Kult-Lokale Teil 2 „Ristorante Luciano“: Star-Treff und „Double-Pasta“ für FC

Köln – Kölns Kult-Lokale – die neue EXPRESS-Serie führt sie in die faszinierende Welt der geselligen Runden, diskreten Treffs und bizarren Begegnungen, in Kneipen, Cafés und Restaurants, die Geschichte(n) geschrieben haben. So wie das „Ristorante Luciano“!

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Nunzio Frau begann 1975 als Kellner und ist heute der Chef des „Ristorante Luciano“.

Tage und Abende im „Ristorante Luciano“ sind immer gleich: Entweder ist ein Nobelpreisträger da, ein Olympiasieger, der Vorstandschef einer Kölner Versicherung, der Boss einer Kölner Bank, der Chef einer Brauerei, ein Verleger oder Intendant, ein Hollywoodstar, ein Minister, Kanzler oder Präsident – oder Gerhard Richter, der berühmteste Maler der Neuzeit.

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Der Gastgeber Luciano Falvini (79) blättert im Gästebuch: Eine große Zeitreise.

Jeder Promi hat hier seinen Platz

An dem Freitag, an dem Hans-Dietrich Genscher starb, ist Professor Richter, Ehrenbürger der Stadt Köln, um 19 Uhr mit dem Taxi an der Marzellenstraße eingetroffen, ist mit einem Begleiter (ein US-Fotograf) an der Tür empfangen worden und hat sich an seinen angestammten Fensterplatz, zur Straße hin, gesetzt.

Ristorante Luciano

Marzellenstraße 68-70

Gegründet: 1969

Betreiber: Nunzio Frau

Publikum: Alles, was Rang und Namen hat - lokal, national, international.

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Ein Blick in den Speiseraum.

17 Tische in einem überschaubaren Raum. Weiße Gardinen. Eine offene Küche. Und der italienische Hausherr immer anwesend. So wurde das „Ristorante Luciano“, das Luciano Falvini 1969 eröffnete, zum wichtigsten und familiärsten Kölner Treffpunkt der Prominenz.

Stammgast Gerhard Richter

Gerhard Richter kommt schon seit den 70er-Jahren in das Restaurant im Bahnhofsviertel, wo sich nur wenige Meter entfernt an der Grenze zum Eigelstein die ICE auf den letzten Metern zum Hauptbahnhof schieben. 

Er ist ein sehr freundlicher Gast und nimmt sich sogar Zeit für einen kleinen Plausch am Tisch des EXPRESS-Reporters. Dieser erzählt dem Künstler von seiner ersten gemeinsamen Reise mit Ehefrau und Kind in Richters Geburtsstadt Dresden, und dort in die Galerie Neue Meister, in der seine Werke hängen. Gerhard Richter sieht sich die Erinnerungsfotos auf dem iPhone an und schmunzelt: „Ich habe nur ein kleines Handy...“

Professor Richter ist der bestangezogenste Herr an diesem Abend. Drei Meter weiter steht HA Schult, einer der größten deutschen Aktionskünstler, am Kopf des Tisches und spricht zu seiner sechsköpfigen Tischgesellschaft. Schult trägt zur weiten schwarzen Hose einen schwarzen Schlabberpulli.

Hausverbot für HA Schult ist vergessen

Einmal, es war tagsüber und am regnen, kam HA Schult, der mit zwei Russen seine „Müll-Menschen“ für Moskau projektiere wollte, mit zwei großen Hunden ins „Ristorante“. Sie schüttelten sich zwischen den weißen Tischdecken erstmal kräftig ab, dann bestellte Schult den beiden einen Napf Wasser. So erzählt es Luciano. Ihm war diese Eskapade zu viel, HA Schult bekam Hausverbot. Die Sache ist mittlerweile ausgestanden, und Schult macht an diesem Abend einen sehr milden, zufriedenen Eindruck.

