Nach 35 Jahren muss das berühmte Flügelauto vom Zeughaus-Turm weichen. Der Grund ist kurios: Der Turm ist baufällig.
Kölns Wahrzeichen fliegt davonDas Flügelauto verlässt seinen Turm

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Das Flügelauto auf dem Dach des Zeughauses.
Ein Stück Kölner Himmel geht verloren! Der berühmte „Goldene Vogel“ wird nach über drei Jahrzehnten vom Zeughaus-Turm entfernt. Für den Künstler HA Schult ist dies jedoch kein Grund zur Trauer, sondern ein Zeichen des Aufbruchs.
Am kommenden Donnerstag um etwa 22 Uhr ist der große Moment gekommen. Ein Kran wird das ikonische Flügelauto, einen Ford Fiesta aus dem Jahr 1989 ohne Innenleben, vom historischen Turm des Zeughauses heben. Für viele Menschen in Köln wird dies ein sehr emotionaler Augenblick sein.
Kunstwerk top, Turm ein Flop
Der Hintergrund dieser spektakulären Maßnahme ist ernüchternd: Das Bauwerk selbst ist baufällig. Ein Stadtkonservator hatte bei einer Untersuchung festgestellt, dass die Statik durch Schäden am Gemäuer beeinträchtigt sein könnte. Daraufhin verfügte die Stadt die Demontage. Der Künstler HA Schult (87) hatte noch im September 2025 versucht, den Vorgang mit einer einstweiligen Verfügung vor dem Landgericht Köln zu unterbinden – jedoch ohne Erfolg.
Die Richter konnten seiner Argumentation nicht zustimmen, dass die eigentliche künstlerische Leistung in der Positionierung des Wagens auf dem Treppenturm des Zeughauses liege.
„Die Situation ist schon kurios. Das Flügelauto ist stabil. Aber der Turm darunter bröckelt“, erklärt Schult und betrachtet die Aktion als Sinnbild für den Zustand der Metropole und ihrer Wirtschaft. „Was ist denn passiert in all den Jahren mit den Gebäuden dieser Stadt? Mit der Oper? Mit dem Theater? Mit dem Stadtmuseum? Mit der Kultur? All diese Fragen sind jetzt plötzlich neu in den Mittelpunkt gestellt.“
Für den „Goldenen Vogel“ steht nun die dritte Reise zu den Ford-Werken an, nach den Aufenthalten in den Jahren 2005 und 2012. Dort soll das Kunstobjekt einer kompletten Restaurierung unterzogen werden. Anschließend wird es einen neuen, prominenten Standort auf dem Maritim-Hotel an der Deutzer Brücke beziehen.

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Bei der Arbeit: Ford-Mitarbeiter restaurieren Ende Januar 2013 den „Goldenen Vogel“ zum zweiten Mal.
Von der glanzvollen Epoche, als der Fiesta ein Verkaufshit war und in Niehl täglich bis zu 1900 Fahrzeuge gefertigt wurden, ist allerdings nicht mehr viel geblieben.

