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„Was für ein Material“Einzige Frau – Spektakuläre Fotos vom Kölner Dom

Blick aus dem zerstörten Kölner Dom auf die Stadt nach Nordwesten.

Copyright: Rheinisches Bildarchiv Köln/Margarita Neiteler

Blick aus dem zerstörten Kölner Dom auf die Stadt nach Nordwesten.

Eine Nonne fotografierte den Kölner Dom nach dem Krieg. Aktuell werden die Werke gezeigt.

Die Ausstellungsidee zu „Finding Margarita Neiteler“ hatte der Kölner Fotograf Manfred Linke schon 1999, als er die fotografierende Nonne traf.

Sie war die Schwester seiner Schwiegermutter, und die Erzählungen über sie machten ihn neugierig. Die Ordensschwester war wohl die einzige Frau, die den Kölner Dom und die zerstörte Innenstadt in der Nachkriegszeit ablichtete.

Aus einem praktischen Auftrag wurden fotografische Meisterwerke

„Ich bin sicher, wäre sie damals mit ihrer Kunst bekannt geworden, dann wäre sie heute eine der größten Fotografinnen aus dieser Zeit“, meint Manfred Linke gegenüber dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Schwester Maria Margarita Neiteler arbeitete bei Kriegsende im Sankt Elisabeth-Krankenhaus in Köln-Hohenlind. „Ihre Arbeit war hier unter anderem, als Röntgenschwester medizinische Fotos zu machen“, berichtet Linke. Von daher kannte sie sich mit der Technik des Fotografierens und der Entwicklung im Labor aus.

Nachdem der Dom bei Kriegsende schwer beschädigt war, suchten die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Dombauhütte jemanden, der die Schäden schnellstmöglich dokumentieren konnte. Es sprach sich vermutlich herum, dass das Sankt Elisabeth-Krankenhaus Hohenlind über die nötige Ausrüstung verfügte, und so erhielt Margarita Neiteler den Auftrag.

„Der Anspruch war nur, festzuhalten, was ist kaputt, hier ein Fenster, da eine Säule. Aber sie hat angefangen wie eine hochprofessionelle Fotografin“, erklärt Linke. Aus einem rein praktischen Auftrag schuf Neiteler Kunst, die lange Zeit nicht als solche wahrgenommen wurde.

Neiteler fotografierte auch die zerstörte Innenstadt: der Kölner Hauptbahnhof.

Copyright: Rheinisches Bildarchiv Köln/Margarita Neiteler

Neiteler fotografierte auch die zerstörte Innenstadt: der Kölner Hauptbahnhof.

Als Linke sich 1999 mit ihr in ihrer Geburtsstadt Greven traf, wusste sie selbst nicht, was aus den damaligen Fotos geworden war. Da Linke sich für das historische Material interessierte, schickte sie ihm kurz darauf einen Brief mit Kontakten für seine Nachforschungen. In dem Brief lagen auch einige Abzüge. „Als ich die Bilder gesehen habe, dachte ich, ‚Wahnsinn - was für ein Material‘“, erinnert sich Manfred Linke. „Nicht nur kunsthistorisch und dokumentarisch, sondern auch fotografisch - eine unfassbar hohe Qualität, das hätte ich niemals erwartet“.

Man könne erkennen, dass Margarita Neiteler das Besondere suchte und auf bestimmte Lichteinfälle wartete, während um sie herum im Dom Reparaturarbeiten stattfanden. „Man spürt auf den Bildern auch ihren Glauben. Das ist keine nüchterne Dokumentarfotografie, sondern sehr emotionale Aufnahmen des zerstörten Doms“, sagt Linke.

Die von Neiteler geschickten Kontakte halfen leider nicht, die restlichen Bilder aufzuspüren. Margarita Neiteler verstarb 2002, und es gab zunächst keine weiteren Spuren zu ihrem Werk.

Vor zweieinhalb Jahren schlug Manfred Linke dann den Kölner Stadt-Anzeiger auf und sah eines von Margarita Neitelers Bildern groß abgedruckt, darunter ihr Name. Es handelte sich um einen Bildband des Rheinischen Bildarchivs. Linke nahm die Spur wieder auf und fragte den Leiter des Archivs nach seinem Wissen über Neitelers Bilder. Dieser war erstaunt: Man hatte die Fotografien mit ihrem Namen bekommen, wusste aber nichts über sie als Person.

