkt-Aus: Die Stimmung auf dem Rudolfplatz war entspannt. Die Bügelbretter fungieren als Stehtische.
Die Polizei, die noch am Anfang dabei war, tolerierte das Zusammenkommen wohlwollend, heißt es. Als offizielle Versammlung wurde das „Bügeln“ nämlich nicht angemeldet.
Das steckt hinter dem Aus von „meet & eat“
Bereits seit letztem Jahr stand für die Betreiber fest, dass der Markt vor dem Aus steht. Eine große Überraschung, schließlich erfreute sich das Konzept längst großer Beliebtheit.
Erst sollte die Genehmigung schon Ende Januar auslaufen, dann wurde sie bis zum 31. März verlängert. Nun ist Schluss.

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Auch einige Protestschulder wurden wieder gezeigt.
Eine Prüfung des Rechtsamts der Stadt hatte damals ergeben, dass „meet & eat“ nicht länger den Charakter eines Wochenmarktes erfülle. Es gebe zu wenig Obst- und Gemüsehändler, hieß es. Auch der ausgeschenkte Alkohol dürfe nur aus selbstgewonnenen Erzeugnissen stammen. Die Betreiber wiederum hielten dagegen, dass die Stände zuletzt eben das abbildeten, was wirtschaftlich funktionierte.
Für viele Händler ein Schock. Für sie sei die Information zu kurzfristig gekommen, beklagten sie. Die Kommunikation der Stadt sei zu intransparent gewesen. Dass die Behörden keine Alternativlösung gefunden haben, stößt bitter auf. Es sei vermittelt worden, dass an einer Lösung zur Weiterführung gearbeitet werde. Eine entsprechende Online-Petition erhielt Tausende Unterschriften: „Meet & Eat muss bleiben“. Auch viele Gäste sind sauer. „Entscheidet mit uns, nicht über uns“, lautete ihre Kritik.

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Über 250 Menschen haben sich am Donnerstag getroffen. Auch in der kommenden Woche soll es wieder ein Zusammenkommen geben.
Es scheint, als bliebe den Kölnerinnen und Kölnern vorerst nichts anderes übrig, als die Bügelbretter einzupacken und sich auf den Rudolfplatz zu stellen. Und sich so für ihr Stück Stadt-Kultur einzusetzen. In der kommenden Woche soll es wieder solch ein „Bügeln“ geben.

