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Kommentar zur Randale in KölnGewalt als Spektakel – und die Zeit drängt

Polizeibeamte haben Teile der Hohe Straße in Köln abgesperrt und kontrollieren die anwesenden Personen der Reihe nach, nachdem es zu Böllerwürfen gekommen war.

Copyright: Christoph Reichwein/dpa

Auf der Hohe Straße standen sich in der Halloween-Nacht zahlreiche protestierende Menschen und Polizeikräfte gegenüber.

Aktualisiert:

Der Krawall in der Nacht hatte mit der „Gen Z“-Demonstration vom Tag nichts zu tun. Ein Kommentar.

Es war ein bemerkenswerter Tag für Köln: Am Rheinufer kamen am Samstag (31. Oktober 2026) Tausende junge Menschen zusammen, um für ihre Forderungen einzutreten. Es ging um marode Schulen, steigende Mieten, Sozialkürzungen. Eine Generation, der man gerne Politikverdrossenheit nachsagt, hat sich eindrucksvoll zu Wort gemeldet.

Es war aber auch eine bemerkenswerte Nacht: Junge Menschen, die sich Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Verletzte Einsatzkräfte. Zerschlagene Scheiben, eine abgesperrte Domplatte – ausgerechnet also der Ort, den die Stadt seit einem Jahrzehnt mit so viel Aufwand sicherer zu machen versucht.

Keine homogene „Gen Z“

Hier die Trennschärfe zu verlieren und all diese Ereignisse einer vermeintlich homogenen „Gen Z“ zuzuschreiben, hieße, jenen Unrecht zu tun, die in einer für sie immer unsicheren Welt friedlich versuchen, einen Weg in die Zukunft freizuschlagen. Tatsächlich waren an diesem Samstag drei sehr unterschiedliche Bewegungen ausschlaggebend. Erstens: die große Mehrzahl friedlicher Schüler und Studenten, die am Rheinufer demonstrierten.

Zweitens: einige Hundert Linksradikale, die geplant das Momentum für sich nutzten, um aus der Demonstration heraus für Krawall zu sorgen. Wer mit Waffen zu einer Demo kommt, dem geht es von vornherein nicht um die Sache, sondern um Konfrontation.

Und drittens: von den Demonstranten unabhängig ein paar weitere Hundert Jugendliche und junge Erwachsene, die man in einer normalen Nacht in einer Ringe-Disco angetroffen hätte. Sie nutzten die Energie der Protestbewegung und der Halloween-Nacht, um mit den Regeln der Gesellschaft zu brechen: Gewalt als Erlebnis. Den Randalierern wird es egal sein, aber die jungen Menschen, die mit Schildern am Rhein standen, setzen sich auch für ihre Zukunft ein.

Für die Krawalle in der Halloween-Nacht trägt „Gen Z regelt“ keine Verantwortung, für die Gewaltbereiten in den eigenen Zügen zumindest in Teilen. Wer zu Massenprotesten aufruft, muss dafür sorgen, dass Vermummte und Bewaffnete darin keinen Platz finden – und sich noch deutlicher von ihnen distanzieren.

Köln muss nach diesem besonderen Halloween-Wochenende eigens bilanzieren: Wie konnte die Lage in der Innenstadt trotz massiver Polizeipräsenz so eskalieren? War der Einsatz im Rahmen der Demonstration verhältnismäßig? Was bedeuten die Ereignisse für die nächste Großdemo?

Die Zeit drängt: In zehn Tagen ist der 11.11., dann sind wieder Zehntausende in der Altstadt und auf der Zülpicher Straße unterwegs. Darunter werden erneut manche sein, die am Samstag gesehen haben, wie schnell sich aus einer Partynacht ein Spektakel mit Gewalt machen lässt.