Abo

„Hat jemand eine Ahnung?“Mysteriös: Was schwebt da nachts über Köln?

Aktualisiert:

Was war da am Kölner Nachthimmel unterwegs?

Es war ein klarer Abend über der Domstadt, als ein Kölner „Reddit“-Nutzer seinen Blick zufällig gen Süden richtete – und staunte (oben das Video ansehen).

Was er dort am Nachthimmel erblickte, ließ ihn sofort zum Smartphone greifen. Am 1. Mai um 22.07 Uhr teilte er seine Beobachtung unter der schlichten Frage „Was war das am Südhimmel?“ auf „Reddit“ und beschrieb zu einem kurzen Video, was er gesehen hatte: „Hat jemand eine Ahnung, was da gerade am Südhimmel geflogen ist? Für ein Flugzeug im Landeanflug war es zu hoch und irgendwie total neblig, dabei ist der Himmel sehr klar. Und hintendran hing irgendwas Leuchtendes?“

Starlink-Satelliten über Köln sorgen für Verwunderung

Zu hoch für ein Flugzeug, zu langsam für eine Sternschnuppe, zu merkwürdig für alles, was man kennt – die Kommentarspalte füllte sich rasch mit Spekulationen. Eine kurze Recherche liefert eine eindeutige Antwort: Es waren Starlink-Satelliten – und zwar ganz konkret die Gruppe Starlink G10-38.

Dank der Satelliten-Tracking-Plattform Heavens-Above lässt sich die Sichtung auf die Minute genau rekonstruieren. Am Abend des 1. Mai 2026 zog die Starlink-Gruppe G10-38 zwischen 21.59 Uhr und 22.02 Uhr über den Kölner Himmel – von Westsüdwest kommend, mit einem Höchstpunkt von 14 Grad über dem Horizont in Richtung Südwest, bevor sie in Richtung Süden verschwand.

Der „Reddit“-Post wurde um 22:07 Uhr veröffentlicht – fünf Minuten nach dem Ende der Sichtung also.

Satelliten fliegen extrem flach über den Himmel

Die eigentümliche Beschreibung des Nutzers – neblig, dabei klarer Himmel – hat eine physikalische Erklärung. Mit nur 14 Grad Höhe über dem Horizont zogen die Satelliten extrem flach über den Himmel. Bei einem so niedrigen Winkel blickt man durch eine besonders dicke Schicht der Erdatmosphäre – das Licht wird dabei gestreut und gebrochen, was einen diffusen, fast wolkigen Schimmer erzeugt. Dazu kommt: Starlink-Satelliten reflektieren das Sonnenlicht mit ihren großen Solarpanelen besonders stark, wenn diese noch nicht vollständig in ihre endgültige Position ausgerichtet sind.

Starlink-Satelliten bilden eine leuchtende Kette am Himmel, wie hier 2020 in Lichtervelde (Flandern).

Copyright: imago images/Belga

Starlink-Satelliten bilden eine leuchtende Kette am Himmel, wie hier 2020 in Lichtervelde (Belgien).

Der „leuchtende Anhänger“ am Ende der Erscheinung? Das ist schlicht der letzte Satellit der Kette, der mit leichtem Abstand den anderen folgte.

Dahinter steckt das Satellitennetzwerk des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX, gegründet von Elon Musk. Das Ziel: ein weltumspannendes Hochgeschwindigkeits-Internetnetz aus dem All. Aktuell kreisen über 7000 Starlink-Satelliten im Erdorbit – Tendenz stark steigend. Die US-Behörde FCC hat SpaceX bereits die Genehmigung für bis zu 12.000 Satelliten erteilt, langfristig plant das Unternehmen sogar eine Konstellation von bis zu 34.400 Satelliten.

Satelliten fliegen eng beieinander in niedriger Höhe

Die Starlink-Satelliten fliegen in einer vergleichsweise niedrigen Umlaufbahn von rund 550 Kilometern Höhe – deutlich tiefer als klassische Kommunikationssatelliten. Das macht sie schneller, leistungsfähiger für Internetdienste – und gut sichtbar vom Boden aus.

SpaceX schickt die Satelliten in beeindruckendem Tempo ins All. Mit seiner Falcon-9-Rakete startet das Unternehmen teils mehrfach pro Woche neue Chargen – häufig zwischen 20 und 23 Satelliten auf einmal. Kurz nach dem Start fliegen die Satelliten noch eng beieinander und in niedrigerer Höhe, bevor sie sich nach und nach in ihre endgültige Umlaufbahn manövrieren. Genau in dieser frühen Phase sind sie für Beobachter auf der Erde am eindrucksvollsten.

Sichtbar sind Starlink-Ketten vor allem kurz nach Sonnenuntergang oder kurz vor Sonnenaufgang – wenn der Himmel bereits dunkel ist, die Satelliten in ihrer Höhe aber noch von der Sonne beleuchtet werden. (mg)

Der Rheinboulevard soll ausgebaut werden. Derzeit gleicht der Fuß- und Radweg zwischen Hohenzollernbrücke und Tanzbrunnen einer Buckelpiste.

Kölner Prestigeprojekt

Massive Verzögerung bei Rheinboulevard-Ausbau