„Was rauchen die?” Auch Angriff auf die OB: Stimmen zu Kölns Corona-Fußgängerzone

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Am Eigelstein herrscht derzeit ein großes Verkehrschaos.

Köln – Chaostage am Eigelstein. Seitdem die Stadt in dem urkölschen Veedel eine Corona-Fußgängerzone eingerichtet hat, herrscht Verkehrschaos. Einbahnstraßen wurden im Viertel gedreht, unsinnige Verkehrsführgen, die zu gefährlichen Situationen führen, verwirrende Verkehrsschilder, Autos ignorieren reihenweise die Durchfahrtsverbote ...

Am Dienstag (21. Juli) konnte man allerdings noch nichts von der neuen Corona-Fußgängerzone erahnen (hier lesen Sie mehr).

Anwohner und Geschäftsleute sind stinksauer. Jetzt meldet sich auch die Politik zu Wort. Und wie! Die städtischen Verkehrsplaner und auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker bekommen ihr Fett weg.

Corona-Fußgängerzone: Jörg Frank von den Grünen äußert sich über die Eigelstein-Situation

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Jörg Frank, Ratspolitiker der Grünen, hat dort seinen Wahlkreis. Und er ist sauer. Der ursprüngliche Beschluss der Bezirksvertretung habe die Schaffung von 240 Metern „autofreie Zone am Eigelstein“ vorgesehen – vom Tor bis zur Einmündung Weidengasse, so Frank: „240 Meter sind nicht viel – wahrscheinlich die kleinste Fußgängerzone der Welt.

Die Verwaltung möchte nur 70 Meter realisieren und schafft das von mir befürchtete Verkehrschaos mit neuen Gefahren für Fußgänger und Radfahrer – das ist höchst fahrlässig.“

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Jörg Frank ist seit 1984 Mitglied bei den Grünen.

Als Sündenbock macht der Grüne den Leiter des Amtes für Straßen- und Verkehrstechnik aus. Frank: „Es ist offensichtlich, dass der Amtsleiter den politischen Mehrheitswillen sabotieren möchte. Ob dies parteipolitisch begründet ist, er ist SPDler , die gegen die Verkehrsberuhigung ist oder ideologische Verblendung (Gralshüter der „autogerechten Stadt“) sei dahingestellt. Was haben der Amtsleiter und seine Leute eigentlich geraucht, um auf eine solche Schnapsidee zu kommen?“

Diese Umsetzung sei ein Armutszeugnis und belege, dass „die Verwaltung Politik macht statt politische Beschlüsse als Dienstleister für die Bürgerschaft umzusetzen“.

Der Grüne kritisiert auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker und sagt: „Es ist aber auch ein Armutszeugnis für die Oberbürgermeisterin, die diese Stümperei per Pressemitteilung auch noch begrüßt, statt gegenüber dem Amtsleiter auf die Umsetzung des BV-Beschlusses zu bestehen. Denn auch sie ist Rats- und BV-Beschlüssen verpflichtet.“

Hier lesen Sie mehr: EXPRESS-Kommentar zum Eigelstein-Verkehrschaos: Stümperhaft: Hier packt sich nicht nur dat dicke Rita an den Kopf

Jörg Frank fordert: „Diese Stümperei muss nun rasch beendet werden, in dem die beschlossene Variante umgesetzt wird. Dazu bedarf es nur weniger Tage (Schilder aufstellen), da bauliche Maßnahmen nicht notwendig sind.“

Corona-Fußgängerzone: Regina Börschel (SPD) wohnt im Eigelsteinviertel

Regina Börschel, Fraktionschefin der SPD in der Bezirksvertretung schimpft: „Die Situation ist chaotisch!“ Die SPD-Politikerin sagt weiter: „Dass nach den Veränderungen viele Autofahrer nicht wissen, wie sie fahren sollen, kann nicht überraschen. Durch die ständigen Fahrtrichtungswechsel auf dem Eigelstein wird die Situation nicht besser.“

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Regina Börschel ist in Köln geboren und lebt im Eigelsteinviertel.

