Schüsse vor Café Hells Angel (40) vor Kölner Gericht – Anklage wegen Mordversuchs verpufft

Das Hells Angels-Mitglied sitzt auf der Anklagebank, hinter ihm stehen seine beiden Anwälte.

Im Urteil wurde der Haftbefehl gegen das Hells Angels-Mitglieds am Donnerstag (16. September 2021) aufgehoben. Das Foto zeigt den Angeklagten beim Prozessauftakt am 24. August 2021 mit seinen Verteidigern Jan Victor Khatib (l.) und Markus Loskamp.

Das Urteil im Prozess gegen ein Hells-Angels-Mitglied vor dem Kölner Landgericht ist gefallen. Ilhan K. (40) muss zwar hinter Gitter – es lief für die Staatsanwaltschaft allerdings alles andere als rund. 

Köln. Nach Schüssen vor einem Kölner Café ist am Donnerstag (16. September) das Urteil gegen ein Mitglied der Hells Angels vor dem Kölner Landgericht gefallen. Ilhan K. (40) wurde versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen – doch es kam anders...

Der Haftbefehl gegen den 40-Jährigen wurde aufgehoben und er konnte das Gericht als freier Mann verlassen.

Urteil in Köln: Laut Verteidiger hat einziger Zeuge keinen Beweiswert

Statt wegen Mordversuchs wurde Ilhan K. „nur“ wegen vorsätzlichen unerlaubten Besitzes und Führens einer halbautomatischen Kurzwaffe sowie vorsätzlichen Besitzes von Munition zu einer Freiheitsstraße von zweieinhalb Jahren verurteilt. Er kann jetzt in Freiheit auf die Aufforderung zum Haftantritt warten.

Alles zum Thema Polizei Köln

Sein Verteidiger Jan Victor Khatib kündigte direkt an, in Revision zu gehen. „Wir sind zunächst einmal glücklich, dass der Haftbefehl aufgehoben wurde“, so der Kölner Anwalt. „Das Urteil kann keinen Bestand haben, weil der einzige Zeuge, auf den sich die Verurteilung stützt, keinen Beweiswert hat.“

Dieser habe seinen Mandanten zunächst belastet, dann aber seine Aussage zurückgezogen und vor Gericht letztendlich die Aussage verweigert. Khatib: „Die Verteidigung hatte keine Chance, ihn zu befragen.“ Was blieb, war die letzte Version der polizeilichen Vernehmung. In der hatte der Zeuge behauptet, er sei sich sicher, dass Ilhan K. eine Waffe in der Hand hatte, aber nicht geschossen habe. 

Es war offenbar ein zähes Ringen um ein Urteil. Bevor es fiel, habe man sechs Stunden lang beraten, so der Verteidiger. 

Laut Anklage lief Streit vor Café in Köln-Ostheim aus dem Ruder

Auf einer Hochzeit sollte sich am 3. November 2018 zunächst ein Streit zwischen Mitgliedern der „Hells Angels-MC“ entwickelt haben, der letztendlich vor einem Café in Köln-Ostheim aus dem Ruder lief, so hieß es in der Anklage. 

Vor dem Café sei es zwischen dem Angeklagten und drei weiteren Personen aus dem Rocker-Milieu zunächst zu heftigen verbalen Anfeindungen gekommen. Dann habe Ilhan K. einen Mann aus dem Rocker-Milieu zunächst ins Gesicht geschlagen und dann direkt in die Richtung eines anderen Mannes mit einer Waffe gefeuert.

„Der Angeklagte setzte mehrfach Schüsse in Richtung einer direkt vor ihm stehenden Person ab“, so der schwere Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Verletzt wurden bei dem Schusswechsel drei Personen. Ilhan K. soll eines der Opfer im Brustkorb getroffen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Doch dafür fehlten der Staatsanwaltschaft ganz offensichtlich die handfesten Beweisen. 

Kölner Landgericht: Polizeibeamte sagten zu dem Fall aus

Vor dem Kölner Landgericht hatte als Erstes die Zeugin und Polizeibeamtin Jasmina T. (28) ausgesagt. Sie sei am besagten 3. November schnell vor Ort gewesen und habe versucht, den Mann, der von den Schüssen in den Brustkorb getroffen wurde, durch Gespräche bei Bewusstsein und letztlich am Leben zu halten. „Der Mann auf dem Boden war schwerverletzt, die Lage erst einmal unübersichtlich. Es lag ein Messer vor dem Café und mehrere Patronenhülsen“, sagte die 28-jährige Polizeibeamtin aus.

Auch einige Schaulustige hätten sich vor dem Café versammelt. Man habe sich aber auf die Wundversorgung der Opfer konzentriert. Ihre Aussagen bestätigte auch ihr damaliger Polizei-Kollege Justin K. (27).

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.