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Kosten, Zeitpunkt, MachbarkeitPläne für neuen Kölner Bahnhof vorgestellt

Nicht wiederzuerkennen: Die Ferngleise im Deutzer Bahnhof gibt es nicht mehr. Es ist genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer.

Copyright: Visualisierung: Neue Mitte Köln

Nicht wiederzuerkennen: Die Ferngleise im Deutzer Bahnhof gibt es nicht mehr. Es ist genügend Platz für Fußgänger und Radfahrer.

Revolution in Köln? Ein neuer Bahnhof in Kalk soll den Hauptbahnhof entlasten und die Hohenzollernbrücke zum Park machen.

Ein kühner Plan aus einer Bürgerstudie: Ein neuer Bahnhof soll den Kölner Hauptbahnhof entlasten – was für eine Vision!

Kaum ist der S-Bahn-Ausbau für den Hauptbahnhof und Deutz beschlossene Sache, legt der Verein Neue Mitte Köln einen Hammer-Vorschlag auf den Tisch. Die private Initiative um den Architekten Paul Böhm will einen komplett neuen Fernbahnhof in Kalk errichten. Das Ziel: den Hauptbahnhof entlasten. Böhm präsentierte am Donnerstag erste Resultate einer Bürgerstudie und möchte damit eine Diskussion „über die nächsten 30 Jahre“ anstoßen.

Was steckt hinter dem Mega-Plan?

Hier geht es nicht um einen fix und fertigen Plan, sondern um eine entscheidende Richtungsänderung für die nächsten Jahrzehnte. Es geht darum, heute die Grundlagen für eine Zukunft zu legen, die wir uns noch gar nicht ausmalen können. Paul Böhm bringt es auf den Punkt: „Wenn wir einen Teil des Fernverkehrs auf die rechte Rheinseite verlagern, lösen wir damit nicht alle Probleme, über die wir in Köln seit Jahren sprechen. Aber wir verändern die Statik an einem entscheidenden Punkt. So entstehen neue Spielräume.“ Die Kernfrage lautet: Wie kann die Stadt ihre Verkehrsprobleme lösen und zugleich Platz für Wohnraum, Parks und wirtschaftliches Wachstum finden?

Ein Traum für alle Fußgänger und Radfahrer: Auf der Hohenzollernbrücke fällt die Bahntrasse gar nicht mehr auf.

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Ein Traum für alle Fußgänger und Radfahrer: Auf der Hohenzollernbrücke fällt die Bahntrasse gar nicht mehr auf.

Moment mal – ist nicht alles schon beschlossen?

Ja, das ist richtig. Vor über einer Dekade hat der Verkehrsverband Go.Rheinland seine Pläne präsentiert. Die Anzahl der S-Bahn-Strecken soll sich bis 2040 von fünf auf zehn erhöhen. Wichtige Vorhaben wie der Ausbau der S 11 zwischen Hansaring und Bergisch Gladbach, inklusive Hauptbahnhof und Deutz, haben bereits eine Finanzierung. Zudem befindet sich die Erweiterung der S 13 von Troisdorf nach Bonn-Beuel schon in der Umsetzung.

Wird jetzt alles über den Haufen geworfen?

Auf keinen Fall. Die bestehenden Ausbaupläne bis 2040 bleiben unangetastet. Der Verein Neue Mitte Köln blickt aber weiter in die Zukunft. Ihre Annahme ist, dass der Zugverkehr nach 2040 noch stärker zunehmen wird. Dann würde der Hauptbahnhof trotz aller Umbauten auf lange Sicht ein Nadelöhr bleiben.

Was bringt ein Bahnhof in Kalk überhaupt?

Züge auf der Nord-Süd-Strecke, zum Beispiel von Dortmund nach Frankfurt/Main, könnten bis zu 15 Minuten schneller sein. Der Grund: Sie müssten nicht mehr den Rhein überqueren. Dadurch entstünde am Hauptbahnhof mehr Kapazität für Regionalzüge und S-Bahnen. Aber keine Sorge, der Hauptbahnhof wird nicht komplett vom Fernverkehr abgekoppelt. Verbindungen nach Paris, Brüssel und zukünftig auch London sollen weiterhin dort stoppen.

Kaum vorstellbar: Von der Bahntrasse zwischen dem Hauptbahnhof und dem Hansaring sind nur noch zwei S-Bahngleise übrig.

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Kaum vorstellbar: Von der Bahntrasse zwischen dem Hauptbahnhof und dem Hansaring sind nur noch zwei S-Bahngleise übrig.

