Haushaltssperre, Olympia-Aus gegen München, Suchthilfezentrum verschoben: Kölns OB Torsten Burmester hatte ein turbulentes erstes Amtsjahr. Was er geschafft hat und wo es noch hakt.
Ein Jahr Torsten Burmester„Er kann einem fast leidtun“ – Kölns OB auf dem Prüfstand

Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) stand als „Bob der Baumeister“ auf dem Alter Markt bei der Weiberfastnacht.
Ein Jahr nach seiner Vereidigung fällt die Bilanz von Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD, 63) gemischt aus. Er selbst spricht von einem neuen Stil, aus dem Stadtrat kommen Lob und deutliche Kritik. Das analysiert der „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Burmester trägt seit dem 6. November 2025 die goldene Amtskette. Gewählt ist er für fünf Jahre. Er hat aber schon mehrfach angedeutet, dass ihn auch eine zweite Amtszeit reizen würde. In seiner ersten Karnevalssession zeigte er sich als „Bob der Burmester“. Das Kostüm war eine Anspielung auf die Kinderfigur „Bob der Baumeister“, und es passte zu seinem Wahlkampf-Slogan „Macher mit Herz“.
Burmester und der „neue Politikstil“
Zu seiner eigenen Bilanz sagte Burmester der Zeitung, er glaube, dass es mit ihm „einen neuen Politikstil gibt, im Rat und in der Interpretation des OB-Amtes – geprägt von Nähe und Pragmatismus“.
Bei einer funktionierenden Verwaltung und mehr Sauberkeit sei man „einen Schritt weitergekommen“.
Gut laufe auch „die zielorientierte Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Rat“.
Das hat Burmester geschafft
- Wohnungsbau: Aus seinem Dialogprozess „Köln baut bezahlbar“ entstand eine lange Liste mit geänderten Kölner Bauvorgaben. Dazu kommen konkrete Vorschläge, die Bauordnung des Landes zu ändern. Für diese wirbt der OB jetzt. Ob dadurch wirklich mehr Wohnungen entstehen, wird sich erst in vielen Jahren zeigen.
- Sauberkeit: Er hat das Thema mit vielen Pressefotos zu seinem Markenzeichen gemacht, etwa mit der Spritzdüse gegen Graffiti, mit dem Laubbläser oder beim Verteilen von Aschenbechern im Park. Ob Köln dadurch sauberer geworden ist, bleibt umstritten. „Sein Eigenmarketing ist gut“, sagt einer.
- Drogenszene: Burmester hat den Umgang mit der offenen Drogenszene zur Chefsache gemacht und dafür einen eigenen Arbeitsstab in seinem Büro eingerichtet. Sozialdezernent Harald Rau musste dafür in die zweite Reihe rücken.
- Nähe zu den Menschen: Bürger und Beschäftigte der Verwaltung schätzen ihn als zugewandt und aufmerksam. Er soll regelmäßig Abteilungen besuchen und einen digitalen Kaffeeklatsch anbieten. Seine SPD-Fraktion lobt, dass er „beeindruckend oft“ zu ihren Sitzungen kommt.
- Ton im Rat: Laut FDP/KSG ist der Umgang der Fraktionen miteinander durch die teilweise wechselnden Mehrheiten freundlicher geworden.
Das hat (noch) nicht geklappt
- Finanzen: Drei Tage nach Amtsantritt verhängte Burmester eine Haushaltssperre und sprach von einer „dramatischen“ Finanzlage. Besser ist es seitdem nicht geworden. Köln kämpft darum, nicht in einen Nothaushalt zu rutschen. Ein hochrangiger Beamter wird so zitiert: „Er kann einem fast leidtun, er hat ja kaum Gestaltungsspielraum.“
- Personal: Burmester hatte versprochen, dass nicht weniger Personal dieselbe Arbeit erledigen soll. Genau das passiert laut dem Bericht aber an vielen Stellen in der Verwaltung.
- Suchthilfezentrum: Das neue Zentrum im Pantaleonsviertel sollte ursprünglich im April 2026 öffnen. Jetzt ist August 2027 geplant.
- Olympia: Burmester war früher Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) und hat sich stark für die Bewerbung Köln Rhein/Ruhr eingesetzt. Mit ihm als OB wurde Köln zur federführenden Stadt erklärt. Im nationalen Entscheid gewann aber München.
