Nicht zum ersten Mal wurde auf dem Kölner Friedhof in Niehl randaliert – eine Betroffene erhebt schwere Vorwürfe gegen die Friedhofsverwaltung.
Brisante SchwachstelleRandale am Grab: Kölnerin erhebt schwere Vorwürfe

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Laut Petra Schenk (57) ist die Sicherheit des Friedhofs in Köln-Niehl ein Witz.

Kein Ende des Friedhofs-Horrors in Köln-Niehl.
Nachdem in der Nacht zum 4. April Unbekannte auf dem Friedhof an der Feldgärtenstraße reihenweise Gräber verwüsteten, Grablampen aus der Verankerung rissen und Metallbuchstaben gewaltsam aus Grabsteinen brachen, meldet sich jetzt eine Betroffene zu Wort – und macht der Friedhofsverwaltung schwere Vorwürfe.
Friedhof in Köln-Niehl: „Es ist nicht das erste Mal“
Petra Schenk, die auf dem Friedhof das Familiengrab pflegt, ist fassungslos. Nicht nur wegen der Tat selbst – sondern weil sie weiß: „Es ist nicht das erste Mal, dass auf dem Friedhof gewütet wurde“, sagt sie im Gespräch mit EXPRESS.de. „Auf Nachfrage bei der Friedhofsverwaltung heißt es nur: Wir können nichts machen“, so die 57-Jährige.
Petra Schenk hat genau hingeschaut – und eine brisante Schwachstelle entdeckt: Das große Eingangstor des Friedhofs werde schon seit Jahren nachts nicht mehr abgeschlossen. Das kleine Tor sei nicht einmal mehr ordentlich in der Verankerung befestigt. „Es wird den Randalierern aber auch einfach gemacht“, ärgert sich die Kölnerin.
Die Stadt Köln bestätigt auf Nachfrage, dass der Friedhof Niehl keinen eigenen Pfortendienst hat. „Der Schließdienst wurde dort in der Vergangenheit durch eine Privatperson im Auftrag der Friedhofsverwaltung durchgeführt. Nachdem diese Person verstorben ist, konnte der Schließdienst nicht aufrechterhalten werden“, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Heißt im Klartext: kein Abschluss, kein Schutz.
Zudem gibt es ein kleines Fußgängertor. „Das ist nicht mehr richtig in der Verankerung“, beschwert sich Schenk über den Zustand.

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Ein verwüstetes Grab auf dem Friedhof in Köln-Niehl
„Würde man das Tor durch einen höheren Zaun mit spitzen Zacken ersetzen, würde es den Randalierern schwerer gemacht“, so Schenks klare Forderung.
Laut Stadt seien der Friedhofsverwaltung zwar Beschädigungen bekannt – diese hätten aber „keinen Einfluss auf die Verkehrssicherheit“. Für Petra Schenk ist das blanker Hohn.
Hoher Zaun nur um Trauerhalle: Wer kommt für Vandalismus-Schäden auf?
Denn rund um die Trauerhalle sei das Gelände mit einem hohen Zaun mit spitzen Zacken gesichert, berichtet die 57-Jährige. „Warum schützt man nicht auch die Gräber so?“, fragt Schenk.
Die Erklärung der Stadt: Der Bereich um die Trauerhalle sei eine Betriebsfläche, die nur von befugten Personen betreten werden dürfe. Die Einzäunung erfolge zur Sicherung dieses Bereiches.
Neben der Sicherung der Friedhofsanlage stellt sich die Frage: Wer kommt für die Schäden durch Vandalismus auf?
Das ist eindeutig geregelt – und zwar zuungunsten der Hinterbliebenen. Die Stadt Köln macht unmissverständlich klar: „Die Nutzungsberechtigten einer Grabstätte sind Eigentümer der jeweiligen Aufbauten und Ausstattungen. Bei Schäden durch Vandalismus oder Diebstahl sind die Kosten durch die Nutzungsberechtigten zu tragen, sofern die Verursachenden nicht festgestellt und belangt werden können.“

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Am kleinen Tor ist die Verankerung beschädigt.
Kurzum: Solange die Täter nicht gefasst werden, zahlen die Angehörigen. „Wir bleiben auf den Kosten sitzen“, sagt Petra Schenk. „Eigentlich müsste der Friedhof für die Schäden aufkommen. Die Verwaltung sollte endlich dafür sorgen, dass für die Sicherheit gesorgt wird.“
Randale und Zerstörung auf dem Friedhof in Niehl: „Der Friedhofsverwaltung sind seit 2021 bis zu den aktuellen Vorfällen insgesamt 21 Fälle von Vandalismus bzw. Diebstählen an einzelnen Grabstätten bekannt geworden“, bestätigt die Stadt.
Überwiegend seien das Fälle von Metalldiebstahl, zum Beispiel von Buchstaben und Ziffern, Figuren oder Vasen aus Bronze oder Kupfer. „In einzelnen Fällen auch Diebstahl von Pflanzen oder das Abschneiden von Pflanzen durch Dritte“, so die Sprecherin.
Kölner Friedhofsverwaltung erstattet Anzeige
Das Metall wird eingeschmolzen oder als Altmetall verkauft, ein lukratives Geschäft für skrupellose Diebe.
Die Reaktion der Friedhofsverwaltung auf jeden Vorfall: Es werde Anzeige erstattet und die Polizei informiert.
Das Problem: „Diese Taten werden zu allen Jahreszeiten, tagsüber und nachts, auf Friedhöfen mit und ohne Schließdienst verübt“, teilt die Stadt mit. Nur in den wenigsten Fällen könnten die Taten aufgeklärt und die Täter ergriffen werden.
Die Friedhofsverwaltung empfiehlt, möglichst Alternativen aus weniger werthaltigen Metallen oder Stein für die Gestaltung der Grabstätten zu verwenden.
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