Kult-Lokale Teil 6 „Stiefel“: Kwartier-Jeföhl für Jennifer Lawrence und Studenten

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US-Filmstar Jennifer Lawrence war im „Stiefel“ zu Gast.

Köln – Kölns Kult-Lokale sind Schauplätze kleiner und großer Geschichten. In der EXPRESS-Serie schrieben wir bislang über das legendäre „Chlodwig Eck“, das „Ristorante Luciano“, den „Kurfürstenhof“, das „Kebapland“ und das berühmte „Klein Köln“. Heute führt uns die Serie mitten ins Studentenviertel, in die Eckkneipe „Stiefel“, die zum Absacken schön ist.

Stephan Freund (50) ist Chef im „Stiefel“, einer der lautesten, härtesten, rockigsten Kneipen Kölns. Begegnungen der besonderen Art sind ihm nicht fremd.

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Stiefel“-Wirt Stephan Freund am „Hopkins“-Gedenkplatz.

Als er 1983, nach seiner Lehre zum Restaurantfachmann, im Hotel  „Interconti“ Keith Richards von den Rolling Stones eine weitere Flasche Gin aufs Zimmer brachte, lag der regungslos auf der Couch.

Alles zum Thema Jennifer Lawrence

„Hello. Mr. Richards?“, habe er gesagt und versucht, dem Gast ein Augenlid hochzuschieben. Richards rührte sich nicht, aber er war auch nicht tot.

Stiefel

Zülpicher Straße 18

Gegründet: 1951

Betreiber: Stephan Freund

Publikum: Studenten und die, die es mal waren, und als gemachte Leute zurückkommen, um sich an die alten Tage zu erinnern. Leute, die gern Rock hören.

Hollywood zu Gast auf der Zülpicher

„Ich bin soviel Prominenten begegnet, ach…“, winkt er ab. Und doch: Natürlich war es der Hammer, als 2014 Hollywood auf der Matte stand, weil die Filmscouts den abgeranzten „Stiefel“ mit seinem Schummerlicht, dem Kronleuchter aus Gaffel-Flaschen, den beschmierten Wänden und der Graffiti-Hausfassade als einzigartige Kulisse entdeckt hatten. 

Szenen des Action-Thrillers „Autobahn“ mit Anthony Hopkins (spielt einen Drogenboss) und Ben Kingsley (spielt einen exzentrischen Gangster, US-Titel „Collide“, Filmstart voraussichtlich im Herbst) wurden in Freunds Kneipe gedreht.

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Hauptdarsteller Nicholas Hoult in einer Szene aus „Autobahn“, gedreht auf der Zülpicher Straße.

Was verborgen blieb, war der unerwartete und verzückende Besuch von US-Superstar Jennifer Lawrence im Kwartier Latäng. Die, die es bemerkten, trauten ihren Augen nicht. Die preisgekrönte US-Schauspielerin („Die Tribute von Panem“, Oscar für ihre Rolle in „Silver Linings“ neben Bradley Cooper und Robert DeNiro,  „Golden Globe“ u.a. für „American Hustle“) war eingeflogen, um ihren Freund Nicholas Hoult zu treffen – der Brite spielt in „Autobahn“ eine weitere Hauptrolle.

Der „Stiefel“-Chef erinnert sich: „Am Abend zuvor rief die Security an und erkundigte sich nach Fluchtwegen – für den Fall, dass es durch den Besuch von Jennifer Lawrence  zu viel Wirbel gibt.“

Jennifer Lawrence trank Kölsch mit der Crew

In der Ecke hinten rechts schließlich hatte der Filmstar mit ihrem Freund und etwa 20 weiteren Gästen aus der Filmcrew einen schönen Abend.  „Sie hat Kölsch getrunken und wir haben uns über die Stadt unterhalten“, sagt einer, der dabei  war, „sie ist ganz easy“.

Der Trip nach Köln konnte allerdings die Beziehung von Lawrence und Hoult nicht retten. Drei Jahre, nachdem sich die beiden bei den Dreharbeiten zu „X-Men: Erste Entscheidung“ kennengelernt hatten, ging die Liebe in die Brüche. Sie sollen sich wegen ihrer Arbeit zu wenig gesehen haben…

Drehtage schrieben Veedel-Geschichte

„Stiefel“-Chef Freund sitzt jetzt auf dem Platz, an dem Anthony Hopkins im Film von einer Maschinengewehrsalve heimgesucht wird. Der als „Hannibal Lecter“ zur Film-Ikone gewordene Superstar hat sein Autogramm auf der Wand dahinter verewigt, Freund hat zum Schutz eine Glasplatte darüber angebracht.

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Der Blickfang auf der Zülpicher Straße, Ecke Heinsbergstraße.

Die vier Hollywood-Drehtage im Mai 2014 haben im Viertel Geschichte geschrieben. Am Sonntag damals hieß es plötzlich, die Zülpicher Straße müsse auch für die KVB komplett gesperrt werden. Auf allerhöchsten Ebenen wurden hektische Telefonate geführt, eine Krisen-Diplomatie führte schließlich dazu, dass sich die Filmemacher um Regisseur Eran Creevy durchsetzen konnten.

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Der Kicker im „Stiefel“ gehört zum wichtigen Kneipen-Inventar, der Wirt selbst ist Profi am Tisch.

Kneipe war einst Schuster-Werkstatt

Eigentlich kann Stephan Freund aus allen seinen Karrierestationen bewegte Geschichten erzählen: Der gebürtige Leverkusener arbeitete im Steigenberger-Hotel in Düsseldorf, war Oberkellner im Vorstands-Kasino der Bayer AG und bediente die Bosse, er übernahm die Bar „Lotte“ im Friesenviertel, dann den „Haifischclub“ in der Südstadt, arbeitete im Golfclub in Pulheim und übernahm schließlich 2012 den „Stiefel“, der so heißt, weil sich hier seit der Kaiserzeit bis Anfang der 50er Jahre die Werkstatt eines Schusters befand – schon die hieß „Stiefel“.

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Heute ist der Stiefel vorrangig Anlaufstelle für Studenten.

Von Jazz über Punk zu den Studis

Später wurde es ein Jazzlokal, dann einer der größten Punker-Treffs der Stadt. Heute kommen meist Studenten in den Schuppen mit der Pendeltür und dem Kicker, an dem der Wirt sogar Ligaspiele austrägt: „Noch gestern Abend habe ich mit meinem Team gewonnen. 16 zu 4.“

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