Zum Abschied nach 21 Jahren in verantwortlicher Position im Festkomitee Kölner Karneval gab es einen Zapfenstreich für Christoph Kuckelkorn. Viele Weggefährten waren gekommen.
Kuckelkorn: Tränen bei ZapfenstreichBesonderer Wagen im Rosenmontagszug
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„El Presidente in Rente“: Unter diesem Motto wird Christoph Kuckelkorn (61) am Rosenmontag auf seinem ganz besonderen Abschiedswagen stehen. Den Entwurf dazu präsentierte Zugleiter Marc Michelske am Montagabend (2. Februar 2026).
Der Wagen zeigt den scheidenden Festkomitee-Präsidenten auf einem Motorrad, wie er mit Blaue-Funken-Krätzchen auf dem Kopf und Spaten im Gepäck vom Haus des Kölner Karnevals wegdüst. „Mer dun uns för dich freue“, steht als abgewandeltes Sessionsmotto auf einem Banner.
Kuckelkorn: Abschiedsfest mit vielen Weggefährten im Blaue-Funken-Turm
Die Wegweiser zeigen São Paulo, die Heimatstadt seiner Frau Katia, und Melaten, den Haupt-Einsatzort des Bestatters, an. Das Düsseldorf-Schild, wo der Sitz seines neuen Firmen-Netzwerkes ist, ist abgebrochen.
Nach 21 Jahren in verantwortlicher Position wurde zum Abschied für Kölns „Mister Karneval“ ganz groß aufgefahren. Im Sachsenturm der Blauen Funken hatte das Festkomitee einen Überraschungsabend für Kuckelkorn organisiert. Präsidenten, Wegbegleiter, Familie und Freunde waren gekommen.
„Alaaf un Adschüss“ lautete das Motto. Alle Gäste erhielten am Eingang einen Abschieds-Pin. Zum Auftakt trat die Kinder- und Jugendtanzgruppe der Blauen Funken auf. Dort hatte Kuckelkorn vor 55 Jahren begonnen, heute ist Enkelin Sophie Mitglied der Gruppe, Sohn Marcel wird demnächst ihr Leiter.
In einer Talkrunde arbeitete Kommunikationsvorstand Michael Kramp verschiedene Seiten des Ober-Jecken heraus. Markus Ritterbach erinnerte an die Anfänge vor zwei Jahrzehnten, als er Präsident und Kuckelkorn Zugleiter wurde. „Wir hatten beide von nichts eine Ahnung. Das war wie Jugend forscht. Wir waren überfordert, weil uns das Spezialwissen fehlte. Aber Chris war schon immer der verrückte Kreative.“

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Emotionaler Moment. An der Seite der Präsidenten der Kölner Traditionskorps erlebte Christoph Kuckelkorn den Zapfenstreich vor dem Sachsentum.
Anfangs arbeitete auch Künstler Ken Reise mit Kuckelkorn in der Zugleitung. „Chris war unberechenbar“, sagt er. Viele Herausforderungen wie Sturm an Rosenmontag, der Wirbel um den geplanten „Charlie Hebdo“-Motivwagen 2015, der letztlich durch einen grauen Betonklotz ersetzt wurde, mussten gemeistert werden.
„Er war produktiv und kreativ. Das geht nur, wenn man einen Leithammel hat, dem die Leute vertrauen. Man konnte sich blind auf ihn verlassen und er hat auch mir immer vertraut.“

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Christoph Kuckelkorn mit der Kinder- und Jugendtanzgruppe der Blauen Funken, in der er schon als Kind getanzt hat.
Basti Campmann von der Band Kasalla wurde von Kuckelkorn mit den Gepflogenheiten des organisierten Karnevals vertraut gemacht. „Wir haben uns die Meinung gesagt, es gab auch Differenzen. Aber er war immer Vermittler. Ich habe sehr viel Respekt, weil sich Christoph immer zwischen den Stühlen bewegt hat“, sagte der Sänger.
Kölns neuer Oberbürgermeister Torsten Burmester hatte nur kurz das Vergnügen, mit dem Präsidenten zu arbeiten. „Wir haben uns auf ein paar Kölsch im Vringsveedel getroffen. Da habe ich gemerkt, dass er den Menschen zuhört und Vertrauen schafft. Das möchte ich auch. Ich kannte vorher nur den Kneipen- und Straßenkarneval. Doch dann habe ich von den Besten gelernt, was den Karneval angeht: von Christoph und dem fantastischen Dreigestirn. Du hinterlässt verdammt große Fußstapfen“, sagte der OB.

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Ken Reise, Markus Ritterbach und Basti Campmann (v.l.) sprachen in einer Talkrunde über ihre Zeit mit Christoph Kuckelkorn.
Ex-Höhner-Frontmann Henning Krautmacher hatte eigens ein Lied zum Kuckelkorn-Abschied komponiert. „Ophüre, wenn et am schönste es, du häs et jeschaff“, heißt es darin. „Op unsere Christoph Kuckelkölle alaaf, alaaf, alaaf.“
Zudem gab es unzählige Videobotschaften. Die StattGarde Colonia Ahoj, Cat Ballou, Nathanael Liminski, Msgr. Robert Kleine, die Kölsche Kippa Köpp, Nici Kempermann, Bernhard Conin, Henriette Reker und viele mehr schickten ihre Grüße in einem 13-minütigen Film.

