Verdi hat erneut zum Streik im kommunalen Nahverkehr aufgerufen. Neben Köln sind auch Bonn und Leverkusen betroffen.
Mega-Streik hat begonnenReaktionen auf KVB-Stillstand: „Sollte Arbeitgeber, nicht Kundschaft treffen“
Aktualisiert
Die nächste Streikwelle im Nahverkehr rollt an! Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der KVB, SWB und der Wupsi für Freitag (27.) und Samstag (28. Februar) ganztägig zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.
Hintergrund ist die laufende Tarifrunde mit dem Kommunalen Arbeitgeberverband NRW. In der ersten Verhandlungsrunde legten die Arbeitgeber kein Angebot vor. Vor der nächsten Verhandlungsrunde, die am 2. und 3. März stattfinden wird, erhöht Verdi deshalb den Druck. Der Streikaufruf gilt bundesweit.
Streik bei der KVB – so reagieren Kunden und Kundinnen
- Ein anderer Leser kommentiert ironisch: „Stetig steigende Preise bei schlechter werdendem Service und höherer Unzuverlässigkeit. Wie gut, dass zumindest das jährliche Streiken konstant bleibt. Konstanz ist eben doch wichtig! Wenn in Japan gestreikt wird, wird sogar verstärkt gefahren. Allerdings brauchen die Kunden keine Fahrkarten kaufen. Warum? Man sagt dort, dass man mit dem Streik den Arbeitgeber und NICHT die Kundschaft treffen will! Aber so schlau ist man wohl bei KVB wohl nicht“
- Auf der EXPRESS-Facebookseite gibt es auch kritische Stimmen zum Streik. „So sehr ich es verstehen kann, dass sie mehr Geld wollen für ihren Job mit Verantwortung für viele Menschenleben, die familienzerstörenden Schichten, verbale und körperliche Angriffe durch Leute usw.: Warum wird fast immer in den dunklen Monaten gestreikt? Ich muss als Frau durch Gebiete laufen, in denen ich mich im Dunklen unsicher fühle (und das ist schon die sicherste Strecke!) und finde das eine Zumutung“, schreibt eine Userin.
- Die Kölner und Kölnerinnen haben sich offenbar bestens auf den Streik eingestellt und Alternativen gefunden. Doch Verständnis zeigen nicht alle.
- Während im kommunalen Nahverkehr gestreikt wird, gibt es gute Kunde von der Deutschen Bahn. Hier konnte ein Streik abgewendet werden. Der bundeseigene Konzern und die Lokführergewerkschaft GDL haben sich in der Nacht auf Freitag auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Mögliche Warnstreiks der GDL sind damit vom Tisch.
- Trotz des Streiks ist die Verkehrslage auf den Straßen am Freitagmorgen relativ entspannt. Es gibt keine größeren streikbedingten Staus auf den Autobahnen (Stand 8. 02 Uhr).
Wie kommt ihr durch den Streik? Seid ihr betroffen? Meldet euch bei uns! Fotos, Videos und Infos jetzt hier schnell und einfach hochladen.
Hau raus!
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Streik hat Auswirkungen auf Spiel der Kölner Haie und Fußball-Bundesliga
Mögliche Warnstreiks der GDL sind damit vom Tisch. Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat mit der Bahn noch einen Tarifvertrag bis Ende 2027 und kann daher ebenfalls in den nächsten Monaten nicht zu Arbeitskämpfen aufrufen.

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Auch in den Kundencentern der KVB wird gestreikt. Plakate an den Türen informieren darüber.
- Auch die Eishockey-Bundesliga ist betroffen. Die Kölner Haie spielen am Freitagabend in der Lanxess Arena gegen den ERC Ingolstadt (19.30 Uhr, Einlass 18 Uhr). Die Arena liegt zum Glück in fußläufiger Nähe des Bahnhofs- anders etwa als das Stadion des Fußball-Drittligisten Viktoria Köln, der am Samstag (14 Uhr) auf den VfB Stuttgart II trifft.
- Ein weiteres Großereignis findet am Samstag (28. Februar) in der Kölner Lanxess Arena statt. Dort gastiert ab 20 Uhr Jason Derulo.
- Betroffen ist auch die Partie des 1. FC Köln in Augsburg am Freitagabend, denn auch die Augsburger Stadtwerke folgen dem Streik-aufruf von Verdi. Die Straßenbahnlinie zum Stadion fährt nicht. Die Kölner Anhänger, die mit dem Zug nach Augsburg reisen, müssen sich auf einen sechs Kilometer langen Fußmarsch einstellen - oder auf ein Taxi hoffen.
