Liebe dein Brauchtum Theater Colonia – Kölner Legende spricht Klartext 

Die Stockpuppen Hänneschen (l) und Bärbelchen.

Brauchtum Poppespill: Kölns Ur-Figuren Hänneschen und Bärbelchen im Theater am Eisenmarkt.

Werden Sie mit EXPRESS zum Brauchtumsretter oder zur Braumtumsretterin! In einer neuen Serie stellen wir Ihnen das kölsche Brauchtum vor. Im sechsten Teil geht es ums Theater.

Köln. Unser Brauchtum. Heimat, Gemeinschaft, Identität. Doch durch Corona, Krisen und den schnellen Wandel der Gesellschaft schlafen viele Traditionen, die  uns Eltern und Großeltern „met Hätz und Siel“ vermittelten, langsam ein. Jetzt aber kommt der Weckruf: Liebe Dein Brauchtum! In der letzten Folge der großen Serie: Theater Colonia!

Liebe dein Brauchtum: Theater hat in Köln Tradition

Vorhang auf, Bühne frei. Auftritt von Dr. Philipp Hoffmann vom Verein der „Freunde und Förderer des Kölnischen Brauchtums“: „Kölsch ist Kultur! Hochkultur! Alleine 40.000 Menschen strömen jedes Jahr in die Kölner Oper, um das Divertissementchen zu erleben. Die Bühnenspielgemeinschaft im Kölner Männer-Gesang-Verein ‚Cäcilia Wolkenburg‘ gibt es seit 1874. ‚Divertissement‘ beschreibt Zedlers Universal-Lexikon von 1734 als ‚Erfrischung, Erlustigung, Kurzweil‘. Unser ur-kölsches Musiktheater begeistert jedes Jahr - ausnahmslos mit Laien und Männern!“

Die Kölner Sängerin und Schauspielerin Trude Herr in dramatischer Pose auf der Bühne.

Die unvergessene Trude Herr (1927-1991), eine Legende des kölschen Theaters.

Alles zum Thema Marie-Luise Nikuta

Und was sang schon die legendäre, verstorbene Motto-Queen Marie-Luise Nikuta vor 20 Jahren? „Janz Kölle es e Poppespill“. Und das besonders im traditionellen Stockpuppentheater am Eisenmarkt.

Dr. Hoffmann: „In Knollendorf ist das ganz anders – auch hinger d´r Britz! Im Hänneschen-Theater – die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1802 zurück – stehen die Frauen (Bärbelchen, Bestemo, Röschen) neben den Männern, allen voran Hänneschen, gleichberechtigt vor der Knollendorfer Kulisse. Und auch die Puppen werden seit jeher von beiden Geschlechtern gespielt. Wie beim Divertissementchen steht die Kölsche Sproch im Vordergrund. Nicht umsonst gedulden sich die Kölner stundenlang in langen Schlangen, um an die begehrten Karten für die Auftritte zu kommen. Vor der Leistung beider Ensembles kann man sich nur verneigen: ‚Herr P-P-Präsident, de Woosch!‘"

Liebe dein Brauchtum: „Der Etappenhase“

Weniger um die Wurst, mehr um einen falschen Hasen ging es vor knapp 70 Jahren bei einem historischen Datum der Kölner Theater-Geschichte: Am 27. Oktober 1953 wurde mit dem Stück „Der Etappenhase“ vom NWDR, dem Vorgänger von NDR und WDR, die erste Live-Übertragung eines Bühnenstücks im Fernsehen ausgestrahlt.

Szene aus DER ETAPPENHASE mit Karl-Heinz Hillebrand, Willy Millowitsch und Franz Schneider, v.l.

Szene aus „Der Etappenhase“ von 1969. Das Stück machte  Willy Millowitsch (Mitte) zum Kölner Denkmal. 

Der Schwank über drei Frontsoldaten im Ersten Weltkrieg, die  ihrem Oberst eine tote Katze als Hasenbraten auftischen, machte das Millowitsch-Theater, das es in dieser Form seit 1846 gab, schlagartig deutschlandweit bekannt.

Liebe dein Brauchtum: Millowitsch war schon vor 230 Jahren ein Begriff

Den Namen Millowitsch, der bereits 1792 - also vor rund 230 Jahren - erstmals als Puppenspieler Michael Millowitsch  in Köln Erwähnung fand, kannte nun das ganze Land. Willy wurde in Köln zur lebenden Legende - und sein Glanz brachte viele neue Stars hervor, die bei ihm ganz klein anfingen und groß wurden: Neben Tochter Mariele Millowitsch, die in Comedy- und Krimiserien („Nikola“, „Marie Brand“) spielt, natürlich auch Trude Herr, die 1948 und Lotti Krekel, die 1958 im Theater debütierte.

Der Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch mit dem Dom im Hintergrund.

Der legendäre Willy Millowitsch (1909-1999).

