Nicole Metzinger zählte zu den ganz besonderen Polizeikräften in Köln. Nach ihrem Tod herrscht auch unter den Kölner Sexarbeiterinnen große Trauer.
Sexarbeiterinnen trauern um Kölner Polizistin„Wir hätten für Nicole alles gegeben“

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Kölner Sexarbeiterinnen (Archivfoto) trauern um Polizistin Nicole Metzinger, die am Sonntag (1. Februar 2026) verstorben ist.
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Große Betroffenheit auf dem Kölner Straßenstrich: Die Sexarbeiterinnen trauern um eine Polizistin ...
Eine Polizistin, die den Frauen viel bedeutet: Polizeihauptkommissarin Nicole Metzinger hat am Sonntag (1. Februar) nach kurzer schwerer Krankheit den Kampf gegen den Krebs verloren.
Emotionale Worte zum Tod der beliebten Polizistin
Für viele der Frauen sei sie nicht „die Polizei“ gewesen, sondern eine konkrete Person, jemand, der zuhört, schützt, vermittelt und bleibt. Auch dann, wenn die offizielle Dienstzeit längst vorbei war, heißt es in einem Nachruf des Berufsverbandes Sexarbeit.
Deren Vorstandsvorsitzende Nicole Schulze hat 2002 als Sexarbeiterin auf dem Straßenstrich an der Geestemünder Straße angefangen. „Vom ersten Tag war auch Nicole präsent, sie hat mich begleitet... bis zu ihrem Tod“, erzählt die 46-Jährige gegenüber EXPRESS.de.
Was die Verstorbene ausgezeichnet hat? „Erstmal war sie nicht als Polizistin angezogen und kam mit ihrem eigenen Auto, hat uns damit die Abschreckung genommen. Sie ist uns auch immer auf Augenhöhe begegnet, so dass direkt die Hemmschwelle weg war. Wenn wir Probleme hatten, kam sie direkt. Egal bei welchem Problem, sie war immer da“, erklärt Nicole Schulze.
Hauptkommissarin Nicole Metzinger sei nahbar gewesen, aber professionell. „Es fanden am Strich trotzdem Kontrollen statt, wir wurden auch mal auf der Wache auf Drogen kontrolliert“, stellt die Vorsitzende klar und fügt hinzu: „Aber Nicole stand immer hinter uns – respektvoll und mit einer gewissen Leichtigkeit. Durch sie hatten wir keine Angst, von der Polizei mitgenommen zu werden. Sie gab uns Sicherheit.“

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Polizistin Nicole Metzinger (r.) war auch für Nicole Schulze (Sexarbeiterin und Vorsitzende des Berufsverbandes Sexarbeit) eine starke Stütze.
Nicole Schulze fühlt sich durch eine Sache besonders mit der Verstorbenen verbunden: „Ich war in einer Loverboy-Geschichte. Da hat Nicole sich sieben Jahre Zeit genommen, um mir diese toxische Beziehung bewusst zu machen. Sie kam jeden Tag, hat mit mir gesprochen, bis der Tag kam, an dem ich eingesehen habe, dass sie recht hat. Sieben Jahre habe ich gebraucht – und sie war immer an meiner Seite.“ Leise fügt sie hinzu: „Sie hat mir viel bedeutet...“
Nicole Schulze erzählt, dass sie Nicole Metzinger auch zu Polizeischulungen begleitet hätte. „Wir nannten es ‚Rotlicht trifft Blaulicht‘ und haben Aufklärzung betrieben, erklärt, warum es wichtig ist, wie die Polizei mit uns umgeht.“
Schulze: „Wir hätten alles für Nicole gegeben“
Im Herbst 2021 dann plötzlich eine Nachricht, die am Straßenstrich für Aufruhr sorgte: Die beliebte Polizistin sollte versetzt werden. „Da haben wir Frauen eine Petition gestartet. Weil gerade das Vertrauen, das Nicole genoss, das wichtigste für uns war“, so die Vorstandsvorsitzende des Berufsverbandes Sexarbeit. Die Petition blieb allerdings ohne Erfolg, wie auch ein persönliches Gespräch. Nicole Schulze: „Wir hätten alles für Nicole gegeben.“
Trotz deren Versetzung sei der Kontakt nicht abgebrochen. „Über ihren Tod sind wir unendlich traurig, alle, die mit der Geestemünder Straße zu tun haben“, sagt sie. Die Verstorbene habe auch sehr junge Frauen begleitet. Nicole Schulze: „Eine erklärte mir, es würde sich für sie anfühlen, als habe sie ihre Mutter verloren.“
Sie würden auf jeden Fall zur Beerdigung kommen. „Viele werden kommen“, kündigte sie an.
Um Nicole Metzingers Angehörigen zu unterstützen, wurde eine Spendenaktion auf der Plattform gofundme gestartet. „Jeder, der Nicole kannte, weiß, dass sie immer für jeden da war, jeden unterstützte und ihr Bestes gab“, heißt es dort. Jeder Betrag, ganz gleich in welcher Höhe, würde helfen, Nicole einen schönen Abschied zu ermöglichen, der ihrer Erinnerung gerecht werde.
Auch aus Polizeikreisen hörte EXPRESS.de, dass die Polizeihauptkommissarin eine sehr beliebte Kollegin gewesen sei.


