Sie waren die Hoffnung für tausende Pendler im Kölner Westen und ein Versprechen gegen drohende Fahrverbote. Jetzt ist Schluss für die Expressbusse 172 und 173. Das hat Folgen.
Harter Schlag für PendlerKöln stampft zwei Buslinien fast komplett ein

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Die Expressbuslinie 173 auf der Aachener Straße an der Haltestelle „Maarweg“.
Ein harter Schlag für den Kölner Westen! Die Expressbuslinien 172 und 173 stehen vor dem Aus, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet.
Seit Ende 2019 haben sie Widdersdorf, Lövenich und Weiden mit dem Haupt- und Deutzer Bahnhof verbunden. Über eine eigene Spur auf der Aachener Straße sollten sie die ewig volle KVB-Linie 1 entlasten – auch, weil die Stadt Köln sich im Rahmen eines Vergleiches dazu verpflichtet hatte.
Der Hintergrund: Die Deutsche Umwelthilfe hatte die Stadt und das Land NRW verklagt, weil die Stickstoff-Grenzwerte in Köln gerissen wurden. Es drohten sogar Fahrverbote. Jetzt will der Kölner Stadtwerkekonzern genau diese beiden Linien kappen. Übrig bleiben soll nur je eine Fahrt morgens und nachmittags. Doch die Bezirksvertretung Lindenthal hat in ihrer letzten Sitzung durchgesetzt: Die Linie 172 soll für den Schulweg zwischen 7 und 8 Uhr morgens wenigstens noch dreimal in die Innenstadt rollen.
Eine ähnliche Haltung zeigen auch der Mobilitätsausschuss und der Stadtrat. Das Sparkonzept der Stadtwerke wurde vom Rat zwar abgenickt, aber mit einer klaren Auflage: Für den Schülerverkehr muss es mindestens zwei Fahrten auf der Strecke von Widdersdorf zur Universitätsstraße und zurück geben.
Kostenexplosion und kaum Fahrgäste: Darum das Bus-Aus
Was steckt hinter der drastischen Entscheidung? In der Sitzung der Bezirksvertretung legten Benjamin Klein, Bereichsleiter für Verkehrsentwicklung bei der Stadt, und Ulf Bohndorf vom KVB-Nahverkehrsmanagement das „Ergebnissicherungskonzept“ des Konzerns auf den Tisch:
„Wir haben den Widerspruch, dass wir für die Verkehrswende eigentlich mehr öffentlichen Nahverkehr benötigen, und gleichzeitig müssen wir uns die Frage stellen, was wir uns leisten können“, sagte Klein. Die Ausgaben für Energie, Personal und Investitionen seien in den letzten Jahren explodiert. Zugleich blieben die Fahrgastzahlen der Expressbusse weit hinter den Prognosen.
Ein weiteres Argument: Die Schadstoffwerte an den Messpunkten liegen beständig unterhalb des Grenzwertes. Die Busse seien also nicht mehr zwingend erforderlich. Die Streichung sei mit dem Rechtsamt abgestimmt. Bohndorf fügte hinzu, dass es für die wegfallenden Verbindungen Alternativen gebe – allerdings mit Umsteigen.
„Rausgeschlichen!“: Politik tobt wegen Vertragsbruch
Die Pläne sorgten in der Bezirkspolitik für einen Aufschrei. Cornelia Weitekamp (Grüne) kritisierte das Vorgehen scharf: „Sie haben sich hier aus dem Vertrag rausgeschlichen und haben anscheinend nicht mal mit der Deutschen Umwelthilfe darüber gesprochen.“
Auch Bürgermeisterin Teresa de Bellis (CDU), die bei der Sitzung dabei war, fand deutliche Worte. Die Linien 172 und 173 seien der KVB schon immer ein Dorn im Auge gewesen, da sie teuer eingekauft werden mussten. Als Widdersdorferin weiß sie, wie stark gerade die Linie 172 morgens zwischen 7 Uhr und kurz vor 8 Uhr von Schülern und Studierenden genutzt wird. Ihre große Sorge: Werden die Busse gestrichen, müssen alle in die Linie 1 umsteigen, die aber schon jetzt völlig überfüllt ist. Sie befürchtet, dass Schüler und Pendler dann einfach stehen gelassen werden und die Zahl der Elterntaxis wieder steigt.
Kaum beworben, trotzdem immer beliebter
Klaus Reinartz (FDP) warf die Frage auf, ob die Busse überhaupt eine faire Chance bekommen haben. Er erinnerte daran, dass die KVB die Verbindungen zwischenzeitlich für unbestimmte Zeit eingestellt hatte. „Dann kamen die so ganz hösch wieder zurück“, so Klaus Reinartz, „ohne dass man den Kunden die Möglichkeit gegeben hat, die Linien überhaupt kennenzulernen. Vielleicht muss man sie besser bewerben.“
Friedrich Jeschke (Volt) sieht das ähnlich. Seiner Meinung nach hatte sich die Linie 172 gerade erst richtig durchgesetzt. Besonders seit den hohen Spritpreisen hätten immer mehr Leute den Bus als gute Alternative zum Bahnhof für sich entdeckt. „Und statt, dass die Linie nun als Expressbus ausgebaut wird, müssen wir entsetzt feststellen, dass sie eingestellt wird.“ (red)
