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Mordversuch auf Kölner BrückeEs lagen Sekunden zwischen Leben und Tod

Der Ursulaplatz erstreckt sich als Brücke über die Ursulastraße, auf der Autos unter dem Platz hindurchfahren. Hier wurde ein Pflasterstein auf ein fahrendes Auto geworfen. Der Täter steht jetzt vor Gericht.

Copyright: Alexander Schwaiger

Der Ursulaplatz erstreckt sich als Brücke über die Ursulastraße, auf der Autos unter dem Platz hindurchfahren. Hier wurde ein Pflasterstein auf ein fahrendes Auto geworfen. Der Täter steht jetzt vor Gericht.

Ein 37-Jähriger steht in Köln vor Gericht. Der Vorwurf wiegt schwer: versuchter Mord.

Nur Sekundenbruchteile machten den Unterschied zwischen Leben und Tod aus, als ein Senior (68) aus Krefeld mit seinem Pkw eine Unterführung nahe des Kölner Hauptbahnhofs durchquerte.

„Plötzlich knallte es dermaßen, das kann man sich gar nicht vorstellen“, berichtete der Mann am Montag vor dem Landgericht in Köln, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ berichtet. Auf der Anklagebank sitzt ein wohnungsloser Mann (37), dem versuchter Mord vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er einen wuchtigen Pflasterstein von der Brücke am Ursulaplatz geschleudert hat.

Köln: Ehepaar auf dem Weg zur New-York-Reise

Gegen 9 Uhr an jenem Vormittag wollte der Krefelder seine Gattin zum Breslauer Platz fahren. Von dort aus war eine Reise nach New York mit der Tochter geplant, die in Köln wohnt und schon am Bahnhof wartete. Mit dem ICE sollte die Fahrt zum Frankfurter Flughafen weitergehen. Der Fahrer beschrieb vor Gericht, wie er mit dem Audi A1 Sportback zunächst an einer Ampel bei Rot hielt. Anschließend fuhr er auf die Unterführung zu: „Meine Frau sagte mir später, sie habe einen Mann auf der Brücke wahrgenommen.“

Er selbst war voll auf den Verkehr fokussiert, als es plötzlich krachte. Zuerst habe er an einen Schuss geglaubt, so der Rentner kurz nach der Tat. Das ganze Drama wurde ihm erst bewusst, als er ausstieg. Ein 30 mal 15 Zentimeter großer Pflasterstein hatte die Heckscheibe des Fahrzeugs durchbrochen. Das Geschoss prallte offenbar im Inneren des Wagens ab und wurde zurück auf die Fahrbahn geschleudert. „Ich musste erstmal zu mir kommen“, erzählte der Rentner im Zeugenstand.

„Hauptsache, uns ist nichts passiert“

Der Fahrer beklagte erst den Schaden an seinem Audi, bis eine Zeugin aus dem nachfolgenden Fahrzeug ihm sein unglaubliches Glück verdeutlichte. „Hauptsache, uns ist nichts passiert“, sagte er später in Saal 23 des Kölner Justizgebäudes zu Richter Alexander Fühling, der den Vorsitz innehatte. Der 68-Jährige geht davon aus, dass der Heckspoiler des Wagens die Aufprallenergie gemindert und die Flugbahn des Geschosses abgelenkt hat. Wahrscheinlich ist es diesem Detail zu verdanken, dass er sowie seine Frau ohne Verletzungen davonkamen. Den auf die Straße zurückgekatapultierten Pflasterstein legte er zur Seite, damit kein anderes Auto beschädigt wird.

Er selbst fuhr mit dem Auto noch bis zum Hauptbahnhof. Die Tochter wartete dort und umarmte ihre Eltern. Sie überlegten kurz, den Trip in die USA zu stornieren. Doch nach dem Schockmoment stiegen Mutter und Tochter wie geplant in den Zug. Zum Glück sei für die Fahrt aus Krefeld ohnehin ein Zeitpolster vorgesehen gewesen, so der Rentner. Den Rest besprach er mit der Polizei.

Der Richter erkundigte sich, ob der Vorfall ihn psychisch belaste. Als ehemaliger Berufskraftfahrer habe er oft Familien mit Kindern auf Brücken gesehen, die ihm freundlich zugewunken hätten, erklärte der 68-Jährige und sagte: „Das sah danach anders aus, da hatte ich ein mulmiges Gefühl.“ Dieses Gefühl sei inzwischen aber wieder verschwunden. „Hatten Sie Albträume, Panikattacken oder mussten deswegen in ärztliche Behandlung?“, wollte der Richter wissen. Die Antwort war ein klares „Nein“.

Köln: Augenzeugin sah Mann auf Brücke lauern

Eine Friseurin (34) saß mit ihren Eltern im Wagen direkt dahinter. Die Zeugin schilderte vor Gericht, wie sie einen Mann auf der Brücke bemerkt hatte. „Er hatte beide Hände an dem Stein und diesen schon über die Brüstung gehoben“, beschrieb sie die Situation – es habe gewirkt, als würde der Mann auf das nächste Auto lauern. „Dann hat er den Stein gezielt runtergeworfen.“ Richter Fühling merkte an: „Augenblicke später und es hätte Sie erwischt“. Die Zeugin bestätigte leise mit „Ja“.

Dem Steinewerfer gelang zunächst die Flucht vom Tatort am Ursulaplatz. Kurz darauf soll er am Eigelstein eine Kundin in einer Drogerie attackiert haben. Der Verdächtige wurde gefasst, nachdem eine öffentliche Fahndung mit Fotos aus Überwachungskameras lief. Anlass war, dass er einen jungen Mann in einer Bahn in Hürth angespuckt haben soll. Wegen psychischer Probleme wurde er in eine geschlossene forensische Einrichtung gebracht.

Die Anklagebehörde beschuldigt den 37-Jährigen des versuchten Mordes aus Heimtücke, weil die Insassen des Wagens nicht mit einem Angriff rechneten. Es war reiner Zufall, dass bei dem Steinwurf niemand verletzt oder gar getötet wurde. Eine Gefängnisstrafe muss der Mann wegen einer festgestellten paranoiden Schizophrenie aber nicht fürchten. Wegen der Gefahr, die von ihm für die Öffentlichkeit ausgeht, steht jedoch die permanente Einweisung in eine psychiatrische Klinik im Raum. Über eine eventuelle Freilassung würden dann vor allem Mediziner entscheiden.

Angeklagter vor Gericht: „Habe leider keine Erinnerungen“

„Ich wollte niemanden töten“, äußerte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses. Danach ergriff sein Verteidiger Martin Düerkop das Wort. „Mein Mandant möchte sich gerne selbst einlassen, er hat mir aber gerade mitgeteilt, dass er Angstzustände hat und sehr nervös ist“, führte der Jurist aus. Und weiter: „Ich bin überzeugt, dass mein Mandant keine Erinnerungen an den Vorfall hat.“ Man habe versucht, sich über „Erinnerungsinseln“ dem Tattag zu nähern, was jedoch erfolglos blieb. „Das stimmt, ich habe leider keine Erinnerungen“, bekräftigte der 37-Jährige daraufhin.

Über seinen Werdegang erzählte der Angeklagte, dass er mit 13 mit dem Kiffen begann, später kamen Kokain und Heroin hinzu. Seit vielen Jahren leide er an Psychosen und habe schon „bestimmt 20 bis 30“ Klinikaufenthalte gehabt. Die Schwurgerichtskammer wird bis Mitte Mai darüber befinden, ob ein weiterer, diesmal zeitlich unbegrenzter Aufenthalt in der forensischen Psychiatrie folgt. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

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