Letzte Tour Eagles auf Höhenflug in Lanxess-Arena – Kölner Musik-Legende ergriffen

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Die Country-Rock-Band Eagles am Dienstagabend in der Kölner Lanxess-Arena.

Köln – Für viele der rund 14.000 Fans in der Lanxess-Arena ist es ein ergreifender Moment, als sie Don Henley (71), Joe Walsh (71) und Co. auf die Bühne schreiten sehen. Die Eagles schwingen noch einmal die Flügel und machen sich zu Höhenflügen auf.

„Wir nähern uns dem Ende unseres Weges. Dies wird wohl unsere letzte Europa-Tournee sein“, hatte Don Henley vor kurzem gesagt. Und so entwickelt sich in der Lanxess-Arena ein emotionales wie ergreifendes Konzert dieser US-amerikanischen Band-Legende, die mit Country, Folk und Rock in den 70ern einen ganz eigenen Musikstil geschaffen haben.

Hinzu kommt, dass einer der „Adler“ den letzten Weg bereits beschritten hat: Es ist die erste Europa-Tour nach dem Tod von Glenn Frey (67), eine der zentralen Persönlichkeiten der Band.

Eagles wollten nach Tod von Gründungsmitglied aufhören

Ein Weitermachen ohne das Gründungsmitglied schien für die verbliebenen Musiker zunächst ausgeschlossen, doch mit Freys Sohn Deacon und Vince Gill stehen die Eagles nun in neuer Besetzung auf der Bühne. Beide werden von Walsh und Henley sehr persönlich begrüßt. Man merkt gerade Henley an, dass da ein Lebensgefährte fehlt, aber dessen Sohn macht seine Sache so gut, wie man sie nur machen kann, wenn der Vater Glenn Frey heißt und fehlt. 

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Die Band beeindruckte mit einer stimmungsvollen Lightshow in Köln.

Hier spielen keine abgezockte, leidenschaftslosen Legenden, sondern Großväter, die wie Henley am Anfang nervös über die geschlossenen Gitarren-Saiten streichen und nach Worten suchen.

Das letzte Studio-Album datiert aus dem Jahr 2007 - und ein Großteil der Songs, die in gut zwei Stunden gespielt werden, stammen aus den 70ern. Damals, als die Eagles junge Wilde waren. Und wer die Augen bei Riesenhits wie „Take it easy“ schließt, den gleich zu Beginn Freys Sohn Deacon singt, der stellt sie sich vor: Wie eine Gruppe tiefenentspannter Männer mit wehenden Haaren im Cabrio über den Highway cruisen...

„Chianti haben Sie nicht? Egal.“

Viele in der Lanxess-Arena schwelgen in Erinnerungen, als sie den Soundtrack ihres Lebens hören. Typen, die wie Country-Ikone Willie Nelson mit oder ohne Stirnband umherirren („Ey, sorry, aber ist da Pfand drauf?“) oder Jackett-Träger, die den Marsch durch die Institutionen seit 68 erfolgreich beschritten haben und an der Theke sich offenbaren: „Chianti haben Sie nicht? Egal.“ 

Sicherlich waren sie einst ebenso lässig drauf, auch wenn das Auto kein Cadillac sondern ein VW Käfer war. Aber – ey Alter – in dem ging auch einiges ab...

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Vince Gill ist Nachfolger des 2016 verstorbenen Gründungsmitglieds Glenn Frey.

„Ich denke gerne an die alten Tage zurück. Man darf aber nicht zu sentimental werden“, sagt Don Henley, der einen seiner großen Solo-Hits anstimmen darf. „Boys of Summer“ – jene Liebeshymne der ersten MTV-Generation. Jetzt sind auch auch gestandene Mitvierziger ergriffen, denken an Sabine, Melanie oder wie die Verflossene einst hieß.

Eagles in Köln: Wolfgang Niedecken ergriffen

Dass auch jüngere Fans so mitgehen, liegt nicht nur an der immer noch vorbildlichen Performance der Band, dem Handwerk, das einst mehr zählte als Instagram. Die Eagles-Songs behandeln zeitlose Themen und universale Gefühle. Bestes Beispiel: Das von ihnen besungene „Hotel California“ stellt die Welt des Überflusses dar. Und zeigt, wie viel Magie Musik entfalten kann: Das berühmte Gitarren-Duett zum Ende des Songs wird frenetisch gefeiert. Ebenso wie „Desperado“, die letzte Zugabe des Abends.

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Die Eagles wurden 1971 in Los Angeles gegründet und zählten fast ein Jahrzehnt zu den erfolgreichsten Gruppen.

Nicht erst da war auch Wolfgang Niedecken ergriffen: „Ich habe die Eagles kurz vor meinem Schlaganfall das letzte Mal gesehen“, sagt der BAP-Sänger nach dem Konzert zum Express. „Der Gitarrist Steuart Smith hat auf meinen beiden letzten Soloalben mitgespielt, den habe ich vor dem Konzert noch getroffen. Was für eine Band, was für ein mehrstimmiger Gesang...und das in dem Alter. Ich bin geflasht.“

Dass man dafür in Köln bis zu 408 Euro in den vordersten Reihen hinblättern muss, ist eine andere Geschichte. Ebenso, warum Leute bei solch begnadeten Soli von Joe Walsh so lange im Innenraum sitzen bleiben können. Vor allem wenn man fürchten muss, dass diese Adler nicht mehr lange fliegen. Aber vielleicht ist auch das eine Altersfrage.

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