Und was passiert mit dem Bahnhof in Deutz? Ein Teil des Verkehrs von Nord nach Süd nutzt ja bereits heute die dortige Tiefebene.

„Für den Bahnverkehr bräuchten wir die nicht mehr“, erklärt Anton Böhm, Architekt und Kontaktperson des Vereins Neue Mitte. „Die gesamte Trasse könnte zu einem Schnellweg für Fahrräder werden.“

Bei einem Fernbahnhof in Kalk wäre der Dom für die meisten Fernreisenden nicht mehr direkt erreichbar. Ein Umstieg wäre nötig.

„Das stimmt“, bestätigt Anton Böhm. „Die Verbindung zwischen dem Kalker Fernbahnhof und dem Hauptbahnhof ließe sich aber durchaus mit einem automatisierten Shuttlebetrieb organisieren.“

Der Breslauer Platz ohne Busbahnhof und Musical Dome.

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Der Breslauer Platz ohne Busbahnhof und Musical Dome.

Wo genau soll der neue Bahnhof hin?

Geplant ist das Gelände des Rangierbahnhofs in Kalk, eine Fläche von etwa 30 Hektar. Die Vision geht aber noch weiter: Würde der komplette Güterverkehr von dort auf die linke Rheinseite ins Tagebaurevier verlegt (das bis 2033 stillgelegt wird), wäre in Kalk zusätzlich Platz für neue Wohnungen. „Das Netz der Werksbahnen von RWE ist 300 Kilometer lang und wird nur noch bis 2035 genutzt“, erläutert Anton Böhm. „Es ist prädestiniert für den Güterverkehr.“

Und was ist Plan B?

Auch für diesen Fall liefert die Studie eine Lösung. Der neue Fernbahnhof müsste dann einfach eine Etage höher, also auf einer zweiten Ebene über den vorhandenen Gleisen für den Güterverkehr, errichtet werden.

Wie teuer wird der ganze Spaß?

Die Studie nennt für den Bau des Bahnhofs und der neuen ICE-Trasse in Kalk Kosten von bis zu zwei Milliarden Euro. Das wäre die teuerste Option, bei der der Bahnhof über dem Güterbahnhof gebaut wird. Die günstigste Alternative wird auf 800 Millionen Euro geschätzt, vorausgesetzt, das Projekt wird bis 2060 realisiert.

Wer steckt hinter dieser verrückten Idee?

„Am Anfang stand da eine fixe Idee meines Vaters“, erzählt Anton Böhm. „Über die Hohenzollernbrücke komplett ohne Zugverkehr als Park für Fußgänger und Radfahrer und die historische Bahnhofshalle als Kultur- und Marktplatz sei damals viel debattiert worden. Das waren damals erste Skizzen, entstanden mit ein paar Freunden, die Verkehrsplaner sind oder waren. Und dann haben wir eben diesen Verein gegründet.“

Was halten die Kölner von dem Plan?

„Sie sind durchaus bereit für eine große Idee“, erklärt Stephan Grünewald, der Geschäftsführer des Rheingold-Instituts. „Aber sie wollen verstehen, wo wir anfangen und wie daraus Schritt für Schritt etwas Neues entstehen kann. Der überzeugendste Ausgangspunkt ist die Mobilität. Wenn es gelingt, den Engpass im Herzen Kölns aufzulösen, atmet die Stadt auf.“ Besonders gut kommt die Vorstellung an, bisherige Gleisflächen in grüne Oasen für Fußgänger und Radfahrer umzuwandeln. In der Untersuchung wird diese grüne Route als potenzielle neue „Lebensader“ für die Domstadt bezeichnet. Laut Grünewald assoziieren die Teilnehmer damit Freiraum, Treffpunkte, sichere Wege und das Gefühl, sich die Stadt von der Bahn zurückzuerobern.

Grüne Oasen statt Gleisschotter?

Absolut. Das gehört zur Vision dazu. Bei einem neuen Fernbahnhof wären nicht mehr alle sechs Gleise der Hohenzollernbrücke nötig. Auch der Bahnhof in Deutz könnte verkleinert werden.

Und wie geht es jetzt weiter?

Der Verein Neue Mitte plant, bis Ende März 2027 den finalen Bericht zur Wirkungsstudie zu präsentieren. Im Anschluss müsste eine Machbarkeitsstudie folgen, für deren Finanzierung Bund und Land aufkommen müssten. „Unsere Studie ist ja schon sehr detailliert“, meint Anton Böhm. „Das wäre dann noch einmal ein viel größerer Rahmen.“ (red)

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