- Der zweitägige Streik hat auch Auswirkungen auf die Fußball-Bundesliga: Rund um das Bundesliga-Topspiel zwischen Borussia Dortmund und FC Bayern München droht am Samstag ein Verkehrschaos. Der Fußball-Bundesligist ruft die Fans daher zu einer frühzeitigen Anreise zu der Partie am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) auf - wenn möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Wer dennoch mit dem Auto anreist, sollte nach Angaben des Clubs auf Parkhäuser in der Innenstadt oder weiter entfernte Stellflächen, etwa an der TU Dortmund, ausweichen. Zwar sind Regional- und S-Bahnen vom Streik nicht betroffen, der BVB empfiehlt aus „Sicherheitsgründen“ bei einer Anreise über den Dortmunder Hauptbahnhof nicht bis zu den stadionnahen Haltestellen zu fahren, sondern die rund 40 Minuten zu Fuß zurückzulegen.
- Fast ganz NRW ist von den Streikmaßnahmen betroffen, darunter sind die Städte Bonn, Köln, Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Gelsenkirchen, Dortmund, Hagen und Bielefeld. Nicht betroffen sind Aachen und Wuppertal.
- Um Regionalzüge und S-Bahnen geht es nicht, sie fahren ganz normal.
- Freitag, 27. Februar: Der Warnstreik in Nordrhein-Westfalens Nahverkehr hat begonnen. Die Arbeitskampfmaßnahmen seien wie geplant angelaufen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi am frühen Freitagmorgen. Der Ausstand soll bis in die Nacht zu Sonntag andauern.
Hier gibt es die aktuellen Infos der KVB zum Streik und zur Fahrplanauskunft zu Fahrten durch Subunternehmer.
Wieder Mega-Streik: Auch Linien 16 und 18 betroffen
- Die KVB machen klar, dass somit ab Freitag, 3 Uhr, keine Stadtbahn-Fahrten stattfinden und nur die durch Subunternehmen durchgeführten Busfahrten erfolgen können. Diese Fahrten werden den Fahrgästen so bald wie mögliche in der elektronischen Fahrplanauskunft angezeigt und zudem als Fahrplan-Tabelle auf der KVB-Website veröffentlicht.
- Der Betrieb der KVB werde erst zum Beginn des Betriebstages am Sonntag, 1. März, wiederaufgenommen, heißt es am Dienstag (24. Februar).
- Auch auf den Linie 16 und 18, die gemeinsam mit den Stadtwerken Bonn (SWB) betrieben werden, findet kein Verkehr statt. Die Kundencenter und die Verkaufsstelle der KVB bleiben geschlossen. Erst am 2. Februar hatte ein Mega-Streik den öffentlichen Nahverkehr zum Erliegen gebracht.
- Die KVB weist weiter darauf hin, dass der Verkehr der Deutschen Bahn, der Mittelrheinbahn und anderer Eisenbahnverkehrsunternehmen nicht durch den Streik der Gewerkschaften betroffen sind.
Kunden der KVB können somit auch auf S-Bahnen, Regionalbahnen (RB) und Regionalexpressbahnen (RE) ausweichen. Innerhalb der räumlichen Geltungsbereiche im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) gelten die Tickets der KVB-Kunden auch in diesen Verkehrsmitteln.
- Als Alternative steht auch das KVB-Rad zur Verfügung. Die KVB weist zudem darauf hin, dass bei einem Streik die Mobilitätsgarantie des Unternehmens nicht gilt.
Im Mittelpunkt des Warnstreiks stehen Entlastungen für die Beschäftigten: Verdi fordert insbesondere die Reduzierung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich von 39 auf 37 Stunden, verlässliche Ruhezeiten zwischen den Schichten sowie höhere Zuschläge für Sonntagsarbeit.
„Die Beschäftigten im Nahverkehr leiden seit Jahren an zu hoher Belastung. Hohe Krankenstände sprechen da eine klare Sprache. Ohne eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen verschärft sich das weiter – mit direkten Folgen für Fahrgäste und das Angebot“, erklärt Frank Michael Munkler von ver.di Köln-Bonn-Leverkusen.
„Eine deutliche Entlastung der Kolleginnen und Kollegen muss her. Deshalb machen wir mit dem Streik deutlich, dass sich endlich etwas bewegen muss. Der Ball liegt in der Hälfte der Arbeitgeber. Sie müssen endlich ein verhandlungsfähiges Angebot für die kommende Verhandlungsrunde auf den Tisch bringen.“ (iri)

