„Nie als Junge gefühlt“ Für Köln: Erste Trans-Frau (27) bald im Deutschen Bundestag?

Nyke Slawik lehnt sich in Köln-Mülheim an eine Wand. Wird sie die erste Trans-Frau im Deutschen Bundestag?

Wird die Kölner Kandidatin Nyke Slawik (27) die erste Trans-Frau im Deutschen Bundestag?

Köln. Sie wäre die erste Trans-Frau im Deutschen Bundestag! Doch auch unabhängig davon ist der Wahlkampf für die Kölner Politikerin Nyke Slawik (27) ein ganz besonderer. In ihrem Wahlkreis Köln-Mülheim tritt die junge Grünen-Politikerin gegen die politischen Schwergewichte Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU) an. Hat sie Chancen gegen die beiden Polit-Promis zu gewinnen?

Nyke Slawik: So kam es zum Trans-Outing der Jungpolitikerin

Die Affinität für Umwelt-Themen kam bei ihr durch den bekannten Dokumentarfilm von Al Gore: „Eine unbequeme Wahrheit.“ Schon als 16-Jährige haben sie die erschreckenden Bilder zur globalen Erwärmung zu ihrer Partei gebracht. Hinzu kam damals noch ein ganz privates Thema: Ihre Transsexualität. „Mit 16 habe ich meine Trans-Identität nach außen getragen und mich geoutet“, sagt Slawik über die prägende Zeit gegenüber EXPRESS.

Nyke Slawik (27) hat sich als Schülerin mit 16 Jahren geoutet

Noch während ihrer Schulzeit an einer katholischen Schule in Leverkusen sei sie kurz danach in die „Transition“ gegangen: In den Übergang zu ihrem „neuen“ Geschlecht als Frau, das für sie alles andere als neu war. Mit 18 änderte sie sofort ihren Namen und alle ihre Dokumente. „Weiblich, stand dann endlich überall“, sagt sie.

Grünen-Politikerin: „Mut für Outing habe ich bei Kölner Verein gefunden“

„Ich habe mich schon immer weiblich und nicht als Junge gefühlt. Als Kind hatte ich nur noch nicht die richtigen Worte dafür. Meinen Schlüsselmoment und den Mut dafür mich zu outen, den habe ich im „Anyway“-Verein in Köln erlebt. Hier habe ich mich sehr wohlgefühlt und andere LGBT-Jugendliche kennengelernt, die mir geholfen haben, zu mir selbst zu stehen“, sagt Slawik. Der Ausdruck „LGBT“ ist die aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender.

Die aktuelle Regenbogen-Flagge-Debatte rund um die UEFA sieht sie als Trans-Frau mit gemischten Gefühlen. „Einerseits freue ich mich sehr über die große Solidarität. Andererseits hoffe ich, dass man diese Zustimmung auch am 26. September auf dem Wahlzettel zu spüren bekommt“, so die Jungpolitikerin.

Nyke Slawik kritisiert Markus Söder: „Solidarität von CDU/CSU-Politikern ist oft geheuchelt“

Ihre Kritik: Politiker wie Markus Söder kritisieren zwar die UEFA-Entscheidung, die Münchener Allianz-Arena nicht in Regenbogenfarben leuchten zu lassen, aber blockieren gleichzeitig politische Entscheidungen, die wichtig für die Szene wären.

„Bayern ist zum Beispiel das einzige Land, das keinen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie hat“, kritisiert Slawik. „Die Solidarität von CDU-Politikern ist oft geheuchelt“, so der Vorwurf der Grünen-Politikerin.

Auch von NRW-Landesvater Armin Laschet (CDU) würde sie sich zum Beispiel mehr Engagement für Regenbogen-Familien wünschen. „Laschet verweist immer auf das Wahlprogramm, aber wenn sie darin nach dem Stichwort LGBT suchen, finden sie keinen einzigen Treffer“, sagt Slawik. Ein: „Modernes Deutschland“ (CDU-Wahlprogramm-Titel) sehe für sie anders aus. „LGBT-Personen sind anscheinend kein Teil davon und das ärgert mich sehr.“

Grünen-Politikerin und Trans-Frau: „Bekomme Hass, Beleidigungen und Häme zu spüren“

Trotz des Politik-Ärgers will sie sich zum Beispiel neben ihren Grünen-Themen Verkehrswende und mehr Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr weiterhin politisch für die LGBT-Szene einsetzen.

Doch schon jetzt merkt die Jungpolitikerin, dass dadurch die Anfeindungen deutlich zunehmen. „Ich bekomme häufig transfeindliche Nachrichten, Hass, Beleidigungen und sexistische Häme zu spüren“, so Slawik.

Köln-Mülheim: Gegen Serap Güler (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) – „spannender Wahlkreis“

Doch sie will dranbleiben, Gesicht zeigen und nichts weniger als im Herbst bei der Bundestagswahl gegen Karl Lauterbach (SPD) und Serap Güler (CDU) gewinnen.

„Ich fühle mich nicht eingeschüchtert und nehme das sportlich. Das wird ein besonderer Kampf. Und es ist spannend in so einem interessanten Wahlkreis unterwegs zu sein“, sagt Slawik kampflustig.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.