Die Großdemo am Samstag in der Kölner Innenstadt: Immer mehr Läden riegeln ab, zudem gibt es Reaktionen aus der Gastro-Szene.
Angst vor GroßdemoKölns Kneipen reagieren – City-Läden schotten sich ab

Copyright: Alexander Schwaiger
Verschiedene Geschäfte in der City sichern am Freitag (30. Oktober) ihre Schaufenster wegen der Gen-Z-Demo.

Aktualisiert:
Köln rüstet sich für Samstag (31. Oktober): Tausende werden bei der „Gen Z regelt“-Demo erwartet.
Mehrere Geschäfte in der Kölner Innenstadt werden am Samstag gar nicht erst öffnen. Aus Sorge vor Krawallen haben Händler dort Eingänge und Schaufenster mit Holzplatten verrammelt. Derweil reagiert die Kölner Gastro-Szene höchst unterschiedlich – von kompletter Absage bis zum trotzigen „Wir haben immer geöffnet“.
Gastro sagt Veranstaltung ab – Einzelhandel verrammelt Geschäfte
Das Rathausglöckchen hat seine Halloween-Veranstaltung für Samstag komplett abgesagt. „Hintergrund dieser Entscheidung ist die mögliche Durchführung von Protestdemonstrationen im näheren Umfeld und die damit verbundene, derzeit nicht abschließend einschätzbare Sicherheitslage“, teilt die Kneipe mit. Man habe sich „nach sorgfältiger Abwägung dazu entschlossen, die Veranstaltung vorsorglich abzusagen“ – aus Sorge um Gäste und Mitarbeitende. Zugleich betont das Rathausglöckchen: „Wir respektieren selbstverständlich das Recht auf friedlichen Protest und bedauern, dass die aktuelle Situation diese Entscheidung erforderlich macht.“
Auch die Stadthalle Köln-Mülheim trifft Vorkehrungen – allerdings ohne abzusagen. „Wir schützen die Stadthalle am Samstag mit Security, weil das ganze Gebäude einfach enorm viel Glas hat.“ Dort findet am Samstag eine Veranstaltung für Kinder statt. Der Appell an die Demonstrierenden: „Bleibt bitte friedlich.“
Die Nervosität macht auch vor der Schildergasse nicht halt. Eigentümer warnen dort inzwischen ihre Mieter per Schreiben. In einem EXPRESS.de vorliegenden Dokument heißt es: „Sofern Sie Räume im Erdgeschoss gemietet haben, steht es Ihnen selbstverständlich frei, weitere Sicherungsmaßnahmen zu ergreifen. Sollten Sie zudem eigene Mülltonnen haben, so sind diese am Samstag ausdrücklich nicht vor dem Gebäude aufzustellen.“
Die Sorge vor möglichem Vandalismus ist in der Innenstadt bereits sichtbar: Juwelier Wempe hatte schon am Donnerstag (29. Oktober) seine Schaufenster an der Hohe Straße mit Platten gesichert. Die Starbucks-Filiale in der Gürzenichstraße ist zudem vernagelt. Geschlossen ist die Filiale am Samstag jedoch nicht. Douglas schließt deutschlandweit zwölf Filialen – darunter laut EXPRESS.de-Informationen auch jene auf der Schildergasse.

Copyright: Alexander Schwaiger
Luxusuhren und Schmuck – die BVLGARI-Filiale am Wallrafplatz wird gesichert.
Auch bei dem Bekleidungsgeschäft Uniqlo und der Dessous-Kette Hunkemöller auf der Schildergasse wurden bereits die Fenster verrammelt. Auf der Ehrenstraße hat das Modegeschäft Replay Fenster und Türen gesichert. Ähnliches Bild bei dem Luxusuhrengeschäft Cologne Watch auf der Benesisstraße oder bei BVLGARI am Wallrafplatz. Auch dort wurden Sicherheitsplatten montiert.
Wie viele Geschäfte genau geschlossen bleiben, kann Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands NRW Aachen-Düren-Köln, nicht sagen. Er hoffe weiter auf friedliche Demonstrationen und keine Plündereien.
„Ich habe ein gutes Gefühl bei der Kölner Polizei, dass sie sehr genau hinschaut, wer da kommt und demonstriert“, so Hamel. Der Austausch zwischen der Polizei und dem Handel in Köln sei sehr gut – auch im Vergleich zu manchen anderen Städten. „Vor dem AfD-Kreisparteitag in Köln gab es deutlich mehr Schutzmaßnahmen und intensivere Diskussionen.“ Was die Angst schüre, sei das, was in Frankreich passiert sei. „Wir hatten hier in Köln schon riesige Demos mit jungen Menschen. Die waren friedlich, und im Anschluss haben sie dann bei uns eingekauft.“
Reissdorf am Hahnentor: „Kommt rum, trinkt reichlich Kölsch“
Ganz anders der Ton bei Reissdorf am Hahnentor: „Jetzt erreicht uns der dritte Anruf diese Woche, ob wir denn am Samstag trotz Demo geöffnet haben? Selbstverständlich!“ Die Kneipe am Rudolfplatz schließt nur an Weihnachten, Silvester und Karnevalsdienstag – daran ändere auch die Demo nichts. „Lasst junge Menschen (friedlich) demonstrieren, ansonsten verlassen wir uns auf unser fantastisches Team, unsere tollen Gäste und unsere Freunde & Helfer, die eh immer in großer Zahl auf dem Rudolfplatz stehen.“ Der Aufruf an die Gäste: „Kommt rum, trinkt reichlich Kölsch und wenn auch nur irgendein Otto mit komischen Absichten in die Nähe kommt, hält man he zesamme.“
Der Gertrudenhof am Neumarkt setzt auf Dialog statt Abschottung: In einem Aushang ruft die Kneipe „Für ein friedliches Miteinander“ auf. Man hoffe auf eine Demonstration „ohne Ausschreitungen, Gewalt oder Sachbeschädigungen“, schreibt der Betrieb. Wichtig sei der Hinweis: „Die Unternehmen vor Ort sind nicht verantwortlich für die politischen Entscheidungen oder Missstände, gegen die demonstriert wird. Sie sind Arbeitgeber, sichern Existenzen und leben von ihren Gästen und Kunden.“ Demonstrationsfreiheit sei ein wichtiges Recht – genauso wichtig seien aber „gegenseitiger Respekt, Rücksichtnahme und der Schutz unbeteiligter Menschen und Betriebe“.
Kölner Polizei richtet Bürgertelefon ein
Dass die Sorge nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt auch die Polizei Köln selbst. Sie kündigt ein Großaufgebot für Samstag an: „Wir haben auch Hinweise darauf, dass einzelne Gruppen diese Versammlung für Straftaten missbrauchen wollen. Das werden wir nicht zulassen“, heißt es in einem Statement der Polizei auf Instagram. Für verunsicherte Kölnerinnen und Kölner gibt es ein Bürgertelefon: 0221 229-7777.
Die Demo selbst wurde kurzfristig verlegt: Statt auf dem zu kleinen Heumarkt findet die Kundgebung nun ab 14 Uhr am Konrad-Adenauer-Ufer statt – Grund ist die Korrektur der erwarteten Teilnehmer von 5000 auf 15.000.
