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„Hätte mich totgetreten“Brutalo-Täter greift wahllos Frauen in der Kölner City an

Am Gotenring in Deutz wurde eine Frau angegriffen.

Copyright: Carsten Rust (Symbolbild)

Am Gotenring in Deutz wurde eine Frau angegriffen.

Aktualisiert:

Nun muss sich ein 37-Jähriger wegen Körperverletzung und sexueller Belästigung vor dem Kölner Landgericht verantworten.

Die Mittagspause im Homeoffice nutzte eine 66-jährige Kölnerin im August vergangenen Jahres für einen kurzen Einkauf. Auf dem Heimweg fiel ihr ein Feuerwehreinsatz auf. Sie schaute kurz hin, drehte sich wieder um – „dann sah ich nur noch eine Fußsohle auf mich zukommen“.

Mit diesen Worten schilderte die Zeugin am Montag vor dem Landgericht den Moment, der ihr bis heute schwer zu schaffen macht. Ein ihr völlig unbekannter Mann trat ihr unvermittelt gegen den Hals. Der 37-Jährige muss sich wegen einer ganzen Serie brutaler und völlig grundloser Angriffe auf Frauen verantworten.

Köln: Brutaler Angriff auf Frau in Deutz mit gravierenden Folgen

Sie sei wütend gewesen, habe ihren ganzen Mut zusammengenommen und gerufen: „He, was soll das?“ Dann kam der Angreifer zurück, schlug der Frau mit der Faust gegen den Kiefer. „Ich bin umgefallen und lag wie ein Käfer auf dem Rücken“, erinnerte sich die 66-Jährige im Zeugenstand.

In ihrer Wahrnehmung war der Täter wie von Sinnen. „Er zeigte gar keine Mimik, als wäre er gar nicht richtig anwesend gewesen.“ Nur dem beherzten Eingreifen eines Passanten sei es wohl zu verdanken, dass Schlimmeres verhindert wurde. Der Angreifer habe noch am Boden auf sie eintreten wollen.

„Wenn der junge Mann nicht dazwischengegangen wäre, hätte der mich totgetreten“, schilderte die Zeugin und atmete schwer. Die Folgen für das Opfer sind gravierend. Ein Stück des Schneidezahns brach ab, wochenlang verließ die Frau die Wohnung nur für Arztbesuche.

Bis heute leidet sie unter innerer Unruhe, Angstzuständen und Albträumen: „Ich werde immer noch nachts manchmal schweißgebadet wach.“ Sie musste sich in psychotherapeutische Behandlung begeben. „Ich gehe jetzt ungern abends raus, ich fühle mich allgemein viel unsicherer“, sagte die Frau.

Köln: Staatsanwältin schildert weitere Attacken auf Frauen

Die brutale Attacke am Gotenring war kein Einzelfall. Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten, der im Oktober 2025 festgenommen wurde und seitdem in Untersuchungshaft sitzt, insgesamt fünf Taten zulasten von Frauen vor.

Im Juli schlug er laut Anklage am Zülpicher Platz einer Frau plötzlich mit der flachen Hand auf den Hals. Ende August soll er in einer U-Bahn am Friesenplatz versucht haben, einer Frau mit einer Plastikflasche ins Gesicht zu schlagen. Im Oktober soll er einer Fußgängerin am Hansaring den Ellbogen mit voller Wucht gegen die Brust gerammt haben.

Nur zwei Tage später fasste der Angeklagte laut den Ausführungen der Staatsanwältin einer Frau in der Getränkeabteilung eines Rewe-Marktes am Eigelstein ans Gesäß – ein Vorfall, der das Opfer in Schock und tiefen Ekel versetzte. „Sie spürte die Berührung des Angeklagten noch Stunden nach der Tat“, heißt es in der Anklageschrift.

Auf Anraten seines Verteidigers Ingo Lindemann schwieg der Angeklagte zu den Vorwürfen der Körperverletzung und sexuellen Belästigung. Neben einer Haftstrafe kommt auch die Unterbringung des Mannes in die geschlossene Psychiatrie in Betracht.

Lediglich zu seinem Lebenslauf äußerte sich der Beschuldigte. Der Mann wurde im April 1989 in Myanmar geboren. Mit 18 Jahren drohte ihm in seiner Heimat die Einberufung zum Militär. Um ihn davor zu bewahren, schickte der Vater ihn weg.

Über Bangladesch gelangte er mit einem Studentenvisum nach London. Dort arbeitete er als Küchenhilfe, das Studium rückte in den Hintergrund. Schließlich verlor er die Papiere, floh mit dem Boot nach Frankreich und kam nach Deutschland: „Ich habe gehört, Deutschland ist gut, wenn man kein Geld und keine Wohnung hat.“

Köln: Beschuldigtem droht die Einweisung in die Psychiatrie

Zehn Jahre lebte er in Wuppertal, lernte Deutsch, die Miete wurde vom Jobcenter bezahlt. Doch dann der Bruch: Nach eigenen Angaben verlor er die Wohnung, seine Papiere und den Aufenthaltsstatus. Die letzten zwei bis drei Jahre lebte er laut eigener Aussage als obdachloser Flaschensammler in Köln. Den Kontakt zu seiner Familie – in Myanmar lebt auch ein Sohn, den er kurz vor seiner Abreise zeugte – habe er komplett verloren. Seine Eltern seien inzwischen auch verstorben, sagte der Mann auf Nachfrage.

Eine Gutachterin muss nun im Prozess klären, ob der Angeklagte unter einer psychischen Erkrankung leidet und womöglich im Stadium der Schuldunfähigkeit handelte. In der Vergangenheit soll der Mann berichtet haben, Stimmen zu hören. Mehrfach war er bereits in der Psychiatrie untergebracht.

Wird er am Ende des Prozesses als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft, dann droht dem 37-Jährigen die dauerhafte Unterbringung in der forensischen Psychiatrie. Ein Urteil will der Vorsitzende Richter Stephan Aderhold frühestens in zwei Wochen im Landgericht verkünden.

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