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Zur Verabschiedung war die ganze Familie von Christoph Kuckelkorn in den Blaue-Funken-Turm gekommen.
Der Düsseldorfer Karnevalswagenbauer Jacques Tilly war auch dabei. „Die Nachricht war natürlich schockierend. Den Kölner Karneval ohne Kuckelkorn kann ich mir gar nicht mehr vorstellen. Wenn du meinst, dass es sein muss, dann muss es eben so sein. Ich hatte in dir einen Gleichgesinnten und Freund. Es war toll, wie sich der Kölner Karneval engagiert hat, gerade gegen Rechtsextremismus. Ich hoffe, dass ihr weiter auf diesem Kurs fahrt“, sagte er.
Micky Nauber von den Domstürmern wurde von Kuckelkorn gern als „Klassensprecher“ der Künstler bezeichnet. „Ihr habt das Kostbarste eingesetzt, was wir Menschen haben, nämlich Lebenszeit. Ihr habt Haltung gezeigt, gestaltet, statt zu verwalten – und das alles im Ehrenamt“, lobte er.

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Auch Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (l.) hielt eine ganz persönliche Rede über Christoph Kuckelkorn.
Und von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst gab es auch besondere Grüße. „Mehr als 50 Jahre lang haben Sie den Kölner Karneval aktiv erlebt, gefeiert und geprägt. Sie können stolz sein auf vieles, was Sie in den vergangenen Jahrzehnten für den Karneval und Ihre Heimatstadt getan haben. Wenn ich allein an die Friedensdemo an Rosenmontag 2022 mit 250.000 Teilnehmenden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine denke. Das war eine Riesenleistung der Zivilgesellschaft und ein großes Zeichen für die Kraft des organisierten Karnevals in Köln.“
Blaue-Funken-Präsident Björn Griesemann freut sich, dass Kuckelkorn bald wieder mehr Zeit für sein Korps hat. „Du bist der größte Ehrenamtler, den wir im Fastelovend haben. Seit 21 Jahren schenkst du uns deine Zeit, dein Herz, dein Engagement. Wir alle wissen auch, wie schwer es dir fällt, den Schritt jetzt zu gehen. Du hast es selbst in die Urkunden für alle Präsidenten geschrieben: ‚Nicht zu lang am Pöstchen kleben‘. Es ist deine große Geste, dass du das jetzt vorlebst.“

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Zur Verabschiedung gab sich auch das Dreigestirn mit Prinz Niklas, Bauer Clemens und Jungfrau Aenne die Ehre.
Auch das Dreigestirn schaute an seinem eigentlich freien Montag vorbei. „Die Amerikaner können mit ihrer ‚Vom Tellerwäscher zum Millionär‘-Story einpacken. Christoph hat es vom Kamellejung der Blauen Funken zum Festkomitee-Präsidenten geschafft“, sagte Prinz Niklas I. „Karneval ist mehr als Schunkeln und Biertrinken in lustigen Uniformen. Das ist eine Lebensleistung, die er vollbracht hat.“
Vom designierten Nachfolger Lutz Schade gab es ebenfalls bewegende Worte. „Karneval ist die soziale Infrastruktur der Stadt. Uns allen bist du ein großer Lehrmeister in Bezug auf Karneval. Wir werden den Auftrag übernehmen, den Karneval lebendig zu halten.“ Als der Vizepräsident zusammen mit Christine Flock den Ehren-Vorstandsorden des Festkomitees überreichte, flossen erstmals die Tränen bei Kuckelkorn. Zudem durfte er sich in das Goldene Buch des Kölner Karnevals eintragen.

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Zugleiter Marc Michelske (l.) präsentierte den Entwurf des Wagens, mit dem Christoph Kuckelkorn am Rosenmontag durch Köln fahren wird.
Zum Abschied hatte Kuckelkorn noch einen kritischen Seitenhieb parat. „Ich hätte mir gern an der einen oder anderen Stelle mehr Rückhalt gewünscht“, sagte er in Richtung der zahlreichen Präsidenten im Saal. Aber dann ging der Blick nach vorn. Und da machte er keinen Hehl daraus, welches Ergebnis er sich bei der Präsidentenwahl am 23. März erhofft: „Demokratie ist wichtig. Aber Kontinuität ist eine Bank für den Kölner Karneval.“

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Für seinen Wunsch-Nachfolger Lutz Schade (r.) hatte Christoph Kuckelkorn bereits einen Koffer gepackt.
Daher soll Lutz Schade, der vor vier Jahren Vizepräsident wurde, ihn beerben. Symbolisch erhielt er von Kuckelkorn einen Koffer mit Dingen für die Reise, die vor ihm liege: ein Pilgerzeichen, ein Kunstwerk (für Kreativität), ein Kreuz (für Demut), ein Schloss (für Offenheit), Tee (für Gelassenheit), Konfetti (für den bunten Karneval), ein Teddy (für die Familie), eine Wärmflasche (für Gesundheit) und ein Clown-Set (für Blödsinn) waren unter anderem darin.
Der Abschiedsabend endete schließlich hoch emotional vor dem Gebäude mit dem Zapfenstreich. Als die Spielmannszüge der Traditionskorps unter anderem „Do bes Kölle“ und „Unsere Stammbaum“ spielten, flossen die Tränen. Dr. Heiner Leisten, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kölner Karnevals, hatte den passenden Rat: „Weine nicht, weil es an Aschermittwoch vorbei ist, sondern lächle, weil es so schön war.“

