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„Horror trotz 55.000 Euro Gehalt“IT-Mitarbeiter verzweifelt völlig in Köln

Blick auf Wohn- und Geschäftshäuser in Köln-Ehrenfeld. Die Wohnungssuche wird für viele in der Stadt zu einem Albtraum.

Copyright: IMAGO/CHROMORANGE

Blick auf Wohn- und Geschäftshäuser in Köln-Ehrenfeld. Die Wohnungssuche wird für viele in der Stadt zu einem Albtraum.

Aktualisiert:

Trotz 55.000 Euro brutto verzweifelt ein IT-Mitarbeiter an der Wohnungssuche in Köln. Er klagt sein Leid – und ruft damit viel Zustimmung hervor. Und auch viel Frust. 

55.000 Euro brutto, unbefristeter Job in der IT, keine Haustiere – und trotzdem gefühlt „komplett chancenlos“: Ein Reddit-User beschreibt in einem Beitrag, wie zäh seine Wohnungssuche in Köln läuft.

Was folgt, ist ein vielstimmiges Lagebild aus dem Alltag eines Wohnungsmarkts in Köln, der für viele längst zur Belastungsprobe geworden ist.

Vollzeitjob – aber kaum Besichtigungen

Der User schreibt, er suche „nichts Luxusmäßiges“, sondern eine normale Zwei-Zimmer-Wohnung mit Platz fürs Homeoffice. Er arbeite Vollzeit in der IT, verdiene nach eigenen Angaben rund 55.000 Euro brutto im Jahr und habe eine unbefristete Stelle. Aktuell wohne er in einem sehr kleinen WG-Zimmer und müsse „dringend raus“.

Trotz ImmoScout-Premium und Wohnungsgesuch bei der GAG habe er nach über einem Monat Suche erst zwei Besichtigungen bekommen. Viele Wohnungen seien sofort weg, Rückmeldungen blieben aus.

Dazu komme das Preisniveau: In seinem Umfeld lägen Angebote etwa bei 1200 Euro warm für ca. 57 Quadratmeter inklusive Balkon – eine Dachgeschosswohnung, „nicht so geil geschnitten“. Andere Angebote gingen in eine ähnliche Richtung. Er betont: „Ich verdiene nicht schlecht, aber selbst für mich ist das gefühlt sehr viel.“ Eine Partnerin, um die Kosten zu teilen, habe er nicht.

Auch das Thema Diskriminierung spricht er an: Sein „ausländischer Nachname“ mache es „wahrscheinlich noch härter“.

„Ein Jahr Suche ist absolut Standard"

In den Kommentaren bestätigen viele das Gefühl: Köln sei extrem – selbst mit stabilem Gehalt. Ein User schreibt: „Es gibt weniger als ein Prozent Leerstand in Köln – du wirst eher im Umland mit guter ÖPNV-Anbindung Erfolg haben. Ein Jahr Suche ist absolut Standard. Es gibt schlicht nicht genügend Wohnraum.“ Tatsächlich verzeichnet Köln eine sehr geringe Wohnungsleerstandsquote, was die Wohnungsnot verschärft.

Ein anderer formuliert es drastisch so: „Es ist einfach ein Albtraum in Köln, eine Wohnung zu suchen, wenn man in die üblichen Veedel will, ohne eine Niere und seinen Erstgeborenen zu opfern.“

Ein weiterer Kommentar: „Ich habe zwei Jahre gesucht und bin dann ins Exil gegangen. Auf dem Land ist’s auch ganz nett.“

„Viele Vermieter geben Wohnungen gar nicht mehr öffentlich raus“

Ein Nutzer behauptet, manche Vermieter würden Wohnungen kaum noch öffentlich inserieren. „Viele Vermieter in Köln, aber auch anderswo geben Wohnungen gar nicht mehr öffentlich raus.“ Begründung: Wer öffentlich ausschreibe, bekomme „300 Bewerbungen“, von denen viele nicht passten – und weil in Köln „so gut wie gar nicht gebaut wird“, werde es eher schlimmer.

Ein weiterer User berichtet, er habe erst nach rund anderthalb Jahren und „weit über 100 Bewerbungen“ etwas gefunden – trotz unbefristeter Stelle und vergleichbarer Suche.

Ein Weg zum Erfolg: eine Mischung aus Kleinanzeigen, ImmoScout Premium, Immowelt (mit Alerts) sowie Meldesysteme einzelner Vermieter (zum Beispiel GAG). Sein Fazit: Oft sei der Zeitfaktor entscheidend: „Wenn ich meist nicht spätestens zehn Minuten nach Einstellen einer Anzeige reagiert habe, war es in der Regel aussichtslos.“

Harter Kölner Wohnungsmarkt

Dass viele Suchende das Gefühl haben, trotz guten Einkommens und unbefristetem Job kaum noch durchzukommen, passt zu dem, was länger über den Kölner Wohnungsmarkt bekannt ist: Das Angebot ist knapp, die Nachfrage hoch – und die Budgets reichen für immer weniger Quadratmeter.

Wer heute monatlich 1000 Euro Kaltmiete ausgeben kann, bekommt dafür deutlich weniger Wohnfläche als noch vor vier Jahren, wie eine Analyse des Immobilienportals Immowelt zeigt. Demnach schrumpfte die Wohnfläche, die es für 1000 Euro gibt, in Köln seit 2022 von 83 auf 74 Quadratmeter. Das entspricht einem Rückgang von rund elf Prozent oder neun Quadratmetern.

Auch aus Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) geht hervor, dass die Zahl der klassischen Mietangebote in den vergangenen zehn Jahren stark zurückgegangen ist. Danach wurden in Köln im ersten Quartal 2026 in Immobilienportalen nur noch 65 Prozent der Mietwohnungen mit klassischen Verträgen inseriert (ohne Möbel und in der Regel mit unbefristeten Verträgen). 2015 lag der Marktanteil noch bei 80 Prozent.

„Bau-Turbo“ in Köln: Verfahren werden deutlich verkürzt

Beim Anstieg der Mietpreise in den acht größten Städten nimmt Köln im ersten Quartal 2026 im Vergleich zum Vorjahr mit einem Plus von 4,9 Prozent den Spitzenplatz ein. Für Haushalte mit geringen oder mittleren Einkommen wird es immer schwerer, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Auch der Kölner Stadtverwaltung ist dieser problematische Trend bekannt.

Im März hat die Stadt einen Beschluss zum sogenannten „Bau-Turbo“ gefasst, Bauanträge können dadurch schneller genehmigt werden. „Wohnen in Köln muss wieder bezahlbar werden“, erklärte damals auch OB Torsten Burmester. Die Hoffnung: „Durch den Bau-Turbo können wir nun deutlich schneller als bislang Planungsrecht schaffen und dadurch sehr kurzfristig Baugenehmigungen für dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum erteilen.“ (mg)

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