Er trifft den Nerv Kein ZDF-Auftritt: Marc Metzger stellt Köln vor eine brisante Frage

Metzger_Maske

Büttenredner Marc Metzger präsentiert im Sommer 2020 seine Blötschkopp-Maske.

Köln – Der abgesagte Auftritt von „Blötschkopp“ Marc Metzger bei der ZDF-Fernsehsitzung wird heiß diskutiert. „Ich kann nicht fröhlich herumturnen und sagen, es ist Karneval“, ist ein Argument des Büttenredners vor dem Hintergrund der Corona-Krise. Marc Metzger trifft damit einen Nerv, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Jetzt bezieht er also in den sozialen Netzwerken Prügel, dieser Marc Metzger. Und warum? Weil er sagt, dass er vor Publikum seine Rolle nicht ausspielen kann. Aber auch, weil er einen Nerv trifft, über den auch das jecke Rheinland nachdenken sollte.

Köln: Marc Metzger trifft den Karnevals-Nerv

Zunächst: Die Figur des „Blötschkopp“ spielt mit dem Publikum. Ohne Publikum ist das schwierig. Deshalb kann man schon alleine an diesem Punkt die Entscheidung verstehen.

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Viel wichtiger ist aber die weitere Argumentation: „Für mich ist kein Karneval“, hat der Vollblut-Karnevalist für sich festgestellt. Er muss das riechen, fühlen, erleben. Volltreffer! Denn Metzger spricht öffentlich das aus, was es ist: Der Karneval 2021 fühlt sich nicht an.

Gardisten

Natürlich vermissen wir die Gardisten. (Hier die Bürgergarde blau-Gold mit Präsident Markus Wallpott (r.) und der Band Fiasko im Februar 2020)

Das tut weh, denn die Jahreszeit ist in Köln nun einmal besonders. Letztes Jahr wurden um diese Zeit Kostüme geschneidert. Gardisten trafen sich im Stadtreff auf ein Kölsch, es riecht in den Sälen nach Parfum, Mett und einem Hauch von Schweiß. Corona ist da, das Jeföhl dafür aber aktuell fott.

Man begeht keinen Verrat am Brauchtum, wenn man sagt: Marc Metzger hat recht – es ist kein Karneval. Denn der ist schon per Definition mit Bewegung und Berührung im Genmaterial des Rheinländers verankert.

Heumarkt 11.11.

Der 11.11.2020 auf dem Heumarkt: Auch wenn es weh tut, hat Köln schon einmal Courage beiwesen.

Was also tun? Marc Metzger hat für sich entschieden, auch aus Respekt vor den Toten der Pandemie, nicht aufzutreten. Das ist sein gutes Recht – wer das nicht akzeptiert, ist kein Karnevalist mit Toleranz und Respekt.

Und er hat gesagt: „Jeder muss das für sich selbst entscheiden.“ Genauso ist es: Es ist auch niemandem ein Vorwurf zu machen, der jetzt eine Bühne für virtuelle Formate betritt, sich mit Freunden am Computer trifft und sich mal so richtig ein Kölsch in den Kopf schüttet. Mit Wahrung der Corona-Regeln ist alles erlaubt. Aber eben auch nur mit diesen Regeln.

Köln: Es ist Session, aber kein Karneval

Es ist Session, aber kein Karneval. Trotzdem gilt es, jede kleine Aktion zu unterstützen, die das Brauchtum zum Leben braucht. Köln hat das am 11.11. wunderbar bewiesen. Genau mit den Eigenschaften, die den Kölner Karneval und übrigens die Figur des Blötschkopp so liebenswert machen: Jeföhl, Respekt, Toleranz und Humor.

Deshalb sind „Blötschköppe“, ganz im Gegensatz zu Alu-Hüten, ein Segen für den Kölner Karneval.

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