Der Zoff zwischen Radfahrenden und Autos wird in Köln immer schlimmer. Eine Aktion von Greenpeace sorgte nun für Aufsehen. So reagieren die EXPRESS.de-Leser.
Aktion drehte Spieß umKölnerin reagiert deutlich: „Lebensgefährlich“

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Bei einer Greenpeace-Aktion drehten Teilnehmende am Montag (8. Juni 2026) den Spieß um und blockierten auf der Bonner Straße mit Fahrrädern die Fahrbahn mit Entschuldigungen, wie „Komme gleich wieder...“.

Aktualisiert:
Fahrräder statt Autos auf der Fahrbahn – Greenpeace dreht den Spieß um.
„Sorry, bin nur kurz beim Bäcker...“ – dieser Satz klingt vielen Kölner Radfahrern nur allzu vertraut. Ihn hören sie, wenn ein Auto wieder einmal den Radweg blockiert.
Aktion von Greenpeace gegen Parkstress in Köln
Am Montagabend (8. Juni) haben rund 30 Aktivisten von Greenpeace Köln genau das umgedreht: Auf der Bonner Straße stellten sie ihre Fahrräder – mit denselben Ausreden – mitten auf der Fahrbahn ab. Die Botschaft war unmissverständlich. „Wir zeigen, wie sich das anfühlt.“
Im Fünf-Minuten-Takt parkten die Teilnehmenden ihre Räder auf der Fahrbahn – mit Schildern wie „Komme gleich wieder...“ oder „Bin eben kurz zur Bank“.
Greenpeace-Sprecher Jürgen Borkowski erklärte die Aktion so: „Im Fünf-Minuten-Takt stellen wir unsere Räder auf der Fahrbahn ab, weil wir ‚nur kurz zum Bäcker‘ sind oder ‚eben zur Bank‘ müssen. Wir wollen Autofahrern und Autofahrerinnen zeigen, wie sie mit ihrem Verhalten unsere Sicherheit gefährden, aber auch, wie sie diese verbessern können.“
Die angemeldete Aktion lief bis gegen 18 Uhr und wurde von der Polizei begleitet. Zu größeren Störungen kam es nicht.
Fahrradfahren sei zwar gut für das Stadtklima, die Umwelt, die eigene Fitness und Gesundheit – wenn nicht die katastrophalen Verhältnisse im Kölner Straßenverkehr wären, schilderte Borkowski. Nicht nur, dass die Radwege meist schlecht ausgebaut wären, die teilweise schmalen Streifen seien dann oft auch noch von Autos oder Lieferwagen zugeparkt. Als wäre das nicht schlimm genug, müssen sich Radfahrende auch noch üble Ausreden anhören.
Borkowski macht klar, was das bedeutet: „Das ist nicht nur nervig, sondern gefährlich. Denn Radfahrer und Radfahrerinnen müssen in den fließenden Verkehr ausweichen, was zu Gefahrensituationen, Konflikten oder gar zu Unfällen führt.“
Die Zahlen geben ihm recht: 229 Fahrradunfälle zählte Köln im vergangenen Jahr, zehn Personen wurden dabei schwer verletzt. Borkowski nennt das ein „Alarmsignal“. Gleichzeitig kritisiert Greenpeace die Stadt Köln: Das Zuparken von Fuß- und Radwegen werde kaum kontrolliert oder geahndet.
Was sagen die Kölnerinnen und Kölner dazu?
Die Aktion trifft einen Nerv – und zwar nicht nur bei Radfahrenden. Bei EXPRESS.de meldeten sich zahlreiche Leser. Dabei wird schnell klar: Der Konflikt im Kölner Straßenverkehr ist vielschichtig.
Radfahrer schildern die tägliche Frustration.
Lebensgefährlich sei die Situation entlang der Berliner Straße in Köln-Mülheim, berichtet eine Anwohnerin. Dort verläuft der Fahrradstreifen parallel zur Linie 4. Die Fahrradwege seien „ständig blockiert“, sodass Fahrradfahrer auf die Straße ausweichen müssten. Das sei extrem gefährlich.
Gerd weist auf ein weiteres strukturelles Problem hin: die geduldeten Lieferfahrzeuge auf vielbefahrenen Straßen wie der Luxemburger und der Dürener Straße. Er fragt: „Warum gibt es keine Kernzeiten außerhalb des Berufsverkehrs?“
Und Melanie berichtet aus eigener Erfahrung: „Ich erlebe es immer wieder, dass Autos auf dem Fahrradweg stehen, weil sie angeblich nicht sehen, ob dort ein Auto kommt.“ Ihr Mittel: Sie stellt sich mit ihrem Fahrrad vor das blockierende Auto und wartet – „es hat schon öfter geholfen.“
Doch der Gegenwind bleibt nicht aus.
In mehreren Kommentaren richtet sich die Kritik an die Radfahrenden selbst. Ein wiederkehrender Vorwurf: E-Bikes und Fahrräder auf Gehwegen, rote Ampeln, die ignoriert werden, und Fußgänger, die in die Enge getrieben werden.
Uwe schreibt: „Radfahrer nehmen sich leider zu viel raus. Da wird auch mal gerne mit dem E-Bike-Panzer ohne Rücksicht auf Fußgänger über den Gehweg gefahren.“
Tina appelliert direkt: „Radfahrer sollten sich bitte daran halten, den Radweg zu benutzen – und nicht die Straße oder sogar den Gehweg. Rücksicht für alle wäre klasse.“
Und Rudolf bringt ein altes Argument zurück: Radfahrer hätten keinen Cent für die Straßen gezahlt. Er geht noch weiter und fordert ein Kennzeichen für Fahrräder, „groß genug, dass man es lesen kann“.
Die vielleicht deutlichste Analyse: „Was für die Fahrradfahrer die Autos sind, sind für die Fußgänger die Radfahrer.“
Die Greenpeace-Aktion auf der Bonner Straße hat eindrucksvoll gezeigt, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Verkehrsraum blockiert wird.
Die Reaktionen aus der Bevölkerung zeigen aber auch: Der Konflikt geht tiefer als der Zwist zwischen Rad und Auto. Auch zwischen Radfahrern und Fußgängern kommt es immer wieder zu Konflikten.
