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Ugur Sahin oder Salih Özcan Warum so viele Türken in Köln leben, liegt an dieser Firma

Ein Mitarbeiter am Band bei Ford.

Ein Ford-Mitarbeiter bei der Produktion eines Granada 1972 am Band bei Ford.

Das Anwerbeabkommen zwischen der Deutschland und der Türkei wird in diesem Jahr 60 Jahre alt. Köln spielt dabei eine besondere Rolle.

Köln. Biontech-Gründer Ugur Sahin, FC-Fußballer Salih Özcan oder Moderatorin Nazan Eckes: Diese Kölner Persönlichkeiten sind aktuelle Aushängeschilder der türkischen Diaspora in Deutschland. Sie sind Vorbild für viele, wenn es um Teilhabe am gesellschaftlichen Leben geht. Was sie verbindet ist, dass ihre Eltern oder Großeltern aus der Türkei zum Arbeiten hierhergekommen sind. Für die Gastarbeiter, also die erste Generation, war der Fordler Salih Güldiken schon viel früher ein Beispiel, dass man es als Ausländer in Deutschland zu etwas bringen kann.

Ohne das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei würden heute womöglich nicht knapp über 100.000 türkeisstämmige Menschen, von denen gut 50.000 mittlerweile eingebürgert sind, in Köln leben. Eine wichtige Rolle spielen die Kölner Ford-Werke dabei.

Köln: Ford holte die ersten Gastarbeiter nach Deutschland

Als erstes Unternehmen überhaupt in Deutschland begannen die Ford-Werke im Herbst 1961 mit der gezielten Anwerbung türkischer Arbeitskräfte. Grundlage war das Deutsch-Türkische Anwerbeabkommen, das am 30. Oktober 1961 in Bad Godesberg unterzeichnet wurde. Auch andere große Arbeitgeber wie die Deutz AG oder F&G in Köln, die Zechen und Metallindustrie im Ruhrgebiet oder andere Autobauer zogen nach, weil damals in Deutschland Vollbeschäftigung herrschte. So kamen übrigens auch Jugoslawen, Spanier, Portugiesen und Italiener hierher.

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Dass Köln bis heute das Zentrum der Türken im Ausland ist, liegt auch an den Ford-Werken und der Offenheit der Kölner. Die ersten türkischen Gastarbeiter kamen am 27. September 1961 mit dem Zug von Istanbul über Sofia, Belgrad und München am Bahnhof Köln-Deutz an und wurden direkt zu den Ford-Werken nach Köln-Niehl gebracht. Heute leben ungefähr fünf Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln in Deutschland, die meisten davon in Berlin.

Köln: Bei Ford arbeiten Menschen aus 90 Nationen

Dass in Köln die Zentralen der größten türkischen Verbände sitzen, ist daher kein Zufall. Denn in den Folgejahren folgten viele ihren Landsleuten in Wirtschaftswunderland und die Zahl der türkischen Belegschaft bei Ford stieg schnell an: 1965 beschäftigten die Ford-Werke bereits 6.277 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Türkei. Die größte Belegschaftsstärke (12.368) erreichten die türkischen Beschäftigten 1972. Bis heute ist diese Zahl wieder auf 2.245 gesunken. Bei Ford, wo heute Menschen aus 90 Nationen arbeiten, machen die Türken mit rund 20 Prozent den größten Anteil aus.

Köln: Fordarbeiter Salih Güldiken wurde in den Aufsichtsrat gewählt

Während die ersten türkischen Beschäftigten noch in Übergangswohnheimen wohnten, stellte Ford bereits ab 1962 den Neuankömmlingen neu errichtete und gut eingerichtete Wohnheime zur Verfügung. Zu Höchstzeiten gab es dreißig Wohnheime, etwa in Stammheim, wo auch eine Fähre zwischen den Ufern nach Niehl verkehrte. Das letzte Heim wurde erst 1998 geschlossen.

Salih Güldiken steht auf seinem Balkon.

Salih Güldiken 2001 in seiner Wohnung in Riehl mit Blick auf den Rhein.

Nur zurückgehen, fiel den Menschen schwer. Viele waren in Köln sesshaft geworden. Für die erfolgreiche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von der ersten Stunde an steht Salih Güldiken wie kein anderer. Er wurde 1978 mit zwei weiteren türkischen Kollegen in den Betriebsrat gewählt. Dann wurde er 1978 als erster Türke in den Aufsichtsrat eines deutschen Unternehmens berufen, dem er bis zu seiner Pensionierung 1997 bei Ford angehörte.

Für viele war Onkel Salih, wie er genannt wurde, ein Vorbild. Immer ein offenes Ohr, viel wichtiger: Er konnte gutes Deutsch. Er zeigte vielen, dass man es in Deutschland zu etwas bringen kann. Onkel Salih lebte noch als Witwer in seiner Wohnung in Riehl und ist letztes Jahr im Alter von 83 Jahren in Köln gestorben. Im EXPRESS sagte er mal: „Eines habe ich in Deutschland gelernt: Wenn du gut arbeitest, wird das auch gewürdigt.“

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