- Geißbockheim: Ein Kompromiss zu den Trainingsplätzen des 1. FC Köln kam nur zustande, weil acht Mitglieder der Linke-Fraktion mit CDU und SPD stimmten. CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau kritisiert trotzdem, dass der Ausbau weiter ungelöst ist.
- Wenig Ergebnisse im Rat: Einige Ratsmitglieder bemängeln, dass Verwaltung und Fraktionen zu wenige Vorlagen erarbeitet haben. Dadurch sei auch weniger entschieden worden.
- Wechselnde Mehrheiten: Burmester wollte weg von einem festen Bündnis. Grüne, CDU und SPD haben sich aber beim Haushalt und bei den neu zu besetzenden Dezernentenposten abgesprochen. Auch die meisten anderen Beschlüsse trugen zuletzt diese drei Fraktionen. Nur bei manchen Themen, etwa der Mobilität, ändern sich die Mehrheiten je nach Entscheidung.
Kritik am Führungsstil
Kritik gibt es auch an Burmesters Führungsstil. Der Verwaltungsvorstand, in dem er sich jeden Dienstag mit den Dezernentinnen und Dezernenten abstimmt, fällt unter ihm häufiger aus als früher. Es heißt, er habe „anders als Reker kein ausgeprägtes Interesse an schnöden Verwaltungsvorgängen“. Nicht alle Dezernenten fühlen sich wertgeschätzt, und in den Sitzungen soll der Ton manchmal schroffer sein. „Wer nur lieb sein will, braucht den Job nicht zu machen“, sagt einer dazu.
Andere sprechen von „Ich-Politik“ und „Basta-Politik“. Gerade kleinere Fraktionen haben den Eindruck, der OB empfinde die Politik manchmal als „lästig“ und bevorzuge ein „eigenmächtiges Verwaltungshandeln“. Die Grünen, die stärkste Fraktion im Rat, beobachten ihn misstrauisch. Linke und Volt kritisieren, er spreche Themen immer zuerst mit den drei größten Fraktionen ab.
So urteilen die Fraktionen
- Grünen-Fraktionschefin Christiane Martin: „Die Zusammenarbeit war im vergangenen Jahr in vielen Fällen konstruktiv. Manchmal ist aber noch Luft nach oben, etwa bei der Verpackungssteuer oder bei Verkehrsthemen.“
- CDU-Fraktionschef Bernd Petelkau zieht eine gemischte Bilanz. Positiv findet er, dass Burmester in der Verkehrspolitik „auf der Seite der Vernunft ist“. Negativ sei der weiter ungelöste Geißbockheim-Ausbau.
- Volker Görzel, Chef der FDP/KSG-Fraktion: „Der OB versucht, viel aktiver als seine Vorgängerin, die Fraktionen einzubinden.“ Der Ton untereinander sei „freundlicher und verbindlicher“ geworden
- Volt-Fraktionschefin Jennifer Glashagen nennt ihn einen „starken Redner“: „Er setzt neue Bilder und Erzählungen für Köln, und das spürt man in der Stadt. Ich bin gespannt, ob den Bildern auch messbare Veränderungen folgen.“
- Linken-Co-Fraktionschef Heiner Kockerbeck: „In seiner Öffentlichkeitsarbeit versucht er, das Image des Machers aufzubauen, aber teilweise mit ungeeigneten Themen.“ Damit meint er etwa ein Video auf Burmesters Instagramprofil, in dem es auch um Obdachlose auf Schulwegen geht. Lob gibt es von ihm trotzdem: „Ausgesprochen positiv führungsstark hat er sich bei seiner Entgegnung auf den Vorschlag der AfD gezeigt, ihn zum Antisemitismus-Beauftragten zu machen.“
Kurzum: Trotz knapper Kasse setzt Burmester Akzente. Wer das Lieblingsthema des OB noch nicht ausgemacht hat, muss sich nur durch die Bilder von den Presseterminen seines ersten Jahres als OB klicken. Burmester in raumanzugähnlicher Montur, wie er mit einer Spritzdüse Graffiti von einer Wand putzt. Der OB mit Laubbläser. Burmester versteht es, öffentlichkeitswirksame Bilder zu produzieren. (red)
