Herzlos-Aktion Kölner fassungslos: Geschäft baut Nagelbretter auf, um Obdachlose loszuwerden

Nagelbretter liegen im Eingangsbereich eines Schuhgeschäfts in der Kölner Innenstadt.

Im Eingangsbereich eines Schuhgeschäfts in der Kölner Innenstadt wurden am Mittwochabend (24. August) zwei Nagelbretter befestigt, um Obdachlose fernzuhalten.  

In Köln hat es einen kuriosen Einsatz des Ordnungsamtes gegeben. Der Grund: ein von Mitarbeitenden eines Geschäfts aufgestelltes Nagelbrett.

Ein Schuhgeschäft in der Kölner Innenstadt hat eine drastische Maßnahme gegen Obdachlose ergriffen. Vor dem Laden an der Ehrenstraße hat eine Mitarbeiterin zwei Nagelbretter aufgestellt, damit Obdachlose nach Ladenschluss nicht dort schlafen.

Die gefährlichen Bretter wurden vom Ordnungsamt am Mittwochabend (24. August) entfernt. Die Mitarbeiterin erklärt bei EXPRESS.de, warum sie so gehandelt hat.

Seit Anfang des Jahres gebe es immer mehr Obdachlose auf der Ehrenstraße. Die wohnungslosen Menschen schlafen in der Nacht oft in Geschäftseingängen. Wie auch vor dem Schuhgeschäft, wo es eine Nische am Eingang gibt.

„Ich habe nichts dagegen, dass die Menschen vor unserem Laden schlafen. Sie sollen es aber bitte so verlassen, wie sie es vorgefunden haben“, sagt die leitende Mitarbeiterin, die das Nagelbrett aufgestellt hat.

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Köln: Geschäft stellt Nagelbretter auf, um Obdachlose loszuwerden

Da sie aus eigener Initiative die Nagelbretter angebracht habe, wie sie sagt, fürchtet sie eine Rufschädigung der Firma, für die sie arbeitet. Aus diesem Grund wird der Name nicht genannt. Die Nagelbretter habe sie selbst mit einem Akkuschrauber und Winkeln gefertigt. Sie wurden am Eingang des Geschäfts mit Ketten festgemacht, damit niemand dort schlafen kann. Mit Klebeband wurde der Eingang zusätzlich versperrt.

Zudem hat die Mitarbeiterin ein Schild aufgehängt. Ein Auszug draus: „Leider sind wir gezwungen, den Türzugang von einem nächtlichen, ungebetenen Gast, zu schützen, welcher uns regelmäßig seine Exkremente und seinen Müll hinterlässt. Wir ertragen diese Schweinereien und Gerüche nicht mehr.“

Ein Aushang an einem Schuhgeschäft in Köln mit dem Hinweis auf ein Nagelbrett im Eingangsbereich.

Mit diesem Aushang, aufgenommen am Mittwoch (24. August), informierte das Geschäft die Kundschaft über die Maßnahme. 

Warum sie sich für solch eine Maßnahme entschieden hat, erklärt die Frau weiter im Gespräch mit EXPRESS.de: „Jeden Morgen müssen wir hier 45 Minuten die Ausscheidungen von Menschen wegmachen. Wir haben schon mehrfach die Polizei gerufen. Nach einem Platzverweis kommen sie nach zwei Stunden zurück. Unsere Kundschaft und die Nachbarschaft beschweren sich über den schlimmen Gestank. Ich bin fertig mit den Nerven. Das war eine Notlösung.“

Andere Obdachlose würden auch Inventar von Geschäften beschädigen oder Geschirr vom Café auf Bedienungen werfen. Es gebe aber auch Obdachlose, wie eine Frau, die mit ihrem Hund in der Gegend bekannt sei, die friedlich sei und keine Probleme mache. „Ihr wird auch etwa mit Essen geholfen. Auch von uns“, sagt die Schuhverkäuferin.

Ganz kleinlaut gibt sie dann noch zu, dass es „eine doofe Idee“ gewesen sei, die Nagelbretter am Eingang des Geschäfts anzubringen. Sie habe am Donnerstag (25. August) vorgehabt, die Nägel zu entfernen. Das habe auch nichts mit dem Einsatz des Ordnungsamtes am Vorabend zu tun, wie sie sagt.

Ein Passant, der den Einsatz mitbekommen hat, ist entsetzt. Im Gespräch mit EXPRESS.de sagt der Kölner: „Wir laufen hier durch Köln, wo alle von Toleranz und Hilfsbereitschaft sprechen und dann sieht man sowas. Was ist, wenn da jemand reinfällt? Der ist doch tot. Sowas gehört sich doch nicht. Da hätten sich die Mitarbeiter des Geschäfts sicher etwas anderes einfallen lassen können.“

Für die Mitarbeiterin könnte der Fall noch Konsequenzen haben. Wie eine Sprecherin der Stadt Köln auf Anfrage mitteilte, führt das Ordnungsamt die weiteren Ermittlungen und „prüft ein Verfahren gegen die mutmaßlichen Verursacher“, so die Sprecherin.

Das Ordnungsamt habe nach Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern eingreifen müssen, um eine bestehende Gefahr für die öffentliche Sicherheit abzuwehren.

Die Feuerwehr musste dem Ordnungsamt noch Amtshilfe leisten, weil die Bretter mit Ketten an der Eingangstür fixiert worden waren und von den Einsatzkräften mit einem Bolzenschneider gelöst werden mussten.

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