Mordurteil gekippt Stiefoma qualvoll erstickt: 40-Jähriger erneut in Köln vor Gericht

Ein Mann steht an der Anklagebank.

Ein 40-Jähriger steht seit Montag (6. September 2021) erneut in Köln vor Gericht, nachdem seine Revision erfolgreich war.

Der Bundesgerichtshof hat ein Mordurteil gegen einen heute 40-Jährigen gekippt. Er war im letzten Jahr wegen Mordes an seiner Stiefoma zu lebenslänglich verurteilt worden. 

Köln. Der grausame Raubmord an einer alten Dame (78) erschütterte im Sommer 2014 die ganze Region. Sie wurde von mehreren Tätern in ihrem Haus überfallen, in Bauchlage gefesselt und ihr Mund mit Klebeband zugeklebt, sie erstickte qualvoll. Aufatmen, als Jahre später endlich einer der mutmaßlichen Täter gefasst wurde – der Stiefenkel des Opfers. Seit Montag (6. September 2021) steht der heute 40-Jährige erneut vor dem Landgericht. 

Der Familienvater war am 17. März 2020 wegen gemeinschaftlichen Mordes aus Habgier in Tateinheit mit Raubes mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Doch er ging erfolgreich in Revision. Im März 2021 hob der Bundesgerichtshof (BGH) das Urteil auf. Die BGH-Richter zeigten sich von einem Tötungsvorsatz nicht überzeugt: Dass das Opfer gefesselt wurde, spräche eher dafür, dass es überleben sollte. 

Revisionsprozess in Köln: Richter als Zeuge vernommen

Jetzt wird neu verhandelt. Insgesamt 13 Verhandlungstage sind für den Revisionsprozess angesetzt. Sein Mandant werde sich nicht äußern, kündigte Verteidiger Dominic Marraffa am ersten Tag an. Während Marraffa an das Gericht für „ein gerechtes Urteil“ appellierte, da sonst „ein zweites Leben zerstört würde“, wischte sich der Angeklagte ein paar Tränen aus den Augen. 

Als der Vorsitzende Richter den ersten Zeugen aufrief, sorgte das auf der Verteidigerseite für kurze Irritation. Denn es handelte sich um Arne Winter, Richter beim Kölner Landgericht, der beim ersten Verfahren mit auf der Richterbank saß. Gegenstand seiner Vernehmung waren die Einlassung und Äußerungen des Angeklagten damals. 

Bei erster Verhandlung in Köln hatte Angeklagter auch erst geschwiegen

Bei der ersten Verhandlung hatte sich der Angeklagte zunächst ebenfalls nicht geäußert, sondern mit seiner Einlassung bis zum 14. Prozesstag gewartet. Da war aber die Beweisaufnahme längst gestartet, waren unter anderem der DNA-Gutachter gehört und das Ergebnis der Funkzellenauswertung thematisiert worden. 

So konnten Hautpartikel an Handfläche und Unterarm der Toten dem Angeklagten zugeordnet werden, auch war dessen Handynummer in der Mordnacht – die Nacht zum 14. Juni 2014 – verdächtig oft in einer Funkzelle im Bereich des Tatortes in Pulheim aufgetaucht. Zudem konnte die Behauptung des Angeklagten, er sei zum Tatzeitpunkt in Serbien gewesen, durch die Dokumentation an der ungarischen Grenze widerlegt werden. 

Späte Einlassung als die Beweise gegen ihn schon auf dem Tisch lagen

In seiner späten Einlassung erklärte der Stiefenkel die Anhaftung seiner DNA dann damit, dass er sich vor seiner Abreise nach Serbien von seiner Stiefoma in Pulheim verabschiedet und sie auch umarmt habe. Auch fiel dem Lkw-Fahrer scheinbar plötzlich ein, dass er über seine damalige Lebensgefährtin Kriminelle kennengelernt und für diese Kurierfahrten gemacht habe. Vom 12. bis 15. Juni 2014 sei er daher wegen einer dieser Fahrten in Ungarn gewesen. Was er transportiert habe, wisse er nicht. 

Im Gegensatz zur Aussage seines Stiefvaters habe er eine sehr gute Beziehung zur Oma gehabt, beteuerte er. Dass er Kontakt zu ihr hatte, habe er aber verschwiegen. Nach einem Streit zwischen seinen Eltern hätte seine Mutter es gerne gehabt, dass er den Kontakt zu seinem Stiefvater und dessen Seite abbricht. 

Kölner Angeklagter schwor: Unschuldig beim Leben seiner Kinder

„Ich bin kein schlechter Mensch“, erklärte er damals dem Gericht. Es zerreiße ihn, von seiner Frau und den Kindern getrennt zu sein. Er schwor beim Leben seiner Kinder, mit der Tat nichts zu tun zu haben. 

Seine Stiefoma musste damals wegen eines Laptops, etwas Bargeld und einer Armbanduhr sterben. Ihre Leiche wurde erst einen Tag später von zwei Nachbarinnen gefunden, die sich über die offen stehende Tür gewundert hatten. 

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