In alten Briefen berichtet Margarita Neiteler aus der Nachkriegszeit

Linke begann, weiter zu recherchieren. Über seine Familie fand er Briefe von Margarita Neiteler aus der Nachkriegszeit. „Das war ein entscheidender Punkt – denn in diesen Briefen beschreibt sie, wie die Zeit damals war, wie sie gearbeitet und was sie erlebt hat.“

Neiteler schildert hier zum Beispiel, wie sie den Kölner Dom im Ganzen aufnehmen wollte, aber vom Boden aus keine gute Perspektive fand. Kurzerhand bat sie die Arbeiter um Hilfe: „Es half alles nichts, um einige anständige Aufnahmen zu machen gebrauchte ich ein mehrere Meter hohes Gerüst. In einer Stunde war es fertig und ich kletterte tapfer mit meinen 13 Kilogramm an Apparat und flatternden schwarzen ‚Photographen – Tuch‘ und flatterndem Schleier hinauf.“

Es beeindrucke ihn, wie zielstrebig und mutig Neiteler arbeitete, sagt Manfred Linke. Er könne sich die Szene lebhaft vorstellen – er habe sie als „sehr sympathische und lustige Frau, mit ganz wachem, neugierigen und offenem Blick“ erlebt. Sicher habe auch ihr Gottvertrauen eine Rolle gespielt, „wenn man sich vorstellt, wie sie da herumgeturnt ist mit ihrer schweren Kamera und sich scheinbar keine Sorgen gemacht hat.“

Das fotografische Talent der Ordensschwester Margarita Neiteler blieb lange unentdeckt.

Copyright: Rheinisches Bildarchiv Köln/Margarita Neiteler

Das fotografische Talent der Ordensschwester Margarita Neiteler blieb lange unentdeckt.

Manche Bilder wirken fast so, als würden sich die Menschen darauf bewegen. Die Gesichtsausdrücke der Arbeiter sind teilweise deutlich zu erkennen, einige wirken amüsiert, vielleicht über den ungewöhnlichen Anblick der fotografierenden Nonne. Besonders spannend ist auch zu sehen, mit welchen Mitteln der Dom wieder aufgebaut wurde: „Das habe ich noch nie so gesehen“, so Linke.

Aus den Bildern wird klar, dass Neiteler nicht nur ihre Aufgabe erfüllen wollte, sondern ein historisch-dokumentarisches Interesse hatte. Sie nahm nicht nur Löcher und Schäden an Säulen oder Fenstern auf, sondern fotografierte auch aus den Domfenstern heraus und hielt die in Trümmern liegende Innenstadt fest.

Kriegsfotografien mit aktueller Relevanz

Unter anderem ist der zerstörte Hauptbahnhof und seine Umgebung zu sehen. „Als ich das hier sah, musste ich sofort an Palästina denken“, sagt Manfred Linke und zeigt auf das Foto. „Es sind Kriegsbilder, ähnlich wie die, die wir aus den Medien kennen, nur eben bei uns.“

Neiteler habe in einem Brief ausführlich geschildert, wie sie das Kriegsende in Köln erlebte. Sie war auch talentiert im Schreiben: „Die Briefe sind nicht mit Glaubensphrasen überladen, sondern sie schreibt in einer ungewöhnlichen Art, die einen nicht loslässt“, sagt Linke. Auszüge aus Neitelers Briefen werden in der Ausstellung zu lesen sein. Besonders für jüngere Menschen könnte der Besuch spannend sein, meint Linke, „die oft kaum noch eine Idee von dieser Zeit haben“.

Die vergrößerten Bilder zeigen einen Teil von Margarita Neitelers kurzer, aber intensiver Zeit als Fotografin. Sie beschränken sich auf den Kölner Dom und seine Umgebung, den sie zur Dokumentation der Schäden und später zur 700-Jahr-Feier 1948 aufnahm. Nach 1949 ist nichts mehr über eine Tätigkeit als Fotografin bekannt, sie ging ihrem Dasein als Nonne nach und hatte ihr „Ämtchen“, wie sie es selbst nannte, erledigt.

Die Ausstellung findet in den Räumen der Michael Horbach Stiftung, Wormser Straße 28, 50677 Köln, statt und wurde bis  Sonntag (22. Februar) verlängert. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Niklas Molitor zusammen mit Kathie Kierig.

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