Die schwarz-rote Koalition hat reagiert: Angesichts steigender Energiepreise schnürt die Bundesregierung ein Hilfspaket. Doch wie sinnvoll ist diese Maßnahme? Nachfrage bei den Familienunternehmen in NRW.
Kriegen wir jetzt alle 1000 Euro?Familienunternehmen in Köln und NRW mit Klartext

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Blick auf die Kölner Schildergasse: Familienunternehmen kritisieren die neuen Maßnahmen der Bundesregierung scharf.

Es klingt verlockend: bis zu 1.000 Euro extra auf dem Konto – steuerfrei, ohne Abzüge. Die schwarz-rote Bundesregierung hat am Montag (13. April 2026) ein Entlastungspaket beschlossen, das Arbeitgebern ermöglicht, ihren Beschäftigten noch im Jahr 2026 eine Energieprämie in dieser Höhe zu zahlen. Der Gedanke dahinter: Die gestiegenen Energiepreise belasten die Menschen – so soll den Beschäftigten unkompliziert geholfen werden.
Der Haken bei der Prämie: Einen Rechtsanspruch gibt es nicht. Ob Beschäftigte den Bonus tatsächlich erhalten, liegt allein im Ermessen des Arbeitgebers. Und genau hier liegt das Problem – vor allem für den Mittelstand.
„Das ist für viele Unternehmen kaum zu stemmen“
Veit Ulbricht, Landesvorsitzender des Verbands Die Familienunternehmer in NRW, bringt es gegenüber EXPRESS.de auf den Punkt: „Was für Beschäftigte attraktiv klingt, ist für viele Unternehmen kaum zu stemmen: Die geplante 1.000-Euro-Prämie muss aus eigener Kraft finanziert werden und greift steuerlich nur bei Gewinnen. Nach Jahren ohne Wachstum und angesichts hoher Insolvenzzahlen in NRW hängt eine Auszahlung stark von der individuellen Unternehmenslage ab.“

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Veit Ulbricht ist seit Ende 2025 des Landesbereiches NRW der Familienunternehmer.
Problematisch wäre es laut Ulbricht zudem, wenn der Staat die Prämie für den öffentlichen Dienst aus Steuereinnahmen der Unternehmen finanziert: „Das würde diese doppelt belasten.“
Ulbricht weiß, wovon er spricht. Der Ur-Urenkel des Firmengründers führt seit 2017 gemeinsam mit seiner Mutter die Heinrich Moerschen GmbH in Tönisvorst – ein traditionsreiches Handels- und Serviceunternehmen für Landtechnik.
„Damit schiebt die Bundesregierung die Verantwortung erneut auf andere ab“
Ulbricht stellt die Maßnahme grundsätzlich in Frage. Die Ungleichbehandlung von Einzelunternehmern und Selbstständigen, die von der Prämie vollständig ausgeschlossen sind, sei für ihn ein Symptom eines tieferliegenden Problems, erklärt er: „Diese Ungleichbehandlung zeigt noch einmal, dass die Prämie kein gutes Werkzeug zur Entlastung ist. Mit der Einmalzahlung schiebt die Bundesregierung die Verantwortung erneut auf andere ab und beweist die fehlende Kompromissfähigkeit untereinander.“
In der öffentlichen Debatte müsse es endlich um die anstehenden grundlegenden Reformen gehen, „und nicht, ob der Arbeitgeber die Einmalzahlung leisten kann oder nicht“, so Ulbricht.
Auch Rentner, Studierende und Arbeitslose profitieren nicht von der Prämie – ein Umstand, der die sozialpolitische Reichweite des Pakets erheblich einschränkt.
„Nachhaltiger wären wettbewerbsfähige Energiepreise“
Was fordern die Familienunternehmer stattdessen? Für Ulbrich ist klar: keine Einzelmaßnahmen, sondern ein strukturelles Umdenken. „Nachhaltiger wären wettbewerbsfähige Energiepreise sowie Entlastungen bei Steuern und Sozialabgaben. Das würde Unternehmen wie Beschäftigten gleichermaßen helfen – und die Krisenfestigkeit stärken.“
Konkret erwarten die Familienunternehmer ein „wachstumsorientiertes Gesamtkonzept“, heißt: dauerhaft wettbewerbsfähige Energiepreise, Entlastungen bei Steuern und Abgaben sowie Planungssicherheit. „Ohne Kurskorrektur drohen Investitionen und Arbeitsplätze abzuwandern“, warnt Ulbricht.
Wenn das Instrument schon genutzt werden solle, dann zumindest mit mehr Zeit, schlägt Ulbricht vor. Er fordert eine Verlängerung bis Ende 2027, um den Betrieben überhaupt eine realistische Chance zu geben, die Zahlung zu stemmen.
Als weitere zentrale Maßnahme neben der 1000-Euro-Prämie senkt die Bundesregierung die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um jeweils rund 17 Cent brutto pro Liter – befristet auf zwei Monate. Autofahrerinnen und Autofahrer sollen so spürbar entlastet werden. Gegenfinanziert wird das Paket unter anderem durch eine Erhöhung der Tabaksteuer, die bereits 2026 greift. Finanzminister Lars Klingbeil stellte zudem eine Reform der Einkommensteuer für untere und mittlere Einkommen für das kommende Jahr in Aussicht.
