Der chinesische Automarkt bricht dramatisch ein. Das setzt deutsche Hersteller wie VW & Co. massiv unter Druck.
Plötzlich kauft keiner mehrChinas Automarkt bricht ein – mit Folgen für VW, BMW und Co.

Copyright: Mark Schiefelbein/AP/dpa
China gilt als der weltgrößte Automarkt. (Symbolbild)
Während Chinas Autobauer die Weltmärkte erobern, spielt sich zu Hause ein Drama ab. Die Verkaufszahlen brechen ein – und das spüren auch deutsche Riesen wie VW empfindlich.
Die Export-Offensive chinesischer Autohersteller sorgt in Europa für Kopfzerbrechen, doch auf dem heimischen Markt offenbart sich eine alarmierende Entwicklung: Die Menschen in China halten sich beim Autokauf stark zurück. Laut dem chinesischen Verband für Personenkraftwagen (CPCA) wurden im Mai nur noch etwa 1,5 Millionen Einheiten abgesetzt – ein satter Einbruch von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Zwischen Januar und Mai gingen die Verkäufe sogar um fast 20 Prozent zurück.
Lange Zeit galt China als der Wachstumsmarkt schlechthin, eine Annahme, die auch auf der stetig wachsenden und kaufkräftigen Mittelschicht basierte. Die jetzige Situation stellt jedoch alles bisher Dagewesene in den Schatten.
Warum die Zahlen plötzlich einbrechen
„Die Gründe sind klar“, äußert sich CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu. Seiner Ansicht nach sind es vor allem der Wegfall staatlicher Kaufanreize, die hohen Spritpreise seit dem Iran-Krieg und die gedämpfte Kaufkraft vieler Bürger, die den Markt belasten.
Zuerst traf es die E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride, die in China als „Neue Energieautos“ (NEV) gelten. Seit Anfang des Jahres litten sie unter den reduzierten Förderungen. Mit den steigenden Kraftstoffkosten gerieten anschließend auch die klassischen Verbrenner unter Druck. Allein im Mai stürzte ihr Absatz um 39 Prozent ab, während NEVs nur noch einen leichten Rückgang verzeichneten und ihr Marktanteil auf über 60 Prozent anwuchs.
Deutsche Expertin: „Chinesische Kunden sind extrem preissensitiv“
„Chinesische Kunden sind extrem preissensitiv und reagieren auf solche Änderungen sehr stark“, erläutert die deutsche Branchenkennerin Beatrix Keim. Viele hätten ihre Fahrzeugkäufe vorgezogen, da das Ende der E-Auto-Förderung bereits seit Oktober bekannt war. Parallel dazu haben Hersteller und Händler zusätzlich Fahrzeuge auf den Markt gebracht.
Dazu kommt eine miese Konsumstimmung. Die fortwährende Immobilienkrise in China zehrt an Vermögen und Zuversicht. Laut Keim haben viele Menschen Schwierigkeiten mit der Tilgung von Immobilienkrediten. Ein neues Fahrzeug ist daher eine Anschaffung, die für zahlreiche Haushalte problemlos aufgeschoben werden kann.
Alarm bei VW: „Können uns dem Trend nicht entziehen“
Für die deutschen Autobauer, die in China traditionell enorme Umsätze generieren, sind dies beunruhigende Nachrichten. „Der chinesische Automobilmarkt steht unter zunehmendem Druck“, ließ der Volkswagen-Konzern aus Peking verlauten. Die Wolfsburger erwarten keine Erholung des Marktes und prognostizieren, dass der gesamte Neuwagenmarkt in diesem Jahr auf unter 21 Millionen Stück sinken wird.
„Die Volkswagen Group China kann sich diesem Trend nicht entziehen. Wir passen unsere Pläne entsprechend an“, wurde weiter mitgeteilt. Dennoch betrachtet sich VW mit seiner neuen Ausrichtung und der Produktoffensive bei E-Autos als „gut aufgestellt“. Neben VW haben auch Mercedes-Benz und BMW lange Zeit stark vom Geschäft mit Verbrennern in China profitiert. Im Bereich der E-Autos sind die chinesischen Konkurrenten jedoch oft flotter, preiswerter und näher an den Vorstellungen der Kundschaft.
Chinas Ausweg: Der Druck wird einfach exportiert
Allerdings stehen auch die chinesischen Produzenten unter Druck. Der heimische Markt zeigt Schwäche, der Preiskampf ist gnadenlos und viele Firmen haben zu hohe Kapazitäten geschaffen. Ein entscheidendes Ventil ist daher der Export. Allein im Mai schnellten die Pkw-Ausfuhren laut CPCA um rund 75 Prozent nach oben. Die Anspannung wird somit schlicht ins Ausland verschoben.
Das erklärt vielleicht auch die Gelassenheit mancher Marken. Nio – in Deutschland bisher eher für schwache Verkäufe bekannt – lieferte von Januar bis Mai weltweit und in China 150.526 Fahrzeuge aus. Ein Plus von 68,7 Prozent! „Für Nio stehen langfristige Trends im Vordergrund und nicht kurzfristige Marktschwankungen“, so der E-Autobauer. Andere Branchengrößen wie Geely und BYD ließen Anfragen unbeantwortet.
Beim Blick in die Zukunft sind sich die Fachleute uneins. Beatrix Keim glaubt, das schnelle Wachstum der letzten Jahre sei vor allem eine Folge der staatlichen Förderung gewesen und werde sich nun abschwächen. Cui Dongshu vom CPCA hält den Einbruch hingegen nicht für einen dauerhaften Trend. Die Autodichte in China sei noch immer viel niedriger als in Deutschland, der Markt also nicht gesättigt. Das Problem sei vor allem, dass sich viele Menschen gerade kein Auto leisten könnten. (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