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Der kleine Turm an der nordöstlichen Ecke des Maritim-Hotels, unmittelbar neben der Deutzer Brücke. Hier soll im Frühjahr 2027 das Flügelauto landen.
Das Kunstwerk „Goldener Vogel“ wurde im April 1989 im Zuge der Kunstaktion „Fetisch Auto“ geschaffen, die von HA Schult unter Mitwirkung von Elke Koska gestaltet wurde. Die Kölner Ford-Werke unterstützten dieses Projekt zum 60. Jahrestag der Werkseröffnung. Im Rahmen der Aktion wurden elf fabrikneue Ford Fiesta an diversen Standorten in Köln künstlerisch gestaltet und präsentiert. Der „Goldene Vogel“ war anfangs für eine kurze Dauer auf dem Turm des Stapelhauses in der Frankenwerft platziert, ehe er im April 1991 seinen neuen Standort auf dem Zeughaus fand.
„Habe fünf oder sechs Vorstandsvorsitzende überlebt“
Im Jahr 2026 sei das Automobil schon lange kein Fetischobjekt mehr. „Das vergangene Jahrhundert hat dem Auto gehört. Damals waren wir alle Autos“, meint Schult. „Am Beispiel dieser Skulptur kann man aber auch nachvollziehen, was sich bei Ford in Köln in diesen 35 Jahren verändert hat. Ich habe dort fünf oder sechs Vorstandsvorsitzende und ganze Abteilungen überlebt.“
Obwohl Ford derzeit wirtschaftliche Probleme hat, sei der Automobilhersteller für jeden der 8000 Angestellten von immenser Wichtigkeit. „Sie haben sich über Jahrzehnte mit Ford identifiziert. Das Flügelauto hängt als Foto bei allen Vorständen in Detroit. Es ist ein Poster, das sich in Amerika sehr gut verkauft. Weil es auch für Köln wirbt“, betont Schult.
Dass der „Goldene Vogel“ in der Stadt verbleibt, sei auch ein Neuanfang für Ford, dessen Elektrofahrzeuge allmählich an Beliebtheit gewinnen. „Ich erinnere mich noch an 2015. Damals hat mir der ehemalige Vorstandschef Bernhard Mattes ins Gesicht geschrien, Ford werde niemals elektrisch werden. Man hat mich seinerzeit von Ford vertrieben. Und was habe ich gemacht? Ich bin zu Toyota gegangen und mit einem Hybrid von Paris nach Peking gefahren.“
Doch dies seien überholte Geschichten, der Streit sei beigelegt. „Nun kehre ich als Freund zurück. Alle, die heute bei Ford arbeiten, wollen, dass das Flügelauto erhalten bleibt. Auch, um sich an die glücklichen Zeiten zu erinnern, als Konrad Adenauer und Ford sich den Handschlag gegeben haben.“ Die Verbindung zwischen Ford und Köln sei über ein Jahrhundert lang eine unzertrennliche Symbiose gewesen.
Landung am neuen Standort für 2027 vorgesehen
Wie lange das geflügelte Auto in den Ford-Werken bleiben muss, steht noch nicht fest. Es wird angenommen, dass es im ersten Quartal 2027 auf dem Maritim-Hotel positioniert werden könnte. „Wir werden es erst mal in Augenschein nehmen. Vielleicht müssen wir es völlig neu aufbauen. Vielleicht eine neue Karosserie nehmen. Das entscheiden wir alles vor Ort“, so Schult.
Insbesondere der Betriebsratsvorsitzende Benjamin Gruschka habe sich stark dafür eingesetzt, dass Ford sich beteiligt. „Die Ford-Leute in den USA haben Köln ja momentan leider ein bisschen zu den Akten gelegt. Sie wissen aber, wenn sie das Flügelauto fallen lassen, stehen sie in der ganzen Welt als Idioten da. Deshalb kümmert sich der für Europa verantwortliche Chefdesigner jetzt persönlich darum.“
Ein Kunstwerk mit vier Tonnen Gewicht
Im leeren Motorraum des Fiestas sind etwa 1,2 Tonnen Eisenbahnschienen verbaut. Die beiden Flügel, hergestellt aus glasfaserverstärktem Polyesterharz, wiegen jeweils circa 800 Kilogramm. Das gesamte Objekt hat eine Länge von ungefähr 6,20 Metern, eine Breite von zehn Metern, eine Höhe von 3,50 Metern und ein Gesamtgewicht von rund vier Tonnen.
Der Eigentümer des Objekts ist der Förderverein „Freunde des Kölnischen Stadtmuseums e. V.“, der es dem Kölnischen Stadtmuseum bisher als Dauerleihgabe überlassen hatte. Das Museum reicht das Kunstwerk nun an den Besitzer des Hotelgebäudes, die Art-Invest Real Estate, weiter.
„Wir freuen uns sehr über diese Lösung“, äußert sich Museumsdirektor Matthias Hamann. „Damit bleibt ein für unsere Stadt und seine jüngere Geschichte wichtiges und symbolhaftes Objekt auch weiterhin und weithin sichtbar.“
Das Museum behält die Verantwortung für das Objekt an sich, während das Maritim Hotel und Art-Invest Real Estate für die statische Sicherheit sorgen. Konrad Adenauer, der Vorsitzende der Freunde des Kölnischen Stadtmuseums, zeigt sich ebenfalls erfreut: „Als Freundeskreis ist es uns ein Anliegen, dass das Flügelauto öffentlich sichtbar bleibt. Dies ist nun mit vereinten Kräften gelungen.“ (red)