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Enge Verbindung zum FC

Bei der vielleicht verblüffendsten Geschichte aus dem „Ristorante Luciano“ kommt Tisch 16 ins Spiel. Der bescheidene Platz, der an die Theke grenzt,   gehörte Hennes Weisweiler – Riservato. Stets mit dem Rücken zum Eingang saß der Trainer also eines Tages da und hatte eine Idee.

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Weinregal und Promiwand.

Lucianos Koch, Salvatore di Guardo, sollte für den 1. FC Köln Nudeln zubereiten. Im Geißbockheim, samstags, immer mittags vorm Heimspiel. „Salvatore war selbst großer FC-Fan und stolz: Er machte hier die verschiedenen Soßen fertig, stieg ins Taxi und fuhr zum Kochen zum FC“, erzählt Nunzio (56), damals Kellner im Luciano.

Von Alfredo bis Salvatore: Die großen Italiener Kölns

Klangvolle Namen: Die anderen großen Italiener der Stadt neben Altmeister Luciano – das war zum Beispiel der legendäre Rino Casati, der sein gleichnamiges Restaurant am Ebertplatz betrieb. Das ist heute noch das „La Vita“ in der Kreishausgalerie an der Helenenstraße (dort seit 1991), das Promi-Wirt Salvatore Luca groß machte (Stars wie  Tina Turner, Angelina Jolie und Colin Farrell waren seine Gäste).

Unvergessen sind Gigi Campi und seine Eisdiele von der Hohe Straße, später der „Alte Wartesaal“ und das „Campi“ am Frankenturm. Das „Alfredo“ an der Tunisstraße (seit 1973, gegründet von Alfredo Carturan aus Padua) hat ebenso einen Spitzenplatz in der Geschichte der edlen und beliebten italienischen Gastronomen  Kölns.

Er übernahm das Geschäft vor sechs Jahren und führt es traditionsbewusst weiter - auch als Bewahrer der Anekdoten: „Salvatore war glücklich, als der FC in dieser Saison Meister und Pokalsieger wurde. Er bekam einen Fußball mit den Autogrammen aller Spieler geschenkt, den nahm er mit nach Sizilien.“

Deals mit Til Schweiger

Mal ging es also im Luciano um die Meisterschaft - und mal um eine Million Euro. Das erzählt Stammgast Michael Schmid-Ospach, ehemaliger  Chef der Filmstiftung NRW. Als solcher saß er vor Jahren mit Til Schweiger im „Ristorante“ zusammen und sprach mit ihm über dessen Rückkehr aus Hollywood, wo er sich versucht hatte.

„Es war das entscheidende Treffen. Es ging um die Frage, ob er von uns eine Million Euro für seinen Film "Barfuss" bekommt. Er hatte das Drehbuch mitgebracht und sagte, meine Tochter soll es mal lesen. Er war sehr gut drauf und überzeugend. Und "Barfuss" wurde einer seiner besten Filme.“

Am Tisch schräg zum Weisweiler-Platz nimmt schließlich ein weiterer Star der Kölner Kulturszene Platz, der Filmregisseur und Grimme-Preisträger Heinrich Breloer („Die Manns“, „Speer und Er“).

Gaffel nur aus der Flasche

Eigentlich, sagt Breloer, sei das „Bellini“ sein Lieblings-Italiener, aber der hat dicht gemacht, also sei man nun hier: „Haben sie frisch gezapftes Kölsch?“ Der Kellner muss passen, es gibt das Gaffel nur aus der Flasche. Der Regisseur sitzt mit zwei Damen und einem Herrn am Tisch, diese flüstern sich zu: „Da in der Ecke, der Gerhard Richter...“

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Das imposante Weinregal.

Als sich Breloer später verabschiedet, fragt er den Kellner: „Welche Nummer hat der Tisch da hinten. Ich glaube, da lässt sich besser reden als hier. Da sitzt der Maler.“

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