„Hass auf die Dinger“ Stadt will durchgreifen – werden E-Scooter in Köln verboten?

E-Scooter liegt gestrandet am Rhein in Köln

E-Scooter als Umweltproblem? Auf dem Foto liegen E-Scooter am 15. Juni 2021 am Rhein-Ufer in Köln-Deutz. 

Köln. In der Domstadt stapeln sich die E-Scooter und damit auch Probleme mitten in der Stadt. Sie liegen nicht nur am Straßenrand, sondern sogar auf dem Grund des Rheins. Zuletzt regte sich in Köln-Porz Scooter-Widerstand. Dort wollen die Grünen und die CDU ein Verbot erwirken. Immer wieder beschweren sich Anwohner beim Ordnungsamt, Umwelt-Aktivisten gehen auf die Barrikaden. Sind Parkzonen oder ein generelles E-Scooter-Verbot in Köln ein Lösungsansatz?

  • E-Scooter Ärger in Köln
  • E-Scooter verursachen Chaos und liegen im Rhein
  • Kölner Ordnungsamt will durchgreifen

Sie liegen oft mitten auf dem Bürgersteig und sind in den Augen von CDU-Politiker Werner Marx (51) mittlerweile mehr als eine Stolperfalle. „Wir wollen die E-Scooter aus Porz raushaben“, ärgert sich der Porzer CDU-Fraktionschef im EXPRESS-Gespräch.

Anwohner und Geschäftsleute hätten sich oft bei ihm beschwert. Die Konsequenz: Ein Antrag der CDU und der Grünen mit dem klaren Auftrag an Oberbürgermeisterin Henriette Reker und die Stadt: Es sei zu überprüfen, „ob die Benutzung von E-Scootern im öffentlichen Straßenland unterbunden werden könnte“.

Der Antrag soll am 17. Juni in der Porzer Bezirksvertretung behandelt werden.

E-Scooter-Anbieter bestürzt: „Verbot wäre herber Rückschlag“

Das Verbot solle zunächst einmal nur für Porz gelten, so Marx. Für E-Scooter-Anbieter zeigen sich überrascht: „Ein Verbot in Porz wäre ein herber Rückschlag auf dem Weg zu einer besseren Mobilität und mehr Lebensqualität in den Städten“, sagt David Groher vom Branchenverband Shared Mobility gegenüber EXPRESS.

Köln: „Seit es die E-Scooter gibt, landen sie auch im Rhein“

Die Anbieter stehen auch im Dialog mit Kölner Umwelt-Aktivisten. Denn herumliegende E-Scooter sind auch zahlreich auf dem Grund des Rheins zu finden. Christian Stock vom Verein: „Kölner Rhein Aufräum Kommando Einheit“ (KRAKE) kennt das Problem.

„Seit es die Scooter in Köln gibt, landen sie auch im Rhein. Das wurde von Anfang an nicht bedacht“, kritisiert Stock. Bei seinen regelmäßigen Müllsammel-Aktionen habe er immer wieder welche aus dem Rhein gefischt. Das die Scooter-Akkus im Rhein verursachen, sei dabei eine große Gefahr.

Kölner Verein „KRAKE“ unterstützt Parkzonen-Idee für E-Scooter

Denn: „Wenn der Roller eine Zeit lang im Rhein liegt, wird der giftige Lithium-Akku freigesetzt und gelangt ins Grundwasser“, kritisiert Stock.

In Köln werden E-Scooter aus dem Rhein gezogen

Der Kölner Umwelt-Verein Krake zieht im Sommer 2021 E-Scooter aus dem Rhein.

Wer die E-Scooter in den Rhein wirft, sei unklar. „Das sind nicht nur betrunkene Jugendliche, sondern auch viele Menschen, die einfach einen Hass auf diese Dinger haben. Wir haben aber noch niemanden dabei erwischt“, sagt Stock.

Köln: E-Scooter im Rhein konnten bisher nicht geborgen werden

500 E-Roller wollte einer der größten Anbieter aus dem Rhein bergen lassen. Doch wie ein angefragter Taucher gegenüber dem WDR sagte, habe der Anbieter abgewunken, als er von den Kosten hörte.

Rafael Struwe, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Stadtrat bringt das auf die Palme: „Es kann nicht sein, dass sich die Verleiher einen schlanken Fuß machen und ihre eigenen Scooter aus Kostengründen nicht aus dem Fluss holen wollen. Sie riskieren sehenden Auges eine erhebliche Umweltverschmutzung durch die Batterien der Roller. Das ist geradezu skandalös!“

Die SPD will das Thema in der kommenden Ratssitzung zum Thema machen.

Kölner Ordnungsamt will durchgreifen: „Fordern langfristige Lösung ein“

Das Kölner Ordnungsamt greift schon jetzt regelmäßig ein: „Vereinzelte Hinweise zu einzelnen E-Scootern wurden den Anbietern zwecks Behebung weitergeleitet. In vielen Bereichen entlang von stehenden oder fließenden Gewässern gibt es bereits Ausbringungs- und Abstellverbote“, sagt Stadtsprecher Robert Baumanns auf EXPRESS-Anfrage.

Weiterführende Maßnahmen würden geprüft. Die Verwaltung werde mit den Anbietern Kontakt aufnehmen und eine langfristige Lösung einfordern.

Köln: Stadt hat 2021 schon in 642 Fällen Verwarngelder gegen E-Scooter-Anbieter verhängt

Für einen nicht korrekt abgestellten Scooter erhebt die Stadt ein Verwarngeld von 15 Euro. Der Anbieter wird zudem aufgefordert, die Behinderung unverzüglich aufzuheben.

Die Mitarbeitenden der Verkehrsüberwachung haben nach Angaben der Stadt im laufenden Jahr in bisher 642 Fällen Verwarngelder gegen E-Scooter-Anbieter verhängt (Stand 10. Juni 2021). „Im Jahr 2020 waren es fast 1500 Fälle, im Jahr zuvor 122“, so Baumanns.

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