Die beliebte Tankstelle in Köln-Zollstock verschwindet. Der ehemalige Pächter erinnert sich ...
Nach fast 60 JahrenAus für Kölner Kult-Tankstelle – emotionaler Abschied

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Martin Schmidt als kleiner Junge mit seiner Mutter Hannelore an der Tankstelle in Zollstock. Das Foto wurde 1969 aufgenommen.

Es ist das Ende einer Ära: Die Aral-Tankstelle am Zollstockgürtel soll in Kürze abgerissen werden – nach fast 60 Jahren Familiengeschichte.
Wo einst Generationen von Kölnern und Kölnerinnen tankten, Kaffee tranken und ihr Auto in die Werkstatt brachten, soll künftig Wohnraum entstehen.
Aral-Tankstelle in Zollstock – hier werden jetzt Wohnungen gebaut
„Es war das Jahr 1968, als Hannelore und Kurt Schmidt, ehemaliger Stürmer bei Fortuna Köln, die damalige Gasolin-Tankstelle in Zollstock übernahmen“, erinnert sich Sohn Martin (60) im Gespräch mit EXPRESS.de. Was klein begann, sollte sich zu einem echten Kölner Treffpunkt entwickeln.
„Schlagersänger Howard Carpendale oder Boxer Peter Müller ‚Müllers Aap‘ waren Kunden“, plaudert Schmidt aus dem Nähkästchen. So habe Carpendale hier gerne seinen Kaffee getrunken. Auch andere Promis aus dem TV-Geschäft tankten hier.
1973 folgte die Umstellung auf Aral – und die Schmidts waren ganz vorn dabei: Als eine der ersten Tankstellen in ganz Köln bauten sie damals eine Portalwaschanlage ein.
Schnell hielt das neue Zeitalter Einzug. 1980 wurde ein Minimarkt in der Tankstelle eröffnet. Elf Jahre später folgte ein kompletter Neubau: mit mehr Zapfsäulen, modernem Shop, Werkstatt, großer Waschanlage – und dem „Petit Bistro“, das schnell zur Institution im Veedel wurde.
Damals lag der Spritpreis noch bei rund 90 Pfennig.

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1986 – die Aral-Tankstelle in Zollstock: Damals kostete der Sprit noch circa 90 Pfennig.
In dieser Zeit übernahmen Martin Schmidt und seine Frau Heike das Ruder.
Ihre Philosophie: alles aus einer Hand. Kfz-Reparaturen, Fahrzeugpflege, Autovermietung, Anhänger-Verleih – und dazu frischer Kaffee mit belegten Brötchen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ein absoluter Knochenjob. Sein Leben habe er auf dem Gelände verbracht.
2004 folgte ein erneuter Abriss und Neubau, diesmal mit klarem Fokus auf Shop und Bistro. Werkstatt und Autovermietung fielen weg – eine Entscheidung von Aral.
Mit Weitblick übergaben die Schmidts die Tankstelle 2018 an einen neuen Pächter. Glück gehabt: „Wir sind so den späteren Herausforderungen wie Corona und den Veränderungen im Kraftstoffmarkt glücklicherweise entgangen“, sagt der ehemalige Betreiber heute.

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Die Tankstelle ist geschlossen, der Abriss wird vorbereitet. Das Foto wurde am 4. April 2026 aufgenommen.
Jetzt, im April 2026, ist es soweit. Die Bagger rücken an, die Zapfsäulen verstummen für immer. Auf dem Gelände soll neuer, bezahlbarer Wohnraum entstehen – das Gelände gehört der Stadt Köln.
Was bleibt? „Erinnerungen, Geschichten und viele Begegnungen mit großartigen Menschen über Jahrzehnte hinweg“, verabschiedet sich die Familie Schmidt emotional und bedankt sich noch einmal bei der Stammkundschaft. Zollstock – ein Stück Geschichte geht zu Ende.

