Die spanische Sängerin Rosalía begeisterte am Dienstag die restlos ausverkaufte Lanxess-Arena. Das weltweit gefeierte Multi-Talent lieferte ohne viel Schnickschnack eine Show der Extraklasse ab.
Weltstar-Konzert in KölnRosalía weint in der Lanxess-Arena im perfekten Moment

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Die spanische Sängerin Rosalía, hier am 16. März 2026 bei einem Auftritt in Lyon, war am Dienstag (29. April) in der Lanxess-Arena zu Gast.

„Seine Angst ist meine Angst. Seine Wut ist meine Wut. Seine Liebe ist meine Liebe. Sein Blut ist mein Blut.“ In einer Art kollektiver Wut donnern die Worte durch die rappelvolle Lanxess-Arena. Begeistert begleitet das Publikum die deutschen Liedzeilen, die an diesem Abend umso spezieller sind.
Am Dienstag (29. April 2026) steht schließlich nicht etwa eine deutsche Death-Metal-Band in Köln auf der Bühne, sondern Spaniens Export-Schlager Rosalía. Die 33-jährige Sängerin aus der Nähe von Barcelona gehört zu den größten musikalischen Entdeckungen der vergangenen zehn Jahre, begeisterte erst ihre Heimat, dann das berüchtigte Coachella-Festival in den USA und inzwischen die ganze Welt.
Rosalía sind längst nicht nur auf Deutsch
Mit ihrem Ende 2025 veröffentlichten Album „Lux“ geht Rosalía aktuell rund um den Erdball auf Tour, Köln ist neben Berlin die einzige Deutschland-Station. Der Song „Berghain“ beinhaltet mehrere deutsche Zeilen, insgesamt finden sich auf „Lux“ unfassbare 13 Sprachen wieder, darunter Arabisch, Hebräisch, Japanisch, Mandarin oder Sizilianisch. Sie alle sind an diesem Abend auch in Deutz zu hören.
Experimentierfreudig war das nur 1,65 Meter große Multitalent schon die gesamte Karriere über, in „Lux“ wagt sich die Katalanin noch mal ein größeres Stück vom Mainstream weg. Beim Auftritt in Köln wird sie von einem Orchester unterstützt, geleitet von der genialen deutsch-kubanischen Dirigentin Yudania Gómez Heredia.
Über die gesamten zwei Stunden bewegt sich aber nicht nur die instrumentale Begleitung auf Weltklasse-Niveau. Auch Rosalía liefert, mal alleine, mal mit einer Crew aus Tänzern, eine makellose Show. Eine üppige Kulisse ist dafür gar nicht nötig, jedes fehlende Element abseits einer großen Holzkiste und zweier Treppen macht die Protagonistin mit Stimme und Bühnenpräsenz fast schon mühelos wieder wett.
Überall in der Halle ist die große spanischsprachige Fangemeinde deutlich zu vernehmen, der einheimische Anhang feiert derweil das anfängliche auf Deutsch vorgetragene „Guten Abend, ich bin Rosalía. Wie geht es euch?“ frenetisch. Bei der folgenden Show kommen dann alle voll auf ihre Kosten.
Vom Spitzentanz als Ballerina bei Relíquia bis hin zur „Rumba del Perdón“, die mit Flamenco-Rhythmen die spanische Volksseele in der Arena kochen lässt, präsentiert die Sängerin 24 Songs in Perfektion. Die Performance des spirituellen „Mio Cristo piange diamanti“ krönt sie der Übersetzung des Titels („Mein Christus weint Diamanten“) entsprechend, als ihr genau im richtigen Moment Tränen aus den Augen kullern.
Auch wenn das neue Album international als Meisterwerk gefeiert wird, ist die Begeisterung der treuen Fans bei den vereinzelten Liedern des Vorgänger-Albums „Motomami“ einen Tick größer. Das zumindest verrät der Kreisch- und Tanz-Faktor. Kurz vor Ende der Show lässt etwa der 700 Millionen Mal bei YouTube gestreamte 2022er-Sommerhit „Despechá“ Tausende Hüften noch ein letztes Mal ausgelassen schwingen.
Dem kommerziellen Erfolg tut der mutige Schritt zur Abkehr von viralen Popsongs aber keinen Abbruch. Im Gegenteil! Als ihr neues Album im November erschien, schaffte es der erste Hit „Dios es un stalker“ auf Anhieb auf Platz eins der spanischen Radio-Charts.
Eine Woche später löste sich Rosalía mit der nächsten Single-Auskopplung „La Perla“, einer bitterbösen Abrechnung mit Ex-Freund Rauw Alejandro, kurzerhand selbst an der Spitze ab. Ein Novum in der 60-jährigen Geschichte des Radio-Formats.
Abgehoben ist die Sängerin deshalb aber nicht. Für das Cover des Songs „Can't Take My Eyes Off You“ von „Four Seasons“-Leadsänger Frankie Valli holt sie in Köln Fans auf die Bühne. Wie in einem Museum drängt sich die Gruppe aus rund 20 Personen vor Rosalía, die inmitten eines goldenen Rahmens „I love you, baby“ schmachtet.
Bei „Dios es un stalker“ genießt Rosalía das Bad in der Menge und spaziert mitten durch das Publikum zu einer zweiten Bühne, umringt von ihrem Orchester. Fan-Plakate gehen ihr sichtlich ans Herz: Anhängerin Paola, die seit den Anfängen der Karriere im Jahr 2017 supportet, widmet sie sogar die Ballade „Sauvignon Blanc“.
Bei vorigen Tour-Stationen ein Highlight, in Köln für den Geschmack vieler etwas zu langatmig: Die Beichtstuhl-Sequenz, bei der ein weiblicher Gast seine Seele öffnet. Sorgte in Madrid Pop-Prinzessin Aitana mit selbstironisch vorgetragenen Fremdgeh-Vorwürfen gegen ihren Ex für tagelangen Gesprächsstoff, war Rachels schroffe Beichte über ihr Periodenblut in der Bolognese-Sauce der Mutter eines inzwischen Verflossenen ein kurzer Rhythmusbrecher.
Musikalisch folgt immerhin direkt das nächste Highlight: „La Perla“, bei dem sich Rosalía an ihrem Ex-Partner als „nationalem Herzensbrecher“, „emotionalem Terroristen“, „weltweit größtem Desaster“ und „wandelnder Red Flag“ abarbeitet. Gerade Letzteres ist an diesem Abend das augenfällig beliebteste Merchandise-Motiv auf stolz getragenen Fan-Shirts.
All jene, die an diesem Dienstag so zahlreich in die Arena geströmt sind und sie am späten Abend beschwingt verlassen, gibt Rosalía zum Abschied ein Versprechen mit auf den Weg. „Ich hoffe, dass ich nicht das letzte Mal hier bin“, stellt sie Köln für die Zukunft schon das nächste Konzert der Extraklasse in Aussicht.