Samy Orfgen stand  auf den Millowitsch-Brettern, aber auch  Günter Lamprecht, der spätere Tatort-Kommissar oder Eddi Arent, der als Komiker mit Harald Juhnke Erfolge feierte, gingen an der Aachener  ein und aus. Und manchmal einfach auch hinüber, in das vis-à-vis gelegene „Theater im Bauturm“.

Liebe dein Brauchtum: Die Kölner Kultur- und Theaterszene ist groß

1983 von Schauspielern, Regisseuren und Dramaturgen gegründet, entwickelte sich das vielfach mit dem „Kölner Theaterpreis“ ausgezeichnete Haus zu einer festen Größe. Eine der bekanntesten Ex-Ensemble-Mitglieder ist Annette Frier, die dort jahrelang spielte und wiederum in der 1954 gegründeten Schauspielschule vom „Theater der Keller“ ausgebildet wurde, die  Heiner Lauterbach und Til Schweiger zu ihren Absolventen zählt.

Aber auch das 1959 eröffnete „Senftöpfchen“ in der Altstadt, lange unter der Regentschaft von Alexandra Kassen, wirbt mit ihren „Entdeckungen“ von Alfred Biolek über Hape Kerkeling bis hin zu Bernd Stelter und Harald Schmidt. Klar ist: Die Kölner Kultur- und Theaterszene, zusammen mit Oper und Schauspiel, ist groß und beeindruckend, allein die freie Szene umfasst 40 Häuser und 85 freie Gruppen.

Was das Besondere an Köln ist? „Die Theater- und Tanzszene hat ihre Zuschauer mit ihren innovativen Formaten im Blick. Die Szene ist nicht abgehoben, legt Wert auf Vermittelbarkeit, Vielfalt, Freundlichkeit und versucht möglichst viele Menschen zu erreichen und mit einzubeziehen und Köln über die Grenzen hinaus bekannt und attraktiv zu machen“, sagt Andrea Bleikamp, Vorstandsmitglied des Verein Darstellende Künste Köln.

Die Dozentin für Schauspiel/Regie des „Comedia Theater“ empfiehlt: „Das sinnliche, gemeinsame Erleben steht im Vordergrund. Unmittelbare Begegnung nach der wir uns alle so sehnen, gerade in Zeiten von Corona. Mit ihren ausgefeilten Hygienekonzepten sind Theater ein absolut sicherer Ort.“

Liebe dein Brauchtum – Theater-Legende Peter Millowitsch: „Köln war Druck, Druck, Druck“

Theater war sein Leben - im wahrsten Sinne des Wortes: Peter Millowitsch wuchs auf den Brettern an der Aachener Straße auf. September 1999 starb Vater Willy, März 2018 gab er die letzte Vorstellung und löste das Ensemble nach sieben Generationen aus wirtschaftlichen und Altersgründen auf.

Köln. Peter Willowitsch gibt den Theaterbetrieb auf. Pressekonferenz in der Volksbühne am Rudolfplatz, dem ehemaligen Millowitsch-Theater

Peter Millowitsch

Sie sind jetzt 72 Jahre alt – und dem Theater noch treu?

Peter Millowitsch: Ja, immer noch. Ich arbeite jetzt in Düsseldorf an der „Komödie“ in der Steinstraße und führe Regie bei Loriots Stück „Szenen einer Ehe“, da haben wir am 26.August Premiere. Und ab 7.Oktober spiele ich im Stück „Kein Auskommen mit dem Einkommen“ mit Andrea Spatzek, die man aus der Lindenstraße kennt. Ich war vom Theater nie weg und genieße es jetzt richtig.  

Jetzt in Düsseldorf klingen Sie sehr gelöst…

Peter Millowitsch: Das Schöne ist: Ich muss ja nicht mehr spielen. Als ich noch an der Aachener Straße in unserem Theater war, stand ich immer und überall unter Druck: In jedem Jahr zu einer bestimmten Zeit musste das Stück auf die Bühne. Der Druck, das Stück zu schreiben. Der Druck bei den Proben, der Druck vor der Premiere, der Druck, dass der Laden voll werden muss, damit das Theater überleben kann. Da war immer nur Druck, Druck, Druck. Theater spielen macht Spaß. Aber dieser Druck – der machte keinen Spaß. Theater haben wegen Corona eine schwere Zeit.

Warum sollte man mal wieder rein?

Peter Millowitsch: Die Atmosphäre ist eine völlig andere. Die Leute sind begeistert von dieser ganz besonderen Atmosphäre, die mit Kino oder Fernsehen gar nicht vergleichbar ist. Theater ist etwas Einzigartiges. Man muss es erleben.

So viel Spaß macht der neue EXPRESS-Brauchtums-Pass

Der Brauchtums-Pass steckt im nächsten gedruckten Sonntag-EXPRESS. In ihm findet jeder Inhaber 16 Aufgaben, Zeit dafür ist bis 22.Oktober. Wer elf Stück gelöst hat, wird zum Brauchtumsretter und Gast eines tollen Treffens. Alle Aufgaben und der Pass werden noch einmal im EXPRESS am 24. August veröffentlicht.

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