Schießerei am HBF Kölner „Hells Angels“-Mitglied entgeht nur knapp einer Haftstrafe

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Der angeklagte Hells Angel mit seinem Verteidiger Sebastian Schölzel.

Köln – Für den Staatsanwalt war der Fall klar: Zwei rivalisierende Rocker der Gruppierungen „Hells Angels“ und „Bandidos“ lieferten sich ein Schussduell „am helllichten Tag und in einer belebten Umgebung“, um ihre Streitigkeiten zu klären. Der Ankläger forderte beim Prozess vorm Amtsgericht eine Haftstrafe für das „Hells Angels“-Mitglied. Doch die Richterin zeigte sich milde. 

Hells Angel: Nach Playstation-Zocken total übermüdet 

Der Rocker (29) hatte zwar zugegeben, nach einer kurzen Nacht – er habe zu viel Fifa auf der Playstation gezockt – sehr gereizt auf den Kölner Bandidos-Chef reagiert zu haben, als er diesen zufällig in einem Steuerberaterbüro in der Nähe des Kölner Hauptbahnhofs getroffen habe. Der dort entstandene Streit sei aber privater Natur gewesen, Grund sei ein geplatzter Autoverkauf. 

Nachdem der Hells Angel den Bandido im Büro geschlagen hatte, folgte außerhalb des Gebäudes das Nachspiel. Dort soll der Bandido dann dem Hells Angel hinterhergeschossen haben, und der Hells Angel zurück. „Das hätte man auch auf einem abgelegenen Parkplatz austragen können“, sagte der Staatsanwalt, der insgesamt zweieinhalb Jahre Gefängnis forderte. 

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Richterin verhängt Bewährungsstrafe 

Verteidiger Sebastian Schölzel sagte, für einen Rocker-Hintergrund gebe es keinerlei Beweise. Auch stelle sich die angeklagte gefährliche Körperverletzung anders dar. Sein Mandant habe nicht mit dem Griff seiner Waffe zugeschlagen, wie vorgeworfen, sondern nur mit dem Arm, daher sei es nur eine einfache Körperverletzung. Schölzel forderte allenfalls eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. 

Die Richterin folgte dem Verteidiger, die Strafe lag mit zwei Jahren Haft noch gerade im bewährungsfähigen Bereich. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. „Die Motivation zur Tat konnte letztlich nicht geklärt werden“, sagte die Richterin. Vieles sei denkbar, ein Rockerhintergrund, Drogenschäfte oder tatsächlich der vom Angeklagten vorgetragene Autoverkauf. 

Nächste Schießerei am gleichen Tag 

Von der Hand zu weisen ist der Rockerhintergrund freilich nicht. Unbekannte beschossen noch am gleichen Tag nach der Schießerei am Bahnhof eine Bar in Buchheim, in der sich Mitglieder der Hells Angels aufgehalten haben sollen. 

Wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt. Es war der Höhepunkt des lange schwelenden Rocker-Krieges zwischen Hells Angels und Bandidos.

Gegen den im aktuellen Fall involvierten Bandido-Boss soll bald ein Verfahren vorm Landgericht beginnen.

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