Sean Paul hat Ohrwürmer in Serie produziert. Bei seinem Auftritt in Köln zeigte er, dass die Hits immer noch gut ankommen. Der Abend war jedoch mehr eine Party als ein Konzert.
Tourfinale in KölnWeltstar lässt Fans seine Mega-Hits singen

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Dancehall-Star Sean Paul gab am Montagabend (9. März 2026) das einzige NRW-Konzert seiner Tour in der Lanxess-Arena.
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Seine Songs gehörten in den 2000er Jahren zu jeder Party und auf jeden Sampler. Der inzwischen 53-jährige Jamaikaner Sean Paul hat Hits in Serie veröffentlicht. Auch bei der jüngeren Generation läuft die Mischung aus Dancehall, Reggae und Pop auch dank TikTok-Unterstützung immer noch blendend.
Doch hat es der Musiker, dessen letzter Hit „No Lie“, den er mit der britischen Sängerin und Songwriterin Dua Lipa aufgenommen hat, schon fast zehn Jahre alt ist, noch drauf?
Sean Paul: 10.000 Fans kamen zum Tourfinale in die Lanxess-Arena
Die Skepsis war von Anfang an vorhanden. Immerhin 10.000 Fans kamen am Montagabend (9. März 2026) in die Lanxess-Arena und sorgten so beim Finale der „Timeless“-Tour für die beste Kulisse im Vergleich zu den vorangegangenen Konzerten.
Zeitlos sind die Party-Hymnen zweifellos, aber die Zeit macht auch nicht vor Sean Paul Halt. DJ C.I.G heizte zunächst die Menge an und machte aus der Riesenschüssel schon mal eine Großraumdisco. Nach Umbaupause und einem weiteren Aufwärmprogramm durch Sean Pauls Begleiter ging die rasante Hitreise endlich los.
Mit „Get Busy“ schoss der 53-Jährige einen seiner größten Hits schnell ab. Schon da wurde deutlich, dass der Star des Abends seinen Job eher darin sieht, die Menge zu animieren. Hände hoch, schreien, von links nach rechts wedeln, kurz „Seven Nation Army“ intonieren – der Mann mit der wuchtigen Goldkette am Hals und dem strassbesetzten Mikrofon versteht sich nicht mehr als Sänger.
Seine Hits gab’s als Konserve, leicht angereichert durch die im Verborgenen spielende Band. Es wirkte, als sei eine Clubshow auf Arenagröße aufgepumpt worden. Das Bühnenbild war mehr als schlicht. Ein Podest, eine Treppe, eine große Leinwand und ein paar Rauchkanonen – die beiden gelenkigen Begleittänzerinnen in ihren neongrünen Netz-Bodys und schwarzen Knieschonern waren der größte Blickfang. Statt Pyrotechnik oder großer Effekte gab es am Ende etwas Konfetti.

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Sean Paul bei seinem Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena.
Schon nach „Cheap Thrills“, dem Hit, den Sean Paul mit Sia produziert hat, flog das erste von unzähligen weißen Handtüchern in die Menge. Beim Party-Animateur auf der Bühne tropfte der Schweiß, die Fans kämpften im Innenraum um eins der zahlreichen Andenken. Gelegentlich ließ der Weltstar die Hüften kreisen und zeigte die typischen jamaikanischen Dancehall-Tanzschritte.
Bei einem Boxkampf hätte der Trainer vielleicht wirklich das Handtuch geworfen, um seinen Schützling zu befreien, doch der Mann mit der Sonnenbrille auf der Stirn ratterte gnadenlos durch sein Repertoire. „Baby Boy“, „Give It Up to Me“, „Got 2 Luv U“, „Gimme the Light“ – auch wenn die Kracher stellenweise nur kurz erklangen, flippte die Menge sofort aus.
Mit „Ready for the Ride“ gab es auch ganz neue Musik zu hören. Vor „Rockabye“ wurde der Star kurz sentimental. Seine Oma sei vor wenigen Wochen gestorben. Sie wäre im Februar 102 Jahre alt geworden, schwärmte er. Doch dann ging die wilde Fahrt weiter. Köln habe schließlich so viele „sexy Ladys“, die dutzendfach erwähnt wurden.
Einige Fans verließen vorzeitig die Arena, zeigten sich enttäuscht vom Dauer-Playback und der dürftigen Show. Wer zuletzt Jason Derulo oder Kool Savas in Köln erlebt hat, konnte einen eklatanten Qualitätsunterschied feststellen. Aber zum Finale gab der 53-Jährige noch mal alles. Bei „Trumpets“ kochte die Halle, mit „She doesn’t mind“ und „Temperature“ folgten noch zwei Mega-Hits.
Nach 80 Minuten war dann aber auch bereits Schluss. Die eine Hälfte ging nach der nostalgischen Zeitreise gut gelaunt und mit vielen bekannten Hymnen im Kopf nach Hause. Die anderen fragten sich, wieso sie über 80 Euro für den Besuch in einer Großraumdisco ausgegeben hatten.


