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Kölnerin in „Hall of Fame“Juliane baut Musikinstrumente – erkennt ihr, woraus?

Eine Gibson Les Paul ist für Gitarristen das Nonplusultra. Ihr Erfinder und Namensgeber hat es in die Rock’n’Roll-Hall-of-Fame geschafft. Auch für Juliane Pilster ist das legendäre Instrument der Grundstein einer ganz besonderen Karriere.

Die Gibson Les Paul von Juliane Pilster (41) bringt keine Töne hervor. Sie wurde von der Wahl-Kölnerin nachgebaut – aus Legosteinen.

Damit hat Juliane etwas geschafft, wovon viele Künstlerinnen und Künstler träumen: Ihre Les Paul hängt gemeinsam mit einer Fender Stratocaster und einem Bass (Yamaha Flying Samurai) im Museum. Und nicht in irgendeinem, sondern in der „Hall of Fame“ der Legoliebhaber: der Masterpiece Gallery in Billund.

„Was hat eine Gitarre in einer Legoausstellung zu suchen?“

In der Heimat der bunten Steine ausstellen zu dürfen, ist eine Ehre, die nur Auserwählten zuteil wird. Entsprechend bewegt ist die 41-Jährige, als sie beim EXPRESS-Besuch davon erzählt. „Ich habe im April 2025 eine Mail bekommen und dachte zuerst, das ist Spam“, so Juliane.

Doch ganz im Gegenteil: Das internationale Museum im dänischen Billund, der Heimat der Legosteine, wollte tatsächlich Julianes Exponate ausstellen. Der Bass und zwei E-Gitarren, originalgetreu nachgebaut, schmücken die Ausstellung und sorgen für verwunderte Blicke. „Es gab sogar jemanden, der sich fragte, was eine Gitarre in einer Legoausstellung zu suchen hat“, erzählt die dreifache Mutter und ihre Augen leuchten stolz.

Täuschend echt: Juliane Pilster mit einem ihrer Ausstellungsstücke.

Copyright: Legohouse/tech2com UG

Täuschend echt: Juliane Pilster mit einem ihrer Ausstellungsstücke.

Einmal auf den musikalischen Geschmack gekommen, legte sie mit einem Keyboard nach. Für ein Schlagzeug fehle ihr noch die Zeit, „aber lustig wäre das schon“, schmunzelt Juliane, die auf Lego-Anleitungen lieber verzichtet. „Das finde ich langweilig.“

Der Grundstein zur Legoliebe wurde ganz klassisch gelegt: mit Duplo. Schon als Einjährige war Juliane vom Bauen fasziniert. Über die Jahre wurden die Steine kleiner, die Bauwerke größer. In den 1990er Jahren entfachten die Lego-Weltraumserien ihr Interesse. „Damals stapelte sich das Lego unter dem Hochbett“, erinnert sich Pilster, die in Celle geboren wurde und seit 2024 mit ihrem Mann und drei Kindern in Köln lebt.

Schon früh zeigte sich bei Juliane Pilster die Liebe zu den bunten Steinen, wie auf diesem Kinderfoto.

Copyright: Pilster

Schon früh zeigte sich bei Juliane Pilster die Liebe zu den bunten Steinen, wie auf diesem Kinderfoto.

Ein eigenes Zimmer für ihre Legoleidenschaft hat die studierte Elektrotechnikerin nicht. „Die sind von den Kindern belegt“, sagt sie. Doch Lego ist natürlich in der Wohnung präsent. „Etwa eine Million Steine“, schätzt sie, seien in Kisten verstaut. „Könnten aber auch fünf Millionen sein“, lacht Juliane, die alles selbst finanziert. „Eine Lego-Flatrate wäre toll.“

Sie hat auch eine Vermutung, warum es so wenige Einersteine gibt. „Die kann man nicht so gut weiterbauen.“ Tipps für alle Lego-Fans hat uns Juliane Pilster übrigens ganz oben im Video verraten.

Die Idee, ausgerechnet Musikinstrumente aus Lego zu bauen, hat Juliane ihrem Vater zu verdanken. Er entfachte nicht nur ihre Legoleidenschaft, sondern lieferte als Bassist auch die Vorlage für den Legobass. Den Yamaha Flying Samurai hat sie sich inzwischen als Dauerleihgabe gesichert.

Juliane Pilster bei ihrem Besuch im Neven DuMont-Haus.

Copyright: Scholz

Juliane Pilster bei ihrem Besuch im Neven DuMont-Haus.

„Ich mag es, beim Gang durch die Stadt in Legosteinen zu denken“

Neben den Stücken in Originalgröße („das erleichtert den Transport, da sie in Gitarrenkästen passen“) liebt Juliane auch Architektur. „Ich mag es, beim Gang durch die Stadt in Legosteinen zu denken“, erzählt Juliane, die ganz begeistert von der Arbeit des Velbertes Volker Pardon (70) ist. Der Rentner hatte den Kölner Dom mit 228.100 Steinen nachgebaut. „Sensationell“, schwärmt sie und zollt Pardon Respekt.

Die Liebe zu Lego lässt sich auch in den beruflichen Alltag einbauen. Juliane Pilster, die Change-Prozesse begleitet, nutzt dazu auch die Steine. „Legosteine sind geduldig“, weiß sie und erklärt, wie den Steinen Bedeutung verliehen werden kann. Durchsichtige Steine können beispielsweise für Transparenz stehen. So lassen sich Projekte spielerisch entwickeln und umsetzen. „Zunächst baut jeder für sich selbst, dann werden die Projekte zusammengeführt.“

Und das Schöne: „Wenn etwas kaputtgeht, können wir es wieder zusammenbauen.“ Wichtig sei, sich immer auf das Wesentliche zu konzentrieren – sowohl bei Projekten als auch beim Lego. 

Ein besonderes Projekt gibt es auch für Kölner und Kölnerinnen. Schaut euch unser Instagram-Video dazu an und schickt uns eure Vorschläge.

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Mit ihrer Legokunst ist Juliane Pilster auch in ihrer Heimat Niedersachsen präsent. Gemeinsam mit @steinfluencer entwarf Juliane eine Miniaturversion des Landtages. Das vereinfachte Modell wird an Gäste des Hauses verschenkt.

Julianes Werke gab es übrigens auch schon in Köln zu sehen. In der Motorworld war sie mit ihren Instrumenten präsent. Bei der Ausstellung „Bricks and Friends“ (3. Mai, 11 bis 15 Uhr) wird sie in diesem Jahr nicht dabei sein – schließlich sind ihre Instrumente noch bis September in Billund zu sehen.

Eine Reise ins dänische Lego-Mekka lohnt sich aber in jedem Fall, findet auch Juliane. Sie wird mit ihrer Familie im Sommer nach Dänemark reisen. Für den Zwei-, Acht- und Zehnjährigen Nachwuchs sicher etwas ganz Besonderes, Mamas Arbeiten in einem Museum zu sehen. Ob sie ihr einmal nacheifern? Sie bauen auf jeden Fall schon fleißig mit.

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