Völlig unbefriedigend sei die Situation für den Stavenhof und direkt vor der Torburg. Ferner seit das Verhältnis von Fußgängern und Radfahrern problematisch. Börschel weiter: „Soll der Eigelstein eine Fußgängerzone werden, wie immer vollmundig gefordert und versprochen wurde? Dann haben sich Radfahrer an den Fußgängern zu orientieren. Oder will man deutlich verbreiterte Fußgängerwege und in der Mitte den Radverkehr? Dann hat man keine Fußgängerzone. Für mich ist das keine Haarspalterei. Dahinter stehen unterschiedliche Konzepte. All diese Probleme aber waren für mich vorhersehbar. Dafür brauche ich keine Glaskugel.“

Deshalb fordere die SPD immer noch: „Ein Verkehrskonzept, das für das Veedel funktioniert und nicht auf eine Straße alleine fokussiert ist. Viele Anwohner des Stavenhof und der Eintrachtstraße heben einen dicken Hals ... Eine breite Bürgerbeteiligung hätte dem Projekt gut getan – gerade weil wir alle das Beste für unser Veedel wollen.“

Corona-Fußgängerzone: CDU-Politiker Florian Weber will Bürger beteiligen

CDU-Politiker Florian Weber, Chef des Ortsverbandes Innenstadt-Nord, beurteilt die aktuelle Situation so: „Eigentlich ist es wie immer am Eigelstein: Jeder macht was er will. Wir müssen fair bleiben, wir befinden uns noch mitten in der 5-tägigen Umbauphase. Ab Samstag beginnt dann offiziell der Testlauf.“

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Der CDU-Politiker ist Chef des Ortsverbandes Innenstadt-Nord und hat sich nun zum Eigelstein-Verkehrschaos geäußert.

Der CDU-Politiker fordert: „Drei Wochen nach Umsetzung der Maßnahme sollten Verwaltung, Anwohner, Geschäftsleute und eine erste Zwischenbilanz ziehen. Sollten dann Änderungen und Optimierungen sinnvoll oder sogar notwendig sein, ist darüber ergebnisoffen zu sprechen.“ Eines sei für Weber jetzt schon klar: „Die engagierte Diskussion der Anwohner und Geschäftsleute rund um den „Testlauf“ zeigt, dass die im Vorfeld ausgelassene Bürgerbeteiligung im Hinblick auf die finale Umgestaltung des Eigelstein zwingend nachzuholen ist.“

Corona-Fußgängerzone: FDP-Fraktionschef Sterck über die Situation am Eigelstein

Und so beurteilt Ralph Sterck, Fraktionschef der FDP im Rat die aktuelle Situation: „Der Eigelstein ist eine funktionierende Einkaufsstraße mit einem tollen Flair! Gerade in diesen Coronazeiten wäre ich vorsichtig, Maßnahmen umzusetzen, die den Einzelhandel gefährden. Und wegfallende Durchfahrts- und Parkmöglichkeiten bringen die Gefahr rückläufiger Einkäuferfrequenzen.

Was fordern die Liberalen jetzt?

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Ralph Sterck ist Fraktionschef der FDP in Köln.

Sterck: „Der Parkdruck am Eigelstein und den benachbarten Veedeln steigt von Jahr zu Jahr. Parksuchverkehr belastet Anlieger und Umwelt. Es wäre sträflich, den Ebertplatz umzugestalten, ohne darunter eine Tiefgarage zu realisieren!“

Corona-Fußgängerzone: Burkhard Wennemar hat sich zu Wort gemeldet

Der Bürgerverein Eigelstein hat sich stets für einen autofreien Eigelstein stark gemacht. Mit der aktuellen Situation durch vorgezogene Umgestaltung nur eines Teilstücks zur Fußgängerzone ist auch der Vorsitzende Burkhard Wennemar nicht zufrieden.

Hier lesen Sie mehr: Eigelstein wird autofrei: Köln richtet die erste Corona-Fußgängerzone ein

Er sagt: „Wir fordern, dass die provisorische Maßnahme gemäß der beschlossenen Planung umgesetzt wird. Das heißt, dass der Verkehr von der Lübecker Straße über den Gereonswall abgeführt wird und der Verkehr vom Thürmchenswall in die Greesbergstraße. So wäre der gesamte Bereich rund um die Torburg autofrei.“

Außerdem sollte seiner Meinung nach am Beginn der Lübecker Straße ein Schild „Anwohner frei“ aufgestellt werden, um von vorn herein zu verhindern, dass dort der Durchgangs- und Parksuchverkehr des Eigelstein reinfährt. Darüber hinaus sollte von der Turiner Straße eine Zufahrt zum REWE-Parkplatz an der Dagobertstraße entstehen, damit Autos, die dort parken wollen, nicht quer durchs Veedel fahren müssen.

Wennemar abschließend: „Zu allen Punkten sind wir bereits in engen Gesprächen mit der Verwaltung bis hin zur Oberbürgermeisterin.“

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