„Weil es sonst keiner macht“ Schon vierte Aktion: „Spezialeinheit“ fischt im Rhein nach E-Scootern

Eine „Spezialeinheit“ hat das Niedrigwasser im Rhein für eine Aufräumaktion genutzt. Dabei wurden in Köln E-Scooter, Fahrräder und Müll aus dem Rhein geborgen.

Eigentlich ist Christian Stock ausgebildeter Schauspieler, doch seit einiger Zeit fischt er auch E-Scooter aus dem Rhein. Mit seinem Verein KRAKE e. V. (Kölner-Rhein-Aufräum-Kommando-Einheit) hat er es sich zur Aufgabe gemacht, den Rhein von achtlos weggeworfenen E-Scootern und anderem Müll zu befreien.

Am Mittwoch (20. Juli) traf er sich mit seinen Helferinnen und Helfern unterhalb der Hohenzollernbrücke, wo besonders viele der Leih-Scooter liegen sollen. Es ist bereits die vierte Aktion dieser Art. „Ihr müsst heute gegen das Wetter kämpfen und ich kämpfe heute gegen die Strömung“, weist Christian, der unter anderem als Werbegesicht und aus kleineren Rollen in TV-Serien bekannt ist, seine Helferinnen und Helfer ein.

Köln: Umweltschutz-Verein KRAKE zieht E-Scooter aus dem Rhein

„Hier findet gerade eine Clean-up-Aktion der KRAKE e. V. statt“, steht auf einem Schild unter der Hohenzollernbrücke, das der Verein aufgestellt hat. „Das Wasser ist schön kühl, die Strömung macht aber keinen Spaß“, berichtet Christian gegenüber EXPRESS.de.

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Mit einem Haltegurt und einem Seil gesichert, geht es in den Rhein. „Ich bin vielleicht ein bisschen lebensmüde“, scherzt Christian. „Ich habe zwar einen Tauchschein, den brauche ich heute aber nicht“, so der Initiator weiter. Wegen des aktuell herrschenden Niedrigwasser kann er am Ufer entlanglaufen.

Seine Helferinnen und Helfer sind mit Arbeitshandschuhen und Seilen ausgestattet. Helfer Jan ist für die Sicherheit von Christian verantwortlich. Über eine Treppe nördlich der Hohenzollernbrücke geht es in den Rhein. Von oben bekommt er immer wieder Anweisungen. Denn: Selbst er kann im trüben Rhein nichts sehen. Mit einer Schlaufe werden die schweren Scooter dann nach oben über die Brüstung gezogen.

20.07.2022 Köln: Christian Stock von Krake zieht Schrott und E-Scooter aus dem Rhein Foto:Martina Goyert

Christian Stock vom Umweltverein KRAKE zog am Mittwoch (20. Juli) über 20 E-Scooter aus dem Rhein.

„Wir rechnen mit 20 bis 30 E-Scootern, die wir heute aus dem Rhein fischen“, erklärt Jan. Bei der letzten Aktion dieser Art haben sich die E-Scooter-Verleiher noch an der Aktion beteiligt. Nun kümmert sich der Verein wieder allein um die versunkenen Elektroroller.

Umweltverein über E-Scooter-Betreiber: „Haben nichts mehr von ihnen gehört“

„Die E-Scooter-Anbieter haben uns in den letzten Monaten hingehalten. Erst wollten sie uns einen Kooperationsvertrag anbieten – als die Medienaufmerksamkeit abgeflacht ist, haben wir jedoch nichts mehr von ihnen gehört“, stellt Jan klar.

Auch wenn es von oben nicht so aussieht: Gegen die Strömung muss Christian permanent ankämpfen. „Anstrengend ist die Hitze und die Strömung – die ist sogar lebensgefährlich“, so der Initiator.

Verdreckte E-Roller stehen unter der Hohenzollernbrücke in Köln.

Die Ausbeute des Kölner Vereins KRAKE am Mittwoch (20. Juli): Mehr als 20 E-Scooter, mehrere Fahrräder und Skateboards wurden aus dem Rhein geborgen.

Nach einer Stunde kommt er erschöpft aus dem Wasser: zehn Minuten Pause. „Das war nur der Anfang“, ruft Christian den wartenden Helferinnen und Helfern zu. Die Zwischenbilanz: Acht Scooter, ein Fahrrad, ein Rollator und ein Skateboard.

Christian Stock: „Wir machen das, weil es sonst keiner macht“

Immer wieder stoppen interessierte Kölnerinnen und Kölner sowie Touristinnen und Touristen unter der Hohenzollernbrücke, um die Aufräumaktion zu beobachten. Christian nutzt die Aufmerksamkeit für Aufklärungsarbeit. „Wir machen das, weil es sonst keiner macht, nicht die Stadt und auch nicht die E-Scooter-Verleiher – und Geld bekommen wir da übrigens auch nicht für.“

Die Menge an E-Scootern unter der Brücke ist enorm. Unermüdlich zieht Christian in der prallen Sonne Roller für Roller aus dem Wasser. Die letzte Aufräum-Runde drehen Christian und seine Helferinnen und Helfer südlich der Brücke. Dort ist die Strömung nochmal deutlich stärker. Nach rund drei Stunden ist der Rhein zumindest wieder etwas sauberer als zuvor. Die Ausbeute: mehr als 20 E-Scooter, zwei Fahrräder und mehrere Skateboards.

Ein Ende der Aufräumaktion ist jedoch nicht in Sicht. Denn: Ein verhängtes Abstellverbot am Rhein scheint bisher nicht zu funktionieren. „Es muss ein Verbot ausgesprochen werden, das auch wirklich durchgesetzt wird“, so Christian. „Wir fordern Rückgabestationen. Das funktioniert in anderen Städten, also warum nicht auch in Köln?“ Bis eine Lösung gefunden ist, wird sich der Verein weiterhin um das Problem kümmern. (mn)

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