Fußgängerzone? Kölner Promis kämpfen für Erhalt des „Auto-Laufstegs“ Ehrenstraße

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Ein Rolls Royce, Baujahr 1969, parkt in der Ehrenstraße.

Köln – Sehen und gesehen werden: Seit Jahrzehnten ist dieses Motto das Lebenselixier der Ehrenstraße. Das Schaufahren extravaganter Autos gehört dazu. Doch damit soll nach einem Beschluss der Politik Schluss sein.

  • Ehrenstraße: Kölner Promis kämpfen für Autos
  • „Auto-Laufsteg“ Ehrenstraße soll bleiben
  • Bürgermeister Hupke kontert Kritik

Eine Mehrheit im Innenstadt-Parlament will Kölns Szenemeile zur Fußgängerzone umwandeln. Eine Degradierung, meinen Geschäftsleute der Ehrenstraße - sie haben sich zum Widerstand gegen die Entscheidung vereint.

Köln: Händler der Ehrenstraße gegen Auto-Verbot

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Parfümerie-Besitzer Peter Möltgen (78) ist der Vorsitzende der neuen Werbegemeinschaft „Wir lieben die Ehrenstraße". Zum EXPRESS sagte er: „Hier hat die Politik über unsere Köpfe hinweg entschieden. Nach unserer Befragung und Recherche sind die meisten Hauseigentümer und Geschäftsleute gegen eine autofreie Ehrenstraße. Eine autofreie Ehrenstraße wird zu einer toten Straße."

Ehrenstraße Peter Möltgen

Parfümerie-Besitzer Peter Möltgen will weiterhin Autos auf der Ehrenstraße fahren sehen.

Der Architekt und Veedels-Insider Hartmut Gruhl (baute den Bazaar) erklärt: „Alles, was sich bewegt - Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer - sollte auf der Ehrenstraße vertreten sein. Das ist es doch, was das Stadtbild belebt." Freimütig sagt Gruhl, es sei tatsächlich auch eine Frage der Präsentation: „Leute, die ein schönes Auto haben, wollen es gerne zeigen. Ein schönes Auto stört doch nicht." Möltgen ergänzt: „Auch Besucher der Ehrenstraße begrüßen einen gesitteten Corso von Luxusfahrzeugen." Die Befürchtung der Geschäftsleute ist, dass der Ehrenstraße der Charakter abhanden kommt. Die Abschaffung der Parkplätze schrecke die Kundschaft zusätzlich ab.

Grüner Bürgermeister Andreas Hupke kontert die Kritik

Innenstadt-Bürgermeister Andreas Hupke (Grüne) sieht in der Entscheidung einen Beitrag zur Verkehrswende, die den Autoverkehr verringern soll. Auch in der Ehrenstraße müsse und werde das sichtbar werden. „Ich bin davon überzeugt, dass die Zukunft der innerstädtischen Geschäftsstraßen von den Tret- und nicht von Gaspedalen abhängig sein wird!" Die Planungen sollen laut Hupke die Aufenthaltsqualität im Quartier erhöhen: „Wer sich dort wohlfühlt, kauft auch dort ein."

Der Antrag, den auch SPD, Linke, FDP, Klimafreunde und die Satirepartei Die Partei befürworten (nur die CDU stimmte dagegen), sieht auch mittelfristig den ebenerdigen Umbau der Straße vor, es soll dann keine Bürgersteige und Bordsteine geben. Die Verwaltung soll prüfen, ob die Ehrenstraße zur Fußgängerzone mit erlaubtem Radverkehr oder gänzlich zur Fahrradstraße wird.

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Die Ehrenstraße ist beliebt als „Auto-Laufsteg“. Hier fährt im August 2020 ein Porsche 911 über die Meile.

Bei solchen Aussichten wird Peter Möltgen ganz bange: „In den letzten 50 Jahren ist meines Wissens in der Ehrenstraße kein Passant durch ein Auto verletzt worden, jedoch in der letzten Zeit drei Mitarbeiterinnen meiner Parfümerie durch Fahrradfahrer und E-Scooter. Die jeweiligen Beinverletzungen waren heftig, in einem Fall mit drei Monate Arbeitsausfall."

Als positives Beispiel einer Umgestaltung nennt Architekt Hartmut Gruhl die Mittelstraße, wo er mitgewirkt habe und wo auch das Parken noch möglich sei. An der Ehrenstraße müsse man auf jeden Fall überlegen, wie man den zu wilden Verkehr am „Café de Paris" (Ex-Quattro Cani), wo Benesis- und Pfeilstraße abgehen, beruhigen kann – „aber eben ohne gleich die Autos abzuschaffen."

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