1

Nach Anschlag in BerlinBetroffenheit bei Cologne Pride: „Mir fehlen die Worte“

Die Berliner CSD-Parade stand unter dem Motto „Taking a stand is Hot“ („Stellung beziehen ist angesagt“), unter dem verschiedene Gruppen für Vielfalt, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten demonstrierten.

Copyright: AFP

Die Berliner CSD-Parade stand unter dem Motto „Taking a stand is Hot“ („Stellung beziehen ist angesagt“), unter dem verschiedene Gruppen für Vielfalt, Menschenrechte und den Schutz von Minderheiten demonstrierten.

Der Angriff beim CSD in Berlin hat auch in Köln für Bestürzung gesorgt. 

„Entsetzlich.“ „Einfach schrecklich.“ „Mir fehlen die Worte.“ In Köln sorgt der Angriff auf feiernde Menschen beim Christopher Street Day in Berlin für Entsetzen und Bestürzung.

Unter einem Instagram-Post, den Cologne Pride unmittelbar nach dem schrecklichen Zwischenfall postete, drücken die Menschen ihr Mitgefühl mit den Opfern sowie den Teilnehmenden des Berliner CSD aus.

Cologne Pride richtet sich an Berliner CSD

„Die schrecklichen Vorgänge, die zum Abbruch des Berliner CSDs geführt haben, schockieren uns zutiefst. Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und Angehörigen! Wir stehen mit allen Menschen in Berlin, der Berliner Community, mit dem Orga-Team des @csd.berlin.pride in tiefer Solidarität und Betroffenheit Seite an Seite“, heißt es in dem Post.

Erst vor wenigen Wochen hatten Hunderttausende Gäste aus aller Welt fröhlich und friedlich in Köln den CSD unter dem Motto „Für Queerrechte – Viele. Gemeinsam. Stark!“ gefeiert.

Hans Douma von der Cologne Pride hatte Anfang Juli eindringlich klargemacht: „Der CSD wird heute gebraucht wie nie zuvor auf unseren Straßen, ich sehe Hass und Hetze, und Menschen, die uns unsere Existenz absprechen wollen.“

Auch Berlin wollte ein starkes Zeichen setzen – und wurde durch den schrecklichen Angriff rund um den CSD, bei dem nach aktuellem Stand mindestens eine Frau starb und 16 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden, ausgebremst.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul warnte vor islamistischen Einzeltätern. „Der mutmaßliche Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin macht erneut deutlich, welche Gefahr von islamistischen Einzeltätern ausgeht – Menschen, die ohne Vorwarnung losziehen und Anschläge begehen“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

„Was für eine abscheuliche Tat in Berlin“, schrieb auch Friedrich Merz auf X. „Hunderttausende Menschen aus aller Welt feierten friedlich beim Christopher Street Day. Sie wollten, dass wir gut und tolerant miteinander umgehen. Das ist ein Angriff auf unsere Gesellschaft.“ Der Bundeskanzler wurde unmittelbar nach der Tat informiert.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bot den Landesbehörden Unterstützung an. Nach Angaben eines Regierungssprechers steht Merz mit Dobrindt in engstem Kontakt und wird von den Sicherheitsbehörden fortlaufend unterrichtet. Der Bundesinnenminister sei im ständigen Austausch mit den Behörden des Landes Berlin.

„Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst“, erklärte Dobrindt. „Meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen und allen, die diese Tat miterleben mussten.“ Der CSU-Politiker dankte den Einsatzkräften. „Wir werden alles daransetzen, diese schreckliche Tat und ihre Hintergründe schnell aufzuklären und zu ahnden.“

Aktuell fahndet die Polizei nach mindestens einem Tatverdächtigen. Der 21-jährige, polizeibekannte Abdul B. ist flüchtig. Die Behörden ermitteln „aufgrund des Verdachts eines Anschlags“ gegen ihn.

Moderatorin: „Was heute passiert ist, hat etwas in mir verändert“

Fassungslosigkeit auch bei Ricarda Hoffmann. Sie führte tagsüber noch durch das Programm des Christopher Street Days in Berlin: „Gerade fehlen mir eigentlich die Worte“, schrieb die Moderatorin auf Instagram. „Was heute passiert ist, hat etwas in mir verändert.“

Hofmann hatte am Samstag das Hauptprogramm beim CSD am Brandenburger Tor moderiert. In der Nähe des Potsdamer Platzes fuhr später am Abend ein Autofahrer am Tiergarten in eine Menschenmenge. Mindestens ein Mensch starb, etliche weitere Menschen wurden teils schwer verletzt.

„Ich war heute beim CSD“, schrieb Hofmann weiter in ihrem Post. „Nicht nur als Moderatorin, sondern als Teil einer Community, die zusammenkommt, um sichtbar zu sein. Um Liebe zu feiern. Um füreinander einzustehen.“ (dpa/susa)

Marie-Luise Nikuta beim Auftritt auf der Bühne.
Verein startet Ideenwettbewerb
Ein Denkmal für die „Mottoqueen“